Presse

Fast schon ein Zweitberuf

Das Theater am Steinbruch blickt auf eine außergewöhnlich gute Sommersaison zurück und plant ein Weihnachtsstück – draußen!

Das gab’s noch nie: Das Theater im Steinbruch plant für das zweite und dritte Dezemberwochenende je zwei Aufführungen von Charles Dickens Weihnachtsgeschichte – im Steinbruch! Auch die Sommersaison 2018 lief einmalig: 9300 Karten und damit rund 1000 mehr als im Vorjahr wurden in den sieben Wochen Spielzeit verkauft, so die erste Bilanz.

„Das Wetter hat uns natürlich in die Karten gespielt, wir waren recht früh über das Ticketsystem ausverkauft“, sagt Vorsitzender Hans-Joachim Wipfler. Aber das war’s nicht allein: „Die Stücke haben den Leuten was gesagt, das Erwachsenen- vielleicht noch mehr als das Kinderstück“, ergänzt seine Stellvertreterin Jasmin Baumgratz. Vor allem „Die drei Musketiere“ haben gezogen, aber auch Timm Thaler sei angekommen. „Und wir haben viele Stammkunden.“

Das hat sich das Team hart erarbeitet. „Wir haben uns einen sehr guten Namen gemacht, sind vom guten zum Spitzen-Laientheater geworden“, sagt Wipfler. Spätestens nach der Premiere setzte die Mund-zu-Mund-Propaganda ein. All das führte dazu, dass in den Vorverkaufsstellen bei ihm im Geschäft bald keine Karten mehr zu haben waren – und das können viele Leute nicht verstehen, berichtet er.

Das Einzugsgebiet des Theaters im Steinbruch reiche mittlerweile von der Schweizer Grenze bis nach Offenburg, vom Kaiserstuhl über das Elztal bis St. Peter und St. Märgen. Besucher kommen aber auch über Kontakte zu anderen Bühnen, deren Mitglieder die Emmendinger besuchen und die im Gegenzug auch von Mitgliedern des Theaters im Steinbruch besucht werden. Das macht Spaß – und gibt spannende Rückmeldungen zu Spiel und Stücken, sagen die beiden.

Der Andrang macht viel Arbeit. Pro Vorstellung werden an die 50 Personen benötigt – vor und hinter den Kulissen. Selbst das Team im Bewirtungspavillon hat seine eigene Bühne, wie es Wipfler formuliert. Sie haben Spaß an der Sache – ohne das ginge es auch gar nicht bei 28 Vorstellungen in dieser Saison. Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag… „Am letzten Abend waren wir nach dem Aufräumen froh, dass alles fertig ist“, sagt Wipfler und fügt hinzu: „Die Schauspieler würden gern weiterspielen.“

Und das werden sie – am zweiten und dritten Adventswochenende. Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte auf der Freilichtbühne in Emmendingen – das gab’s noch nie. Wipfler hatte das Projekt zum Saisonende angekündigt – und hätte „gefühlt gleich 50 Karten verkaufen können“. Klar, das Wetter sollte mitspielen – es darf gern klirrend kalt sein, aber nicht zu nass – aber der Park bietet so viele Möglichkeiten, mehr als nur Glühweinverkauf. Und gegen Kälte gibt’s schließlich Decken und warme Klamotten. Die Stückidee geistere schon länger durch den Verein, sagt Baumgartz; Gunter Hauß und Benedikt Bachert haben schon mal mit dem Gedanken gespielt. Und in diesem Jahr passt das Sommer-Bühnenbild perfekt, „wir haben alles, was wir brauchen.“ Ein bisschen ist die Idee auch der Raumnot geschuldet: Wo spielen und, noch schwieriger, weil so oft, proben? ergänzt Wipfler. Und der Steinbruch im Winter – das sei eine völlig andere Bühne.

Andere Vereine klagen darüber, dass ihnen die Helfer ausgehen. Beim Theater im Steinbruch ist das anders, beim ersten Aufruf meldeten sich gleich mehr Schauspieler als benötigt, aus beiden Ensembles – denn für die Weihnachtsgeschichte werden alte wie junge Menschen gebraucht. „Das verbindet beide Ensembles“, freut sich Baumgratz.

