„Wir sind alle sehr detailverliebt“

BZ-INTERVIEW mit Benedikt Bachert, der beim Theater im Steinbruch das Abendstück „In 80 Tagen um die Welt“ inszeniert.

Benedikt Bachert führt Regie beim Erwachsenenstück des Theaters im Steinbruch. Sylvia-Karina Jahn sprach mit ihm über das Stück, dessen Herausforderungen und Besonderheiten – eine davon ist Steampunk.

BZ: Warum führen Sie „In 80 Tagen um die Welt“ auf – heute geht’s doch bequem in 80 Stunden?

Bachert: Ich fand die Textfassung toll – witzig, frisch, temporeich. Ich habe sie in einem Rutsch gelesen. Die Geschichte kennt jeder, und die Leute wollen die Klassiker sehen. Aber eben ein bisschen anders. Bei den Drei Musketieren im Vorjahr waren es die Fechtkämpfe, dieses Mal werden es Humor und Spielfreude sowie skurrile Punkte sein. Da ist Mr. Fogg als steifer Engländer, aber es gibt viel Humor in den Begegnungen in verschiedenen Ländern.

BZ: Sie wollen das ganze Ensemble immer auf der Bühne haben…

Bachert: Ja, jeder ist immer voll da. Die Teegesellschaft, mit der Fogg die Wette abschließt, ist der wiederkehrendste Punkt, die sind immer im Bild. Aber auch sonst gibt es außerhalb der Handlung immer was zu gucken. Schauspieler wie Möbel werden multifunktional eingesetzt. Die Schauplätze wechseln ja schnell bei dieem Stück, daher stellte sich die Frage, wie das Bühnenbild dies abbilden soll. Weil es für den Einsatz eines Beamers zu hell ist und ich nicht eine Unmenge bemalter Kulissen haben wollte, kam mir die Idee, die Schauspieler die einzelnen Länder darstellen zu lassen – die Winkekatze und der orientalische Vogelhändler etwa, Fischhändler und Hafenarbeiter am Hafen und so fort. Da reicht dann schon der Wechsel der Jacke.

BZ: Apropos Kostüme: Sie setzen voll auf Steampunk, wieso – und was ist das?

Bachert: Ich finde das optisch interessant. Außerdem geht diese Stilrichtung aus den 1980ern auf Jules Verne und andere Begründer der Science-Fiction-Literatur zurück. Sie gibt der Technik unserer Zeit neue Möglichkeiten und Funktionen, indem sie fragt: Wie sähe es aus, wenn sie mit den Methoden der industriellen Ära des ausgehenden 19. Jahrhunderts betrieben würden? Für die Kleidung bedeutet das einen militärischen und adligen Stil, ein bisschen viktorianisches Zeitalter – aber wir setzen noch eins drauf. Beim Steampunk ist vieles selbst gemacht – auch unsere Schauspieler hatten die Aufgabe, ihren Kostüme mit solchen Details zu versehen – Zahnräder und Metallisches. Wir sind alle sehr detailverliebt.

Benedikt Bachert (28) ist Regisseur, Schauspieler und Theaterpädagoge. Seit 18 Jahren gehört er dem Team des Theaters im Steinbruch an, acht Stücke hat er dort bereits inszeniert. Als Theaterpädagoge unterrichtet er an Schulen, beispielsweise in einem Projekt der Fritz-Boehle-Werkrealschule und in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz in der Flüchtlingsarbeit.