„Wir fahren auf Null runter“
Theater im Steinbruch hofft auf Spenden / Neues Gebäude für die Ensembles
Eigentlich wären in dieser Saison die höchst komische Tragödie von „Romeo und Julia“ frei nach William Shakespeare (Regie und Bearbeitung: Dirk Schröter) und das Kindertheaterstück „Robin Hood“ von Ulrich Zaum (Regie: Silvia Gschwendtner) im Theater im Steinbruch angesetzt gewesen. Beide Aufführungen fallen dem Coronavirus zum Opfer und sollen auf jeden Fall in der kommenden Spielzeit 2021 gezeigt werden.
Stattdessen gibt es in diesem Jahr zwei virtuelle Veranstaltungen. Die eine ist „Coroneo und Julia“ – eine unspielbare Liebesgeschichte, da sich im alten Steinbruch im Sommer 2020 eine der größten Liebesgeschichten aller Zeiten abspielt. „Aber weil Coroneo keine zwei Meter Abstand zu seiner Julia halten wollte, sind die beiden jetzt in Quarantäne, jeder zuhause bei seiner Familie. Schade“, heißt es in der Inhaltsangabe. Die andere ist „Robin Antivirood“ – der Held vom Pandemie Forest. Auch hier ist Robin Antivirood der unangefochtene Held. „Als aber der fiese Sheriff von Coroningham den Onkel der holden Maid Maskian entführt, müssen sich die beiden verbünden, um den Sheriff so richtig was zu husten.“
Wie jedoch Hans-Joachim Wipfler, der Vorsitzende des Vereins Theater im Steinbruch, bei einem Gespräch am vergangenen Samstag ausdrücklich darauf hingewiesen hat, werden beide Veranstaltungen in dieser Form nie stattfinden, da es sich ausschließlich um eine freiwillige Spende zur Unterstützung des Theaters im Steinbruch handelt. Über die Homepage des Theaters oder online über „Ticket regional“ sind „Tickets“ zu bestellen. Für das Stück „Coroneo und Julia“ sind Tickets, also Spendenbeiträge, für 16 und 14 Euro, und für „Robin Antivirood“ für zehn oder sieben Euro erhältlich.
Die Corona-Krise trifft das Laientheater während der Vorbereitungen für die Sommersaison. „Wir sind gut in die Saison gestartet. Beide Ensembles waren richtig gut dabei“, erläuterte Hans-Joachim Wipfler. Im November des vergangenen Jahres war Probenbeginn, alle Plakate waren fix und fertig. Dann kam die Corona-Krise. Das Theater im Steinbruch sah sich gezwungen, alle Proben und Vorbereitungen abzusagen. Zwar dürfen Theater in Baden-Württemberg bald wieder öffnen mit Aufführungen im kleinen Rahmen vor maximal 100 Zuschauern und den nötigen Abständen, diese Regelung gelte aber nicht für Laientheater. „Wir dürfen es nicht“, sagte Hans-Joachim-Wipfler.
Außerdem bekämen die Freilichtbühnen „keinen müden Euro“ an finanzieller Unterstützung vom Land oder Bund. „Wir zählen als Verein“, ergänzte die stellvertretende Vorsitzende Jasmin Baumgratz. Zwischen 250 und 300 Karten wurden bereits im Vorverkauf verkauft. Bisher hätten die Ticketkäufer das Geld nicht zurückgefordert.
In der Spielzeit 2019 wurden mehr als 10 000 Zuschauer gezählt. Das Theater im Steinbruch hat sich ein treues Publikum erspielt und ist eine über Emmendingen hinaus bekannte Freilichtbühne, erläuterten Wipfler und Baumgratz. „Wir fahren auf Null runter und hoffen auf Unterstützung.“ Zwar stehe nach Angaben von Wipfler das Theater finanziell immer noch gut da, dennoch gäbe es laufenden Kosten von 20 000 bis 25 000 Euro. Auch wurden die Regisseure weiterhin bezahlt. Dennoch bereite die Anschubfinanzierung für die kommende Saison Schwierigkeiten.
Auch der Neubau des neuen Garderoben- und Maskengebäudes kann nach Aussage der Vorsitzenden finanziell gestemmt werden. Das 180 Quadratmeter große Gebäude mit einem Aufenthaltsraum, einem Schminkraum und separaten Garderoben und Duschen für beide Geschlechter koste 380 000 Euro, wovon das Theater selbst 230 000 Euro übernommen habe. Von außen ist das Gebäude grün angestrichen und fügt sich so in das Gelände hinein. Im April hätte es eigentlich fertig sein sollen, aber nach Problemen bei der Materialbeschaffung im Zuge der Corona-Krise hat sich auch hier die Fertigstellung verzögert.
Nichtsdestotrotz hofft das Theater, spätestens zum Advent wieder auf die Bühne zu gehen. Dann wird es „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ – ein Wintermärchen – auf der Freilichtbühne unter der Regie von Gunter Hauß geben.