Trotzdem – wie hält man sie bei der Stange? „Vorbild sein, da sein, mitmachen“, sagt Wipfler. Und auch mal Danke sagen: An die Regie und die Ensembles, die stunden- und tagelang geprobt haben; an die vielen Helfer: „Der Aufwand hintendran wird oft gar nicht gesehen – und ist fast grenzwertig, fast ein Zweitberuf.“ Der dann mit den Sommerstücken 2019 weitergeht. Mit welchen? Das wissen die beiden an der Spitze noch nicht, der Spielbeirat wird das nach den Sommerferien beraten und entscheiden. „Wir sind ein sehr demokratischer Verein“, sagt Wipfler. „Deswegen findet jeder bei uns seinen Platz, etwas, das ihm Spaß macht“, ergänzt Baumgratz, „vielleicht ist das der Schlüssel zur Motivation.“

Der zu funktionieren scheint: Das Theater im Steinbruch hat mehr als 400 Mitglieder. Und wer mal beruflich oder familiär pausieren müsse, komme danach meist wieder.

Badische Zeitung, 09.08.2018

Soundtrack zu den drei Musketieren: Alle auf eine CD gepresst

Seit dem 16. Juni 2018 spielt im Theater im Steinbruch, Emmendingen das Abenteuerstück “Die drei Musketiere” nach Alexandre Dumas père in einer Fassung von Theodor Schübel. Der Verein Theater im Steinbruch Emmendingen e.V. hat nun kürzlich den offiziellen Soundtrack dazu auf CD herausgebracht. Wir hatten das Vergnügen, die musikalische Perle genießen zu dürfen.

Betonung liegt auf Soundtrack

Wer auf der CD eine x-te Neuauflage des Musicals “3 Musketiere” von den Brüdern Bolland erwartet, ist zum Glück falsch gewickelt. Diese CD ist ein Soundtrack, der eigens für die Produktion erstellt wurde. In Zusammenarbeit mit TONPONY STUDIOS wurde dabei ein Meisterwerk geschaffen.

Inhalt

Der Inhalt der allseits bekannten Mantel- und Degengeschichte ist schnell erzählt: D’Artagnan (ein Bauernsohn) verlässt seine Heimat, um als Musketier zu werden. Bevor das aber passiert, beleidigt er unabhängig voneinander die Musketiere Athos, Porthos und Aramis und wird von ihnen zum Duell herausgefordert. Daraus wird allerdings nichts, als sich der Garde des Kardinals gegenübersehen und besser miteinander als gegeneinander kämpfen. Dies ist der Beginn einer Partnerschaft gegen den Kardinal und seine Agentin Lady deWinter. Mit dem allbekannten Spruch “Einer für Alle und Alle für Einen” bestehen sie dann so manches Abenteuer.

Mehr fürs Ohr

Redaktionsarbeit ist nicht immer einfach. Auf der einen Seite ist man ein Mensch mit subjektiven Ansicht, wie wir Menschen nunmal so sind. Und auf der anderen Seite muss man sich bemühen, einen Sachverhalt objektiv darzustellen. Das geht nicht immer. Und muß es auch nicht. Um eine CD zu rezensieren, legen wir sie ein und hören mal im Schnelldurchlauf durch. Jeder Titel wird dabei mal kurz angespielt. Das ist dann der erste Eindruck, den wir oft auch in den sozialen Medien schon einmal zum Besten geben. Der erste Eindruck hier – oder besser: der erste Gedanke: Was für eine geniale Musik!

Aber: Der erste Eindruck kann täuschen, wenn man zum Beispiel genau die zwei Sekunden eines Song erwischt hat, die spannend sind. Nicht so beim Soundtrack zu den drei Musketieren. Hier war es eher das Gegenteil: je mehr man von der Musik hört, desto besser wird sie. Noch dazu kann man immer wieder neue Nuancen entdecken, wenn man genau hinhört und sich einfach mal nur auf die Musik konzentriert, anstatt auf die Hektik um Einen herum. Das genaue Zuhören – und vor allem das bewusste Zuhören – lohnt sich bei dieser Scheibe auf den jeden Fall.

