Wenn die Zuschauer im Skioutfit zum Theater im Steinbruch kommen
Am Samstag ist Premiere für das Winterstück „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im Theater im Steinbruch – die BZ-Autorin war bei einer der Proben auf der Emmendinger Naturbühne dabei.
Eigentlich probt das Theater im Steinbruch sein Winterstück „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ anderthalb Mal. Denn die Aufführung war bereits für Dezember 2020 vorgesehen, doch mit dem Corona-Lockdown im November 2020 kam das Aus. Nun also der zweite Anlauf: Am Samstag, 27. November soll Premiere sein – im Freien. Alle freuen sich, wieder auf der Bühne zu stehen.
Mit winterlichen Bedingungen hat das Theaterteam Erfahrung: Alle sind dick eingemummelt, auf den Bänken stehen Thermosflaschen, und es werden Tipps für warme Füße ausgetauscht. Vor drei Jahren stand im Advent Charles Dickens „Weihnachtsgeschichte“ auf dem Spielplan; die Freiluft-Premiere im Winter war sehr erfolgreich. Die Idee für weitere Stücke im Advent schwebte Regisseur Gunter Hauß schon damals vor, wie er erzählt – und auch die „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.
Zum einen bot sich das Stück mit seinen zahlreichen Außenszenen für die Freilichtbühne an; zum anderen ist der Märchenfilm für ihn ein Alljahresklassiker, und es reizte ihn, etwas Eigenes daraus zu machen. Die typische Musik von Karl Svoboda gehört dazu, in Arrangements von Justin Wilper, der als Knecht Vincek auch mit Instrumenten auf die Bühne kommt.
Aber das Textbuch von Uli Jäckle bricht ein klein wenig mit dem Bild vom Film, Hauß charakterisiert es als locker, frech und ironisch; es gebe die Möglichkeit, die Geschichte neu und losgelöst vom Film zu spielen. Ein weiterer Vorteil: „Es ist nicht besonders lang, konzentriert sich auf das Wesentliche. Es ist textlich nur etwa halb so lang wie die Sommerklassiker des Amateurtheaters.“ Gespielt wird etwa 75 Minuten, dazwischen gibt’s eine Pause, in der zum Aufwärmen heiße Getränke angeboten werden. Ansonsten empfiehlt sich alles, was die Zuschauer schon bei dem Dickens-Stück ausprobiert haben: „Manche kamen im Skioutfit, andere brachten sogar Schlafsäcke mit“, erinnert sich Hauß. Auch die Schauspieler ziehen an, was sie warm hält – und die Kostüme sind so konzipiert, dass drunter eine Menge Platz hat. Das ist nicht immer einfach, zur Not muss es ein hautfarbener Funktionsbody unterm Ballkleid tun. Zwischen den Auftritten warten hinter der Bühne warme Hüllen auf die Akteure. Das klassische Verlieren eines Schuhs zählt bei den Außentemperaturen dennoch zu den Herausforderungen.
Alle sind komplett geimpft, das Hygienekonzept steht. Die Proben wurden Ende September wieder aufgenommen, bauten auf den Grundlagen des Vorjahres auf. Allerdings sind Aschenbrödel Helena Huber und Königin Jasmin Baumgratz neu im Spiel – die Vorjahresbesetzung war verhindert.
Kurz vor der Premiere wird gefeilt, an Details, die scheinbar nebensächlich sind – und doch zum stimmigen Gesamtbild gehören. Die Bewegung des lebenden Waldes zur Musik etwa, der Tanz der Bäume, der noch etwas andauern soll. Und Aschenbrödel braucht mehr Zeit zum Umziehen. Ihren Ritt durch den Wald findet der Regisseur ebenfalls noch etwas zu schnell. Das „Pferd“ stammt aus Eigenbeständen, es war in andere Form schon mal beim Kinderstück Ritter Trenk im Einsatz und dient jetzt als Reittier.
Ach ja, die Requisiten: Die Zauber-Haselnüsse sind gehäkelt, verrät der Regisseur – weil sich da gut Magneten drin verstecken lassen; und sie müssen ja ein bisschen größer sein als die vom Baum, damit man sie von der Tribüne her gut sieht. Die Tauben werden durch Handpuppen dargestellt und als Taubendreck fungiert Sprühsahne.
Auch bei der Ausstattung geht es eben um Details. Um passende Haarbänder für die Bäume zum Beispiel und um Frisuren, die perfekt zu den Kostümen passen. „Ich sehe das Kostüm, die Person, und dann kann ich die Frisur dazu machen“, sagt Silvia Jessen. Die Regieassistentin, wie alle hier im Zwiebellook, kommt schwer bepackt zur Probe, sie hat sich mit Decken und Wärmekissen ausstaffiert – kalte Füße gibt’s bei grade mal sieben Grad und mehr als drei Stunden Probezeit trotzdem; wohl dem, der sich bewegen darf. Dem Spaß an der Sache kann das aber nichts anhaben: „Theater ist unser Leben“, sagt Jessen lachend.