Theater im Steinbruch zeigt „Der kleine Lord“
Die Welt ein kleines Stück besser machen – das vermittelt „Der kleine Lord Fauntleroy“. Es ist ein bezauberndes Weihnachtsmärchen, das das Theater im Steinbruch auf die Bühne bringt.
Die Atmosphäre bei der Premiere passt perfekt: Es ist dunkel, nur der jeweilige Schauplatz ist erleuchtet – und der Steinbruch im Hintergrund. Und es ist kalt, bei null Grad sieht man den Atem der Schauspieler. Die Stimmung ist gut: Warm eingepackt und mit Heißgetränken bewaffnet, sitzen die Zuschauer auf der ausverkauften Haupttribüne.
Auf der Bühne prallen Welten aufeinander: Hans Bürkin überzeugt als bärbeißiger amerikanischer, demokratisch eingestellter Gemischtwarenhändler Silas Hobbs mit großem Herzen. Er schimpft und poltert über Engländer. Pech nur, dass sein kleiner Freund Cedric Errol (Adrian Herb) einen Engländer zum Vater hat. Zu seinen Freunden zählt auch Dick Tipton (Johannes Wipfler), Schuhputzer aus Leidenschaft, ehrlich, fleißig und zuversichtlich trotz geschäftlicher Probleme. Auch Cedrics Mutter (Franziska Bosch) hat es schwer. Sie ist es, die Cedric Werte fürs Leben vermittelt; und Prinzipien, denen sie auch bei finanziellen Verlockungen und gegenüber ihrem Schwiegervater überzeugend treu bleibt.
Der schickt nämlich den steifen Anwalt Havisham, um Enkel Cedric zu holen. Michael Schäfer geht und steht, als habe er ein Lineal verschluckt, zeigt aber bald: So ganz auf der Linie seines Auftraggebers ist er nicht. Er guckt noch „not amused“, als der kleine Lord mit dem Geld, das ihm sein Großvater zur Verfügung stellt, seine Freunde beschenkt. Aber er fühlt auch mit dem armen Pächter Higgins (Frank Müller), der mit seiner Familie im ungeheizten Haus wohnt und kein Geld für dringend nötigen Medikamente, geschweige denn die Pacht hat. Der kleine Lord weiß sofort, was da zu tun ist – und sein Großvater lässt ihn gewähren, ist er doch längst „guter Kumpel“ seines Enkels.
Zuvor war dieser Earl of Dorincourt ein ganz anderer Typ, an dem auch Wirtschafterin Dawson (resolut: Andrea Gerhold) kein gutes Haar lässt: Clemens Allweyer gibt einen herrlich eigenbrötlerischen und grummeligen Gichtkranken und nennt seinen Enkel schon mal „Menschheitsbeglücker“. Seine Schwiegertochter hasst er, bloß weil die Amerikanerin ist, und von denen hält er so wenig wie Cedrics amerikanischer Freund von Aristokraten. Einen solchen will er nun aus diesem amerikanischen Rotzbengel machen. Adrian Herb spielt den kleinen Lord frisch, unbekümmert, überzeugend und fokussiert auf das Gute.
Nur eines erreicht Cedric (noch) nicht: dass seine Mutter im Schloss wohnen darf. Kein Wunder, dass die Schwester des alten Lord, Lady Constancia Lorridaile (Simone Allweyer), ihren Bruder ein griesgrämiges, nachtragendes Scheusal nennt. Doch er ändert sich. Lady Fauntleroy platzt herein, angeblich die Frau seines ältesten Sohnes; nur hauchdünn übertüncht, gibt Daniela Muser eine geldgierige Hochstaplerin.
Unter der Regie von Gunter Hauß haben die Schauspieler das Stück überzeugend auf die Bühne gebracht. „Nehmen Sie die Wärme mit, die Adrian so schön gezeigt hat“, rät die stellvertretende Vorsitzende Jasmin Baumgratz und weist darauf hin, wie jeder gezeigt habe, was man aus einer Rolle machen könne. Vorsitzende Silvia Gschwendtner holt zum Schlussapplaus das ganze Team auf die Bühne, von der Bewirtung bis hin zur Technik. Für die weiteren Vorstellungen gibt es nur vereinzelt Restkarten.