Schön auch: die Titelauswahl fasst die Musik des jeweiligen Song wunderbar zusammen, das schafft auch nicht jeder, denkt man nur an wohlklingende Titel, hinter dem sich dann nur leeres Auf und Ab von Noten versteckt. Man kommt nicht umhin zu fragen: wie mag das Ganze wohl zusammen mit der Liveinszenierung aussehen? Vermutlich bombastisch!

Bildhaft, Kraftvoll, Spannend

Mantel- und Degengeschichten sind oftmals voll von romantischer Verklärung, gerade wenn es sich um ältere Filme handelt. Die Grenze zum Kitsch ist dabei nicht selten fließend. Wohltuend ist es da, wenn man einen Soundtrack in den Händen halten kann, für den romantische Verklärung ein Fremdwort ist, der kraftvoll und bildhaft die Geschichte des mutigen D’Artagnan und einen Kumpanen in Musik verwandelt, die Szenen vor dem inneren Auge entstehen lässt. Die Musik nimmt einen mit. Mit auf eine Abenteuerreise, voll gepackt mit Witz, Charme und Action. Besonders spannend sind die Wechsel in den Songs selbst. Nichts verharrt lange in einer Melodie oder Stimmung und so muß man einfach zuhören, sonst würde man garantiert etwas verpassen.

Viel zu schnell ist das Spektakel vorbei, aber zum Glück kann man sich im Unterschied zur Liveinszenierung gleich nochmal durch das Abenteuer hören. Der Repeat-Knopf ist ja schließlich immer in Reichweite.

KulturAspekte, 03.07.2018

Vier Musketiere und ein Kardinal

Gefeierte Premiere im Theater im Steinbruch

Nach einer Theater-Premiere, zumal unter freiem Himmel, soll natürlich nicht zu viel verraten werden, aber so viel sei gesagt: Es lohnt sich! Da waren sich der Verfasser und das vor Begeisterung mit den Füßen stampfende Publikum im Theater im Steinbruch einig.

Die Inszenierung von Benedikt Bachert ist nicht nur gelungen, sondern zeigt phasenweise in der Choreographie der Fechtszenen geradezu musikalische Züge und profitiert von einer in ihrer Großzügigkeit bespielten Freilichtbühne vor dem Steinbruch. Dort sind ein Gasthaus, das Königsschloss mit Residenzen der Exzellenzen (Jasmin Baumgratz als König Louis XIII., Franziska Bosch als seine Frau und Königin von Österreich) und Kardinal Richelieu (ein entschlossen-gewiefter Christian Fuhrman) hinter einer großen Freitreppe zu sehen, die genauso wie der Platz davor und das Heim des Käsehändlers (Michael Schäfer als feiger Bonacieux, Juliana Bachert als seine liebestolle Frau Constance) abwechselnd ins Rampenlicht geraten.

Die eigentlichen Hauptdarsteller sind natürlich die Musketiere (Lorenz Allweyer, Johannes Wipfler, Lukas Kadlec) und vor allem der dazu kommende d’Artagnan (leichtfüßig und bei den Frauen beliebt: Leonardo Lukanow), dem die Rolle als fechtender Rettungsengel gut steht.

Letztendlich setzt er sich und damit das Königshaus gegen den kriegstreiberischen Kardinal durch, spannend sind dabei die schnellen Szenenwechsel und die intrigante Geschichte, die von Lady deWinter (Silvia Gschwendtner) und ihrer Zofe (Felicia Hess in einer gut gespielten Nebenrolle) transportiert wird. Mit drei Göttinnen und den Mantel- und Degen-Helden der Garde des Kardinals bekommt die Szenenfolge Tempo und bleibt doch nicht in Einzelaktionen stecken, sondern lässt ein lebendiges Theater-Bild der Zeit um 1626 mit einigen Höhepunkten entstehen. Dazu tragen auch die passende musikalische Kulisse und die Schauspieler mit insgesamt überdurchschnittlichen, ausdrucksstarken Leistungen bei.

Emmendinger Tor, 20.06.2018

Intrigen und rasante Degengefechte

Tosender Beifall des Publikums bei der Premierenvorstellung von „Die drei Musketiere“ im Theater im Steinbruch.

Das Theater im Steinbruch hatte am Samstag mit „Die drei Musketiere“ nach dem 1844 erschienenen Bestsellerroman „Les trois mousquetaires“ von Alexandre Dumas Premiere und die Zuschauer waren begeistert von den drei Rebellen.

