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Travestieshow mit Tanzeinlagen

BZ-INTERVIEW mit Regisseurin Simone Allweyer und Choreographin Jasmin Baumgratz über das Winterstück “Ganze Kerle”.

Temporeich und voller Witz – so kennt man die Winterstücke des Theaters im Steinbruch. Nun steht im Februar “Ganze Kerle” auf dem Spielplan, eine Komödie von Kerry Renard. Die Proben laufen auf Hochtouren. Sylvia-Karina Jahn sprach darüber mit Regisseurin Simone Allweyer und Choreographin Jasmin Baumgratz.

BZ: Eine Travestieshow als Winterstück des Theaters im Steinbruch – wie kam’s dazu?
Allweyer: Ich habe das Stück im Internet gefunden, durchgelesen und ich fand die Dialoge witzig und gut. Gereizt hat mich die Travestieshow, die die Jungs in dem Stück einstudieren. Aber auch der Hintergrund: Sie sind hilfsbereit, jeder wird akzeptiert, wie er ist und man merkt, die mögen sich – das wollte ich auf der Bühne sehen. Weil ich aber von Show und Tanz nicht so viel Ahnung habe, habe ich Jasmin Baumgratz gefragt; sie ist Tänzerin.

BZ: War es schwer, die Rollen zu besetzen?
Baumgratz: Das Stück stand schon vor Jahren mal auf dem Zettel, nur haben wir damals kein Ensemble dafür zusammen bekommen. Jetzt gibt es eine Horde Jungschauspieler, die Lust darauf haben, das zu spielen. Also: nein.

BZ: Worum geht es bei diesem Stück?
Allweyer: Es erzählt von vier Paketboten beim Südbadischen Paketdienst, die erfahren, dass die Tochter ihres Chefs eine Augenoperation benötigt. Doch woher das Geld nehmen? Der Jüngste hat die Idee einer Travestieshow, sie fangen an, die Geschichte einzustudieren. Eine Mutter ist Tanzlehrerin (gespielt von Jasmin Baumgratz) und hilft ihnen dabei.

BZ: Wie geht es voran? Seit wann proben Sie, und ist der Aufwand höher als bei früheren Stücken?
Allweyer: Im Oktober begannen die Leseproben und Rollenbesprechung, im November und Dezember die Szenenproben, drei- bis viermal die Woche, und jetzt sind wir dabei, die Szenen zusammenzufügen. Der Aufwand ist an sich vergleichbar mit unserem vorherigen Stück, den “39 Stufen” – und durch die Tanzerei dann doch höher. Im Moment ist die Choreografie der Schwerpunkt. Derzeit proben wir noch im Vereinsheim.

BZ: Haben Ihre Schauspieler überhaupt noch Zeit für andere Dinge?
Allweyer: Das müssen sie wohl, zwei stecken voll im Studium, zwei sind zu 100 Prozent berufstätig. Daneben laufen die Vorbereitungen für das Sommerstück – vier Schauspieler aus dem Winterstück wirken auch im Sommer mit.
Baumgratz (lacht): Wir sind eben ein ganzjährig arbeitender Betrieb…

BZ: Welche besonderen Schwierigkeiten stellen sich bei der Inszenierung?
Allweyer: Allein schon, Schuhe zu finden, in denen die Jungs laufen können! Und nach der letzten Szene müssen alle schnell perfekt gestylt und geschminkt werden. Auch mussten die Jungs daran gewöhnt werden, sich als Frauen zu bewegen.
Baumgratz: Wenn Männer Frauen spielen dürfen, sind sie wie kleine Kinder. Aber sie haben auch gemerkt: Das ist Arbeit. Sie machen sie – und sie machen sie gut. Alle kommen aus der Jugendgruppe des Vereins, sie können sich aufeinander verlassen. Sie haben Routine – aber auch jede Menge Spaß.

BZ: Was ist aus Ihrer Sicht das Highlight?
Allweyer: Ich glaube, der Spaß, den die Jungs am Spiel haben – dieser Funke wird auf das Publikum überspringen. Und die Show am Schluss ist ein besonderes Highlight. Aber es steckt mehr dahinter: Mich fasziniert an dem Stück die Botschaft, jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist – und das ohne erhobenen Zeigefinger.
Baumgratz: Es geht darum, dass nicht die Äußerlichkeiten zählen, sondern der Mensch und der Charakter dahinter. Die Travestie dient dazu, Dinge auszuleben, die an manchen Ecken der Gesellschaft anecken könnten. Hat jemand Lust auf hohe Schuhe und Damenkleider, heißt das ja nicht, dass er schwul ist. Stattdessen: Jeder darf so sein, wie er sich fühlt.

BZ: Die Premiere findet erstmals in Teningen in der Theodor-Frank-Schule statt. Ist das der Anfang eines Tournee-Theaters oder was sind die Gründe dafür?
Baumgratz: Wie wollten auch mal in andere Ortschaften. Es ist ein Versuch – und es ist eine Herausforderung für die Technik, weil wir alles hintransportieren müssen. Aber das Stück eignet sich, es kommt mit wenigen Requisiten aus. Wir spielen erst mal nur an zwei Wochenenden und probieren die Logistik aus – wir werden sehen, ob ein Tourneetheater daraus wird. Und ob wir an anderen Spielorten auch anderes Publikum bekommen.

Badische Zeitung, 18.01.2020