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Im Emmendinger Theater im Steinbruch feierte das Kinderstück „Igraine Ohnefurcht“ Premiere
Bei der Premiere regnete es, ins Wasser fiel sie nicht. Vielmehr war das magische Kinderstück „Igraine Ohnefurcht“ im Emmendinger Theater im Steinbruch ein voller Erfolg, auch wegen der starken Darsteller.
In eine Welt der Magie mit edlen Rittern und fiesen Bösewichten, mit sprechenden Tieren und Zauberern entführt das Theater im Steinbruch mit dem Kinderstück „Igraine Ohnefurcht“. Das Ensemble zeigte eine sehr gelungene Premiere – trotz des Regens. Gegen das Wetter schienen die Zauberkräfte auf der Bühne machtlos zu sein. In der Pause wurde die Bühne trockengeschrubbt. Beeindrucken ließen sich die 27 Darsteller zwischen neun und 17 Jahren vom Regen aber nicht – für sie schien er gar nicht zu existieren. So schien es auch beim Publikum, aber das saß ja auch im Trockenen, nämlich auf der überdachten und fast ausverkauften Haupttribüne. An den Seiten war noch Platz, wohl nicht nur des Wetters wegen: „Wir merken die Pfingstferien“, sagt Jasmin Baumgratz, die stellvertretende Vorsitzende.
Zu Beginn der Vorstellung flitzen fünf flinke Wesen in Schwarz auf die Bühne: Es sind die Erzählerinnen, die das Stück begleiten. Sie stellen Igraine vor, deren Bruder Albert und deren Eltern, eine Familie von Zauberern. Nur Igraine will Ritterin werden. Nur sollte man sich beim Zaubern nie versprechen. Genau das aber passiert Papa beim großen Zauber für Igraines Geburtstagsgeschenk. Versehentlich verwandelt er sich und seine Frau in Schweine. Das Dumme: Schweine können nicht zaubern, das macht die Zurückverwandlung schwierig. Da kann nur Igraine helfen.
Die Lage ist kritisch: Ausgerechnet jetzt rückt Gilgalad der Gierige an, gespielt von Lisa Schmieder, die zum Davonlaufen finster dreinblickt. Er will die Zauberbücher von Igraines Eltern; bei ihrer Nachbarin hat er schon zugeschlagen. Igraine schmuggelt sich als Eierverkäuferin ins feindliche Lager. Dort gibt es ein Pferd, das keiner einholen kann. Mit dem macht sie sich auf den Weg zum Riesen. Nomen est Omen: Belinda Grafmüller ist eine überaus energische Igraine Ohnefurcht. Dass auch sie zaubern kann, ist kein Nachteil…
Aber Igraine kommt zurück, unterstützt von einem traurigen Ritter, den ihr der Riese zur Seite gestellt hat. Maja Kesselring spielt den guten Kämpfer sympathisch und ernsthaft. Dass er nur durch einen unfairen Zauber seines Gegners Rowan Ohneherz (schön eiskalt: Mira Rombach) verloren hat, weiß er noch nicht. Aber gegen Zauber hilft Gegenzauber. Dennoch spitzt sich die Lage zu. Bis, ja bis Sir Lamorak (Janosch Hehr) und Melisande (Laila Smrzka) wieder Menschen sind und ein gutes Ende doch noch möglich scheint.
Die Technik ergänzt das temporeiche Spiel ideal. Pferdegetrappel und Schnauben kommen vom Band – eine gute Idee. Und davon gibt es viele in diesem Stück. Das Regieteam (Lorenz Allweyer, Lukas Kadlec und Pascal Jessen) sorgt dafür, dass die jungen Darstellerinnen sie optimal umsetzen. Es passt einfach alles – etwa, wenn die Zauberbücher singen und tanzen – und Launen haben. Oder wenn die Erzählerinnen riesige Fußabdrücke simulieren, die den Weg zum Riesen weisen. Der thront als überlebensgroße Puppe über den Kulissen und selbst sein Abbau in der Pause ist sehenswert. Ebenso der dreiköpfige Drache – er besteht aus drei Schauspielerinnen, die sich bestens miteinander abstimmen.
Szenenapplaus gab es mehrfach, der Schlussapplaus zusammen mit Getrampel auf der Tribüne ließ diese erzittern. Als das ganze Team auf der Bühne steht, wird deutlich, wie viele helfende Hände hinter dem Erfolg stecken. Vorsitzende Silvia Gschwendtner ist riesig stolz auf ihr kreatives und energiegeladenes Team: „So toll, fantastisch, was die auf die Bühne stellen!“ Stimmt.
Badische Zeitung, 17.06.2025
Im Theater im Steinbruch in Emmendingen laufen die Proben für das Kinderstück auf Hochtouren
Schon seit November probt das Team des Theaters im Steinbruch für das neue Kinderstück. Dieses Mal mit einem dreiköpfigen Regieteam. Ab dem 15. Juni steht „Igraine Ohnefurcht“ auf dem Spielplan.