Athos, Porthos und Aramis hängen irgendwo ab, süffeln, schwadronieren von großen Taten und lassen keine Gelegenheit zu einem Fechtkampf aus. Die Anzahl der Klagen gegen die Rüpeltruppe bringt ihren Kommandanten Tréville (Gottfried Groener) zur Verzweiflung. Als der junge Springinsfeld d’Artagnan auf sie trifft, wird schnell klar: Er gehört zu ihnen. Mit Fanfarenklängen aus dem Mittelalter beginnt das große Abenteuer, ein zweistündiges Mantel-und-Degen-Spektakel mit spannenden Fechtkämpfen und infamen Intrigen.

Die Aufführung ist eine famose Zeitmaschine, die den Versuch wagt, 800 Romanseiten und eine Fülle von Figuren und Details auf engstem Zeitraum nachzuerzählen. Das nun zum Quartett aufgestockte Trio ergreift bekanntlich für König Ludwig XIII. und dessen Gemahlin Partei. Tatkräftig bemühen sie sich, das Paar vor den Intrigen und Anschlägen des Kardinals Richelieu zu schützen.

Die Zuschauer kommen vor Spannung kaum dazu, Luft zu holen. Im Theater im Steinbruch wird ein Trommelfeuer von Abenteuern gezündet. Die einzelnen Episoden − die Diamantspangenaffäre, die Intrigen der Lady Winter, die Verzweiflung des Käsehändlers über seine ständig zum Flirten aufgelegte Ehefrau Constance Bonacieux, die aussichtslos scheinende Liebe des Herzogs von Buckingham zu Anna von Österreich und andere mehr − jagen über die Bühne. Vor allem Kardinal Richelieu und seine skrupellose Instrumentalisierung ist unschwer als zentraler Moment erkennbar.

Das Theaterteam hat dafür einige flexible Kulissen gebaut, die von den Akteuren zu immer neuen Räumen, Schlössern, Kampfplätzen werden. So entstehen auf der Bühnenfläche neue plausible Muster. Dazu wurde die große Bühne rechts und links von versetzten Kulissen markiert, der Blick des Zuschauers wird aber auf die Mitte konzentriert. Das vermeidet ein ermüdendes permanentes Auf- und Abtreten der Akteure wie auf anderen Bühnen. So können die parallel verlaufenden Fäden geschickt miteinander verknüpft werden. Ebenso flexibel sind die Schauspieler, wechseln Rollen wie Kostüme.

Das Spektakel der vielen Fechtszenen ist höchst beeindruckend: Betreut von Benedikt Bachert, der auch auf diesem Gebiet ein Fachmann zu sein scheint, beweisen die Schauspieler akrobatische Fähigkeiten. Leonardo Lukanow spielt den ungestümen d’Artagnan, wie man sich ihn wünscht: gut gewachsen, smart und ein wenig naiv, leicht entflammbar im Kampf und in der Liebe. Großartig sind seine drei Musketierkollegen Athos (Lorenz Allweyer), Porthos (Johannes Wipfler) und Aramis (Lukas Kadlec).

Juliana Bachert gelingt es, ihre Constance Bonacieux mit attraktiver Warmherzigkeit zu überziehen, herrlich trottelig kommt Herr Bonacieux (Michael Schäfer) daher, während Silvia Gschwendtner als Lady de Winter im weinroten Samtkkleid mit eiskalter Ruchlosigkeit besticht. Als herrlich verschrobenen Engländer gibt Gunter Hauß den Herzog von Buckingham. Und Christian Fuhrmann überzeugt als düsterer Drahtzieher Kardinal Richelieu.

Bühnenlogistisch ist Benedikt Bacherts Inszenierung eine Meisterleistung. Immens ist die Menge der kleinen Gags, die in nahezu jeder Szene eingebaut sind.Mit stupender Präzision kommt das reibungslose Ineinandergleiten der einzelnen Auftritte daher. Über den vordergründigen Spaß hinaus deutet das Stück eine Reflexion über Sex und Gewalt, Macht und Lust an. Die Umsetzung des Erzählwerks gelingt großartig, das Ensemble erreicht eine Geschlossenheit. Und da das Publikum spürt, dass die Protagonisten alles geben− spendet es tosenden Beifall.

