Weltreise und Verfolgungsjagd
Äußerst gelungen ist die Premiere von „In 80 Tagen um die Welt“ nach dem Abenteuerroman von Jules Verne im Theater im Steinbruch: frisch, neu und doch glaubhaft im 19. Jahrhundert.
Das Theater im Steinbruch lebt, und wie! Mit der äußerst gelungenen Premiere von „In 80 Tagen um die Welt“ nach dem Abenteuerroman von Jules Verne zeigt das imposante Laienschauspielensemble vor knapp 400 Zuschauern, wozu es in der Lage ist: Es haucht einem angesichts der modernen Fortbewegungsmittel und Schnelllebigkeit etwas antiquiert wirkenden Stoff neues und frisches Leben ein und schafft es dennoch, das Publikum glaubwürdig in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückzuversetzen.
Dieses zweistündige Abenteuerspektakel um den englischen Gentleman und peniblen Exzentriker Phileas Fogg, der von Michael Schäfer unnachahmlich verkörpert wird, und dessen französischstämmigen Kammerdiener Passepartout, hervorragend in Szene gesetzt von Gunter Hauß, ist äußerst kurzweilig, sprüht nur so vor Spielfreude und Energie, so dass die 80 Tage wie im Flug vergehen. Auch die neu gebaute, aus zwei mit einer Brücke verbundenen Treppenstufen bestehende Kulisse vor der Naturkulisse des Steinbruchs ist schlicht und einfach – auf der Station in San Francisco bekommt es dadurch auch die richtige Westernatmosphäre – und sorgt für Authentizität, egal ob sie als Schiff oder als Zug dient.
Auch wenn der Inhalt des Stückes den meisten Zuschauern bekannt ist, reißen die Spielfreude aller Darsteller und viel Wortwitz das Publikum mit. Es reist förmlich mit mit diesem Phileas Fogg, der ein äußerst durchstrukturiertes Leben führt, penibel auf Pünktlichkeit achtet und sein Steak stets mit genau 36 Erbsen serviert bekommen will. Wenn es 35 sind, erhebt er umgehend Protest. Seine Köchin Mrs. Potts, gespielt von Silvia Gschwendtner, bekommt dies tagtäglich zu spüren. Auch der neue Kammerdiener Passepartout macht sofort Bekanntschaft mit der schrulligen Art von Phileas Fogg.