Erstmals hat das Theater im Steinbruch in Emmendingen ein dreiköpfiges Regieteam für das Kinderstück. Gespielt wird „Igraine Ohnefurcht“ nach dem Buch von Cornelia Funke – ein witziges Ritterstück mit Drachen, Zauberei und sehr viel Action. Die neuen Regisseure Lorenz Allweyer, Lukas Kadlec und Pascal Jessen sind „Eigengewächse“ des Steinbruch-Theaters, haben auch beruflich mit Theaterspiel zu tun und teilen sich die Aufgaben nach Kompetenzen und zeitlichen Möglichkeiten.
Nachdem die bisherige Kinderstück-Regisseurin Silvia Gschwendtner den Vorsitz des Amateurtheaters übernommen hatte, entstand die Teamidee am Küchentisch, erzählen ihre drei Nachfolger. Sie sind befreundet – und sie wussten, wie viel Arbeit auf sie zukommt. Die Kommunikation werde im Team aufwändiger, sagt Lukas Kadlec. Aber weil sie zu dritt sind, bleibe mehr Aufmerksamkeit für das einzelne Kind.
Lorenz Allweyer ist in das Theater hineingewachsen, das erste Mal sei er im Bauch seiner Mutter dabei gewesen, erzählt er schmunzelnd – seine Eltern sind seit vielen Jahren auf der Bühne und im Vorstand, als Autor und Regisseurin aktiv. 2001, da war er sechs, hat er erstmals im Kinderstück mitgewirkt, später oft in mehreren Rollen in einem Stück. Jetzt arbeitet er als Sozialpädagoge an der Paula-Fürst-Schule in Freiburg, wo er – klar – eine Theatergruppe betreut. Er bildet sich auch als Theaterpädagoge weiter. Seine Spezialität sind Bühnenkämpfe – die choreografiert er beim Steinbruch-Theater schon seit Jahren.
Lukas Kadlec wiederum kam im Alter von 17 Jahren durch einen Schulkameraden zum Theater; das war 2016. Er fand es so toll, dass er dabei blieb und später die Schauspielschule absolvierte, erzählt er. Nun ist er Schauspieler und Theaterpädagoge, gibt Kindern wie Rentnern Theaterkurse, macht Historix-Stadtführungen und Improtheater für Kinder im Europa-Park. Zwei Tage pro Woche arbeitet er im IT-Bereich.
Co-Regisseur Pascal Jessen ist Grundschullehrer und ab nächstem Jahr an der Freien demokratischen Schule in Freiburg tätig. Er hat Theater als Fach studiert und arbeitet auch als Vetotrainer, das heißt, er vermittelt durch Theaterarbeit spielerisch Kompetenzen für Führungsprozesse. Im Theater am Steinbruch hat er erstmals 2014 mitgespielt, zunächst im Erwachsenen-, dann in Kinderstücken.
Die Proben haben im November begonnen, wie immer mit dem Schauspieltraining, bei dem die Grundregeln auf der Bühne und einfache Techniken vermittelt werden. Dabei sehen die Regisseure auch, wer für welche Rollen infrage kommt. Diesmal spielen sieben Neulinge mit, und etliche Kinder, die erst ein- oder zweimal auf der Bühne standen.
Die Proben sind derzeit in der heißen Phase, auf Beschluss des Elternabends sind Handys tabu, erklärt Jessen. Konzentration ist gefordert. Ein Beispiel: Im Stück wird gezaubert, für Effekte sorgt die Technik – und das muss passen. Dass der Text gut sitzt, testet Regieassistentin Silvia Jessen in der Vorbereitungsstunde. Die dient nicht nur dazu, die Requisiten bereit- und das Kostüm anzulegen, sondern auch der Einstimmung auf die Rolle.
Herausforderung und Highlight zugleich sei die Belagerungsszene, sagt Allweyer – dann werden fast alle Kinder auf der Bühne sein. Die gilt es zu koordinieren; auch da sei es gut, zu dritt zu sein, wobei Jessen im Hintergrund agiert. Im Theaterstück nach dem Buch von Cornelia Funke wird nur von der Belagerung erzählt. Aber die Version des Steinbruch-Theaters, die die Regisseure erarbeitet haben, zeigt die Belagerung; sie halte sich enger an das Buch, sagt Kadlec.
Dann wird es wuselig auf der Bühne: Die Kinder schleppen Requisiten herbei, Leiter, Körbe, Schwerter und Stöcke und dicke Schaumstoffmatten, während im Park Sprechproben ablaufen und auf der Bühne die Klingen gekreuzt werden. Die Armbrustschützen üben wegen des regnerischen Wetters im Schuppen das synchrone „…und Schuss!“. Das Stück sieht nach einem Volltreffer aus.
Badische Zeitung, 10.06.2025