Badische Zeitung, 18.06.2018

Alles in Eigenregie

Vor der Sommerspielzeit gibt es im Amateurtheater im Steinbruch viel zu tun

In Emmendingen spielt das Amateurtheater im Steinbruch ab dem 16. Juni die Stücke „Die drei Musketiere“ nach Alexandre Dumas und „Timm Thaler“ nach James Krüss. Ein Besuch kurz vor Beginn der Sommerspielzeit.

Ruhig liegt der schöne Park vor der Freiluftbühne. Noch sind die Hütten geschlossen, welche der Bewirtung dienen. Requisiten aus früheren Stücken machen den Spaziergang auf dem schattigen Gelände zu einer Entdeckungstour: Ein Drachenkopf vom Stück „Der kleine Ritter Trenk“ (aus 2016) lugt zwischen grünem Buschwerk hervor, ein mannsgroßes Ziffernblatt aus „Momo“ (2017) lehnt an einer Wand.

Auf einer Leiter stehend zieht Bühnenmalerin Jutta Wefers, die ansonsten im Malsaal des Theaters Freiburg mitwirkt, hochkonzentriert mit ruhiger Pinselführung eine schattengraue Linie. Aus einer Plattenfläche wird das Relief einer Kalksteinmauer, wunderschöne Patina zaubert Atmosphäre. Simone Allweyer, die beim Kinderstück Regie führt, streicht derweil mit großer Rolle noch zwei Leinwände.

Wer zu den 100 Aktiven der rund 400 Vereinsmitglieder gehört, erfüllt im Lauf des Jahres viele Aufgaben. Jugendliche lernen, wie man mit dem Akkuschrauber umgeht oder bauen ihr Interesse für die Veranstaltungstechnik aus. Die dreiteilige Bühne haben neun Bauleute mit vielen Helfern errichtet – multifunktional natürlich: Was bei den Musketieren ein Käsegeschäft mit goldgelbem, selbst gefertigtem Bühnenkäse ist, verwandelt sich dank einiger Zusatzplatten mit detailreich gemalten Bullaugen bei „Timm Thaler“ in ein Dampfschiff. Damit die Rauchwolken bei den Aufführungen beeindruckend aus dem dicken Schiffsschornstein quellen, hat das Bauteam bei der Bühnenkonstruktion eigens ein Rohrsystem verlegt.

In der Nähstube bespricht Regisseurin Allweyer mit Karin Sulzberger die noch fehlenden Accessoires für „Timm Thaler“, der im Stück auf abenteuerlichen Wegen sein verkauftes Lachen zurückgewinnt. „Hier wird man erfinderisch“, kommentiert Sulzberger, die als Industriekauffrau ansonsten vor allem auf Englisch kommuniziert. Seit der Theatergründung im Jahr 2002 ist sie im Verein aktiv. Die typische Frühsommerstimmung ist ihr längst vertraut, wie sie lachend erzählt: „Die Anspannung wächst jetzt von Tag zu Tag, jeder verarbeitet das nach seinem Charakter. Aber nach der Premiere sind alle wieder normal.“

Gegen Abend bevölkert sich auch die Bühne. Nach und nach trudeln die Schauspieler ein, wärmen sich vor der noch leeren Zuschauertribüne in beeindruckenden Fechtduellen auf. „Die Jungs mussten ihre Haare und Bärte wachsen lassen“, erzählt Simone Allweyer und lacht. „Das steht den derben, verratzten Musketieren besser als Kunsthaar.“ Für die kampfreich inszenierten Abenteuer des jungen Bauernsohns D’Artagnan haben einige Darsteller zusätzlich ein Fechttraining absolviert.

Pünktlich beginnt die Probe. „Können wir Musik haben?“, ruft Regisseur Benedikt Bachert, der mit dem Theater im Steinbruch aufwuchs und 2015 seine Schauspielausbildung im Freiburger E-Werk abschloss. Bühnentechniker Michael Kraus, der von seinem Platz aus das ganze Geschehen überblickt, spielt den Sound zur ersten Kampfszene ein.

