Zwei Stücke, eine Kulisse

Beim Tag der offenen Bühne konnten mehr als 400 Besucher hinter die Kulissen des Theaters im Steinbruch blicken.

Mehr als 400 Besucher nutzten die Gunst der Stunde, um am sonnigen Sonntag den Tag der offenen Bühne im Theater im Steinbruch zu besuchen. Es gab neben Führungen, Glücksrad, Bewirtung, musikalischer Unterhaltung auch offene Proben der diesjährigen Theaterstücke. Der Tag der offenen Bühne ist auch Startschuss für diese Saison. In der Spielzeit vom 17. Juni bis 5. August wird nach dem Roman von Jane Austen „Sinn und Sinnlichkeit“ unter der Regie von Sybille Denker auf der Naturbühne aufgeführt. Das Kindertheaterstück ist „Momo“ nach dem Roman von Michael Ende.

Die Regie hierfür führt Simone Allweyer. Für beide Stücke muss auch in diesem Jahr dieselbe Kulisse herhalten. Zum einen soll sie wie bei Sinn und Sinnlichkeit in die Zeit des vorviktorianischen Zeitalters des Vereinigten Königreichs führen, zum anderen als Kulisse für die „zeitlose“ Phantasiewelt von Momo dienen. So müssen diesbezüglich die Regisseurinnen für ihr Stück jeweils Abstriche machen. Aber mit tragbaren Säulen, die in der neuen Werkstatt des Theaters verstaut sind, lässt sich die Bühne in ein zerfallenes Amphitheater einer Vorstadt verwandeln.

Momo in ihrem bunten Flickenrock und der viel zu großen Männerjacke wird von Antonia Arendse gespielt werden. Sie hat zwar noch nie einen Kamm gesehen, dafür besitzt sie eine wundervolle Eigenschaft, die Kunst zuzuhören. Doch dann tauchen neun gespenstische graue Damen auf, die die bescheidene Idylle zerstören. Im Roman sind es graue Herren, Agenten der Zeitsparkasse, die, stets Zigarren rauchend, den Menschen beibringen wollen, Zeit zu sparen, um sie sicher und verzinst aufzubewahren. Doch wie Regisseurin Simone Allweyer den Besuchern der offenen Probe erklärt, gab es vorwiegend nur junge Frauen, die sie für die Rollen der Zeitdiebe besetzen konnte. Und es funktioniert dennoch. Die grauen Damen haben graues Haar, rauchen statt Zigarren eben ständig Zigaretten und haben geschäftstüchtig immer ein Handy am Ohr. So lüftet Momo das Geheimnis der grauen Damen und macht sich gemeinsam mit Meister Hora (Cornelis Huber), dem Verwalter der Zeit, und der Schildkröte Kassiopeia (Lara Müller-Bütow) auf den Weg, um die perfiden Pläne der grauen Damen zu unterbinden. Die Musik für dieses etwa zweistündige Kindertheaterstück komponierte Michael Bach.

Ebenso schrieb Michael Bach auch die Musik für „Sinn und Sinnlichkeit“, das etwa zweieinhalb Stunden dauert. In „Sinn und Sinnlichkeit“ – im Deutschen unter dem Titel „Verstand und Gefühl“ veröffentlicht – stehen zwei Schwestern im Mittelpunkt, die besonnene, introvertierte Elinor Dashwood (Jasmin Baumgratz) und ihre kleine impulsive Schwester Marianne (Juliana Bachert). Nach dem Tod des Vaters sind die beiden Schwestern gezwungen, mit ihrer Mutter (Doris Watzka) ihr Zuhause zu verlassen. Die beiden Schwestern müssen nun ohne finanzielle Absicherung ihren Platz in der Gesellschaft des Vereinigten Königreichs finden, aber auch ihr Liebes-Glück zu suchen.

Beim Tag der offenen Bühne konnten die Besucher die Proben der Szene Neun aus dem ersten Akt des Zweiakters mitverfolgen. Die neue Regisseurin des Theaters im Steinbruch Sybille Denker weist die Schauspieler bei einer Tanzszene an, immer präsent zu sein und mit mehr Energie zu spielen. Und möglichst immer zum Publikum sprechen, um den Kontakt zum Publikum zu behalten. Es ist auch die Zeit der Endproben, die Texte sitzen, hier und da wird noch an den Übergängen gefeilt.

Hans-Joachim Wipfler, Vorsitzender des Theaters im Steinbruch, zeigt sich sehr zufrieden mit der Resonanz beim Tag der offenen Bühne angesichts der Pfingstferien. „Wir hoffen, dass wir für beide Stücke eine gute Saison hinkriegen“, sagt er und hofft auch, dass das Wetter hält.