Uraufführung mit Shanty-Chor im Emmendinger Theater im Steinbruch

Ist die Schatzinsel wirklich das Werk von Robert Louis Stevenson – oder hatte auch seine Frau die Hand im Spiel? Auch darum geht es in der Schatzinsel von Dirk Schröter, mit der das Theater im Steinbruch Premiere feiert.

Es wird am kommenden Samstag eine echte Uraufführung: Dirk Schröter aus Riedern am Wald (Ühlingen-Birkendorf), promovierter Musik- und Literaturwissenschaftler, hat das Stück extra für das Theater im Steinbruch geschrieben. Schon die „Romeo und Julia“-Version (2022) stammte von ihm, woraufhin ihn Regisseur Benedikt Bachert nach einer Theaterfassung der Schatzinsel für Erwachsene fragte. Wenig später kam die Antwort: „Übrigens, ich sitze grad dran.“

Schröter hat sich ausführlich mit Stevenson und dessen Familie beschäftigt. Der hatte seinerzeit gemeinsam seinem Stiefsohn Lloyd Osbourne die berühmte Karte gezeichnet, mit der die Schatzsuche beginnt. Stevensons Frau Fanny Osbourne schrieb selbst, allerdings wenig erfolgreich. Vor allem war sie aber Stevensons schärfste Kritikerin. „Für die damalige Zeit führten die beiden eine sehr moderne Ehe. Fanny Osbourne war definitiv kein Klischeefrauchen, in schönen Kleidern herumspazieren war nicht ihrs“, so Bachert. Sie managte die Plantage auf Samoa und versorgte die Familie. „Stevenson war Autor – mit der Hauptaufgabe krank“, charakterisiert ihn Bachert.

Aufenthalte in Sanatorien in Davos, Schreibhemmung und schließlich der endgültige Wechsel vom kalten Schottland in die Südsee – das ist der Hintergrund der Rahmenhandlung, bei der der Autor wie ein Marionettenspieler an den Fäden zieht. Auch seine Familie und Zeitgenossen mischen mit. Über Doppelbesetzungen wird das Ganze in den klassischen Schatzinsel-Stoff eingebunden, der Suche nach dem Schatz des Piratenkapitäns Flint; die führt ja ebenfalls in die Südsee. Fanny Osbourne und Mutter Hawkins werden beispielsweise von derselben Darstellerin verkörpert, ebenso Tochter Isabelle Osbourne und Belle Hawkins, Eigenschaften inklusive.

Überhaupt, die Frauen. Bachert hält wenig davon, dass eine Rolle von einem Mann oder einer Frau gespielt werden müsse. So sind Captain Smollet und Schiffsarzt Dr. Livesey weiblich besetzt und es gibt Piratinnen. „Die sind überliefert, es gab sie im 16. Jahrhundert tatsächlich“, sagt Bachert. Im Stück sehen die Männer Frauen auf dem Schiff zwar gar nicht gern. Nutzt aber nichts, wenn der etwas tüdelige Squire fragt: „Hab’ ich denn gar nichts mehr zu sagen?“, schallt ihm ein mehrstimmiges, entschiedenes Nein entgegen. Seine Frau tut, was im Roman ihr Ehemann macht, sie stattet ein Schiff für die Schatzsuche aus und jubelt: „Ich werd’ Admiral.“ Und statt Jim Hawkins, der Hauptperson aus dem Buch, ist es seine Schwester Belle, die mit auf die Expedition geht. Eine weitere Besonderheit ist der Shanty-Chor. Was passt besser zu Piraten als Seemannslieder? „Das Gute: Auch wer sich nicht so sicher fühlt, wie besoffen in der Kneipe ein Shanty grölen, kann jeder“, sagt Bachert.