In den letzten Nächten vor der Premiere wird er mit Regisseur Bachert den Lichteinsatz der 45 Scheinwerfer planen. Sämtliche Musikstücke und Klänge haben diesmal Lena Lapschansky und Benjamin Riesterer vom Emmendinger Tonstudio „Tonpony“ produziert. Die Kostüme hat der Verein als Mitglied des Verbandes Deutscher Freilichtbühnen in Ötigheim (Landkreis Rastatt) ausgeliehen.

Der Sonntag, 10.06.2018

En Garde, les Mousquetaires!

Am 16. Juni beginnt im Theater im Steinbruch die Sommerspielzeit

Im Steinbruch steht die Sommerspielzeit vor der Tür. Am Samstag, 16. Juni, findet die Premiere des Erwachsenenstücks „Die drei Musketiere“ statt. Bis August wird es 16 Mal aufgeführt. Beim Tag der offenen Bühne am Sonntag gewährten der Regisseur Benedikt Bachert und die Schauspieler einen Einblick in die Proben.

Sowohl die Fans des Theaters im Steinbruch als auch die, die es noch werden wollen, dürfen sich auf ein besonderes Stück freuen. In „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas begibt sich die 30-köpfige Crew nach Frankreich ins Jahr 1626. Das Stück erzählt die Geschichte eines gewissen „D’Artagnan“, der seine Heimat verlässt, um als Musketier in den Dienst von Ludwig XIII. zu treten. In Paris angekommen schließt er sich den drei Musketieren Athos, Porthos und Aramis an. Mit ihnen begibt sich D’Artagnan auf die Jagd nach dem Kardinal und dessen Agentin Lady deWinter. Dabei gerät das Quartett in unerlaubte Liebeleien und muss Täuschungen, Duelle, Morde und Missverständnisse überstehen.

Die Inszenierung des Theaters im Steinbruch enthält mehrere Besonderheiten. Zum einen darf sich das Publikum auf actionreiche Kampfsequenzen freuen. Bei den Proben hat Regisseur Benedikt Bachert großen Wert auf authentische Duelle sowie einen virtuosen Umgang mit dem Degen gelegt. Die Kostüme tragen ihren Teil dazu bei. „Wichtig war es uns auch, dass jeder Kämpfer seinen eigenen Fechtstil entwickelt – die Zuschauer werden das schnell erkennen“, so Bachert.

Zum anderen hat das Stück einen eigenen Soundtrack. Mit diesem werden die Bühnensequenzen musikalisch untermalt. Zu hören sind sowohl monumentale Orchester als auch sensible Jazznummern. Das Auftreten der Musketiere beispielsweise wird stets von einem eigenen Motiv begleitet. Ebenso werden die einzelnen Figuren musikalisch charakterisiert. Geschrieben und produziert wurde der Soundtrack von Lena Lapschansky und Benjamin Riesterer vom Musikstudio „Tonpony“. Eine CD mit 14 Liedern kann käuflich erworben werden.

Natürlich wird es auch in diesem Sommer wieder das beliebte Kinderstück geben. Am Sonntag, 24. Juni, feiert „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ Premiere. Bis Ende Juli wird das Werk elf weitere Male im Steinbruch aufgeführt. Bei dem Stück handelt es sich um einen 1962 erschienenen Roman des deutschen Autors James Krüss. Ende der 70er-Jahre gab es eine Fernsehserie, 2017 wurde das Buch nochmals verfilmt.

Worum geht  es? Timm ist ein sympathischer Waisenjunge mit äußerst ansteckendem Lachen. Auf jenes Lachen hat es der skrupellose Baron Lefuet (umgedreht für „Teufel“) abgesehen. Timm bekommt die Garantie, dass er künftig jede Wette gewinnt – wenn er dem Baron sein Lachen verkauft. Der Junge willigt ein. Doch ohne sein Lachen schwindet seine Lebensfreude. Zum Glück gibt es da noch seine Freunde.

Emmendinger Tor, 06.06.2018

Wie Musketiere fechten lernen

Ein Blick hinter die Kulissen des Amateurtheaters am Steinbruch: Ab Juni wird jeden Tag geprobt / Die Emmendinger Musketiere habe ihren eigenen Soundtrack.

„Es muss geil aussehen – wenn das Publikum ’wow’ sagt und danach erst mal Luft holen muss, dann ist es richtig.“ So beschreibt Benedikt Bachert die Proben zu den „Drei Musketieren“, dem Erwachsenenstück des Theaters im Steinbruch. Premiere ist am 16. Juni, der Stress der Endprobenzeit macht sich bemerkbar.

Warum die drei Musketiere? „Ein bisschen Fechten hat es immer gegeben, aber lange kein klassisches Mantel- und Degenstück mehr und wir hatten Lust auf ein richtiges Abenteuerstück“, sagt Regisseur Benedikt Bachert. Und es habe sich angeboten: „Wir sind gut aufgestellt mit kampferprobten jungen Männern“, schmunzelt er. Und Frauen: Drei der zehn Fechter sind weiblich.

Wer die „Drei Musketiere“ spielt, weckt Erwartungen – jeder hat seine Vorstellungen dazu, und es gibt ungezählte Fassungen. Das Theater im Steinbruch hat sich für die von Theodor Schübel entschieden. „Wir wollten nicht nur Intrigen, Politik und Kampf zwischen den Ländern, es braucht auch eine gewisse Leichtigkeit dazwischen“, sagt Bachert. Zudem orientiere sich das Stück mehr am Dumas’schen Original.

Das Schauspieltraining hat, wie immer, im November begonnen, von Februar bis Mitte März wurde der Text geprobt und seither die Szenen – vom 1. Juni bis zur Premiere am 16. täglich. Pfingstferien? Sind für die Schauspieler gestrichen. Jetzt, in der heißen Phase, kommen sie gegen 18, 19 Uhr direkt von der Arbeit, essen meist gemeinsam, was einige mitgebracht haben – belegte Brote, Rahmfladen, Gemüse, mal ein Eis – und los geht’s.

Die Fechter haben zusätzlich pro Woche vier Fechtproben. Wer es einrichten kann, probt auch mal vormittags. Neben dem Regisseur trainieren Athos (Lorenz Allweyer) und Porthos (Johannes Wipfler) die Kombattanten – sie haben beim Landesverband der Amateurtheater Kampfkurse belegt und gemeinsam mit Bachert die Choreografie ausgearbeitet.

Von Anfang an stand fest: „Fechten darf nur, wer Zeit hat“, erklärt der Regisseur. Vor den Auftritten müssen die Fechter früher kommen, um sich einzufechten, wie es Bachert nennt. Denn das ist richtiger Sport, der Schweiß fließt in Strömen und die Kommandos sind entsprechend: „Locker in den Knien sein!“ „Die Handgelenke mit bewegen!“ und, ganz wichtig: „Pause – geht was trinken!“

Andere Kommandos bleiben Außenstehenden ein Rätsel. Was daran liegt, dass die neun Angriffe mit passenden Verteidigungshaltungen nummeriert sind, Kostprobe: „Ich geb’ dir die Zwei“. Wenn die Grundschläge sitzen, darf jeder seine Rolle entwickeln. Aramis etwa dreht sich viel, hat eigene Bewegungen, die nur er beherrscht; Porthos kämpft mit Degen und Dolch gleichzeitig.

Froh ist Bachert, dass das Training bislang relativ verletzungsfrei verlief; er hofft, dass das so bleibt und behält auch während des Gesprächs sein Team immer im Auge, korrigiert hier, greift da ein, demonstriert, gibt Tipps. Dazu gehörte besonders für die Fechterinnen, sich an das Gewicht des Degens zu gewöhnen, indem frau ihn in den Pausen mit sich herumträgt. Gewöhnungssache, meint Jasmin Baumgratz, die allerdings den Vorteil hat, dass sie aus dem Kampfsport kommt.

Körperlicher Einsatz ist bei den turbulenten Szenen durchaus erwünscht, und die orientiert sich nicht am Bühnenlehrbuch, da kann auch mal eine Abrollbewegung aus der Sportart Parkour dabei sein.

Kampfdoubles habe der Verein nicht („wer sich bereit erklärt hat, muss ’ran“), nur Bachert als „Notfallbesetzung“, wenn einer ausfallen würde. Schließlich werde mit echten Waffen gefochten – freilich sind die Theaterdegen aus Federstahl und nicht geschliffen. Vor allem wögen sie „nur“ ab etwa 800 Gramm aufwärts, schätzt Bachert; die früher verwendeten brachten das Dreifache auf die Waage.

Der Verein hat die Bühnenwaffen, auch dank einer Spende der Stadtwerke, in den USA gekauft; klar, dass der Zoll die sehen wollte, als Bachert sie in Freiburg abholte, und er erklären musste, dass das ungeschärfte Theaterwaffen sind. Jeder Schauspieler schleift, poliert und ölt seine Waffe selbst – nach jedem Fechtgang: Nicht der Schärfe wegen, sondern gegen Flugrost, den Schweiß und Feuchtigkeit magisch anziehen. Schließlich sollen die guten Stücke für das nächste Jahrzehnt halten; zwei Ersatzklingen sind aber vorsichtshalber bestellt.

Was die Kleidung angeht, haben sich die Amateurschauspieler bei der Freilichtbühne in Ötigheim Passendes besorgt; zu ändern ist freilich immer was, etwa der Kummerbund – und welche Knöpfe eignen sich? Und es gibt Sonderanfertigungen wie die lederne Augenklappe von Rochefort: Durch das goldene Gespinst kann Lutz Konkol sehen – einäugiges Fechten wäre denn doch zu riskant. Einiges aushalten müssen auch schlichte Requisiten wie Tisch oder Marktkarren, weil darauf gefochten wird. „Wenn die einmal im Kämpfen drin sind, hält die so schnell nichts auf“, sagt Bachert stolz. Daneben – an diesem Abend wirklich fast parallel – werden die Texte geprobt: Die einen fechten noch, die anderen gehen ihre Dialoge für die anschließende Szenenprobe durch.

Neu ist die Musik: Die Emmendinger Musketiere bekommen ihren eigenen Soundtrack. Sie stammt von dem Emmendinger Musikstudio Tonpony, Lena Lapschansky und Benny Riesterer, bekannt auch durch Hörspiele mit Schülern. „Wir müssen sonst so viel Geld für Gema-Gebühren ausgeben“, sagt Bachert, „das investieren wir lieber in etwas Eigenes.“

Badische Zeitung, 28.05.2018

Zehn Degen für die „Musketiere“

Stadtwerke Emmendingen spenden dem Theater im Steinbruch 4000 Euro.

Die Weihnachtsaktion der Stadtwerke kommt dem Theater im Steinbruch zugute. Mit dem Geld sollen zehn bühnengeeignete Degen für die Inszenierung des Stücks „Die drei Musketiere“ gekauft werden.

Bis zu 30 „bewaffnete“ Darsteller werden in der Saison 2018 auf der Bühne stehen. „Dafür muss natürlich jede Bewegung sitzen und schon jetzt wird eifrig trainiert“, berichtet Hans-Joachim Wipfler, Vorsitzender des Theater im Steinbruch Emmendingen bei der der Scheckübergabe.

Eigentlich haben die drei Musketiere mit Weihnachten nicht viel zu tun. Engagement und Zusammenhalt dafür umso mehr. Die Weihnachtsspende kommt zustande, weil die Stadtwerke auf den Versand von Weihnachtspräsenten verzichten und das Geld seit 2013 Jahr für Jahr an Vereine und Organisationen spenden, die sich unter sozialen, kulturellen oder sportlichen Aspekten der Lebensqualität in der Region verschrieben haben.

Mit ihrer Spende zeigen die Stadtwerke Emmendingen ihre Anerkennung für die Arbeit aller Mitglieder des Theaters im Steinbruch und unterstützen die Inszenierung der kommenden Spielzeit. Durch das bemerkenswerte Engagement seiner Mitglieder hat sich das Amateur-Freilichttheater seit seiner Gründung im Jahr 2002 zum Anziehungspunkt für tausende Zuschauer und festem Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt entwickelt. „Sommer für Sommer erwecken die ehrenamtlichen Helfer und Schauspieler den wildromantischen Steinbruch zu neuem Leben und begeistern mit einem vielseitigen Repertoire das Publikum“, schwärmt Stadtwerke-Chef Karl-Heinrich Jung. Er und seine Frau besuchen regelmäßig die Abendstücke des Theaters.

„Drei Musketiere“ nach Alexandre Dumas, Premiere am 16. Juni 2018 im Steinbruchtheater. Regie führt Benedikt Bachert, angehender Theaterpädagoge, der bereits mit neun Jahren zum Theater im Steinbruch kam.

Badische Zeitung, 09.12.2017