„Theater im Steinbruch“ startet in die Saison 2021
Nachdem die Theatersaison 2020 der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist, sind die Akteure des „Theaters im Steinbruch“ nun umso motivierter und brennen richtig darauf wieder auf der Bühne zu stehen. Bis zu den Premieren-Vorstellungen des Kinder- und Erwachsenenstücks bleibt nur noch wenig Zeit und die Proben laufen auf Hochtouren. WZO-Redakteur Thomas Gaess besuchte das Freilichttheater am Wochenende und sprach mit den Verantwortlichen.
Derzeit wird im Steinbruch fast jeden Tag geprobt und die Regisseure sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Angepasst an die besondere Situation wurden geeignete Stücke ausgewählt, die einen gesicherten und coronakonformen Probenbetrieb in Kleingruppen zulassen. Silvia Gschwendtner und ihre Laiendarsteller studieren das Kinderstück „1001 Nacht“ ein, ein echter Klassiker. Das Stück „Robin Hood“, das eigentlich im letzten Jahr zur Aufführung kommen sollte, sei in der Pandemie nicht geeignet, denn da werde gesungen und gekämpft, erklärt die Regisseurin.
Jede Szene wird einzeln geprobt. Seit rund zwei Wochen sind die 15 Akteure im Alter zwischen zehn und 28 Jahren nun auf dem Freilichtgelände im Einsatz. „Die Vorbereitungen laufen sehr gut. Seit anderthalb Wochen dürfen wir mit bis zu 20 Darstellern proben“, zieht Gschwendtner am vergangenen Freitag Bilanz. Doch die Zeit drängt und die Premiere rückt näher. Unter normalen Umständen sind sechs Monate anberaumt, um das Stück einzustudieren. Dieses Jahr haben die Beteiligten nur noch vier Wochen Zeit und die Tatsache, dass beim Kinderstück neun neue Akteure auf der Bühne stehen, macht die Sache für die Regisseurin nicht einfacher. Nichtsdestotrotz sind alle hochmotiviert und freuen sich auf die Auftritte. Vor rund zwei Monaten haben die Vorbereitungen angefangen. Die Rollen wurden verteilt und Zuhause einstudiert. Die ersten Proben fanden noch per Videokonferenz statt. Auch der Bühnenbau und die entsprechende Technik seien relativ kurzfristig bewerkstelligt worden. „Es gab viel Arbeit im Hintergrund“, so Gschwendtner.
Während der gut einstündigen Probenarbeit hält sich die Regisseurin weitgehend zurück, beobachtet genau und macht fleißig Notizen. Danach kommt die „Manöverkritik“, die moderat ausfällt. „Genießt eure Texte und haltet immer die Köpfe oben, wenn ihr sprecht, damit euch die Zuschauer besser sehen können“, merkt sie an. Im Laufe der Arbeit wurden manche Szenen angepasst. Das Kinderstück von Tobias Goldfarb wird in der Originalfassung gespielt. „Mit den spannenden Geschichten aus 1001 Nacht entführen wir unsere jungen Zuschauer in eine Welt von märchenhaften Schätzen, wundersamen Geheimnissen und gewaltigen Geistern“, macht die Regisseurin, die von Kathleen Blust, Annika Busch und Lutz Konkol (Regie-Assistenz) unterstützt wird, Lust auf mehr. „Corona bedingt mussten wir leider eine Rolle streichen. Fünf Rollen sind doppelt besetzt.“ Die Premiere startet am 27. Juni, die Derniére ist für den 8. August geplant. Insgesamt sind 12 Aufführungen terminiert, die meisten finden am Sonntag statt. Die Spieldauer inklusive Pause beträgt anderthalb Stunden.
Die 19 Amateurschauspieler des Erwachsenenstücks „Gretchen 89 ff.“, das eine Woche nach dem Kinderstück Premiere feiern wird, begannen am 26. Mai mit den Präsenzproben. Alle haben sich im Vorfeld Zuhause und über „Zoom“ gut darauf vorbereitet. Leseproben und anderes mehr wurden per Internet durchgeführt. Das coronakonforme Erwachsenenstück präsentiert sich in einer neuen, ungewohnten Form. Es werden zehn komplett autarke Szenen aufgeführt. Autor Lutz Hübner liefert den passenden Stoff dafür. Mit „Gretchen 89 ff.“ lässt er das Publikum hinter die Kulissen des Theaters blicken und an skurrilen, humorigen Probeprozessen teilhaben. Die Besucher sind sozusagen mittendrin. Am Beispiel der „Kästchenszene“ des Gretchens aus Goethes Faust – bei Reclam zu finden ab Seite 89 ff. – werden die Stereotype des Theaters in schonungsloser, offener Weise zur Schau gestellt. Benedikt Bachert führt Regie und wird von Regine Bachert unterstützt. Durch die komplett autarken Szenen mit jeweils nur zwei Darstellern (Regisseur und Schauspieler) wäre eine eventuell nötige Umbesetzung kein Problem. Wenn es erforderlich wäre, könnten auch einzelne Szenen weggelassen werden, erklärt Gunter Hauß, Schauspieler und Marketingverantwortlicher des Theatervereins. „Dieses Stück ist ganz anders als unsere bisherigen Aufführungen. Das ‚Gretchen‘ ist eher für eine Saalveranstaltung geeignet. Der Vorteil dabei ist, dass wir in kleinen Gruppen arbeiten können“, erklärt der Regisseur. Bachert ist mit der Probenarbeit sehr zufrieden, zumal die Akteure in den letzten drei Monaten ihre Hausaufgaben gewissenhaft erledigt haben. Anders als die Regisseurin des Kinderstücks klinkt er sich aktiv in die Szenen ein und gibt den Darstellern lautstark Hilfeleistung in Sachen Aussprache, Betonung, Gestik oder Mimik. Somit fällt die Kritik danach nur kurz aus.
Bei unserem Besuch am Freitag standen die Proben zum Szenenstück „Die Diva“ an, die sich selbst für die unantastbare Göttin des Theaters hält, deren Ansprüche aber an der Realität scheitern. Silvia Bender als Schauspielerin und Olav Seyfarth in der Rolle des Regisseurs setzen die spielerischen Vorgaben schon gut um. Doch Benedikt Bachert will noch mehr und stachelt die Akteure zu Höchstleistungen an. Nach zwei Proben wird erstmal eine Pause gemacht und dann geht es weiter. „Innerhalb von vier Wochen müssen die Szenen perfekt im Kasten sein, da gibt es noch viel zu tun“, so Bachert im WZO-Gespräch. Die gesprochenen Texte orientieren sich absolut am Original. Die Premiere findet am 2. Juli statt. Bis zum 14. August sind insgesamt 15 Aufführungen vorwiegend am Freitag und Samstag geplant. Die Spieldauer inklusive Pause beträgt zweieinhalb Stunden. „Wir sind eines der wenigen Amateurschauspieltheater in der Region, die in der Pandemiezeit mit einem vollen Programm aufwarten“, erklärt Hauß.
Mit insgesamt 27 Aufführungen zieht man mit den Vorjahren gleich. Doppelvorstellungen wird es keine geben, erstmals sind jedoch Aufführungen am Mittwochabend geplant. Da die Mindestabstände bei den Theatervorstellungen eingehalten werden müssen, kann das Steinbruch-Areal nur zu rund einem Drittel ausgelastet werden. „Wenn es optimal läuft, haben wir Platz für maximal 170 Besucher. In normalen Zeiten können wir bis zu 450 Besucher unterbringen. Deswegen wären wir froh, wenn sich möglichst viele Gruppen für die Aufführungen anmelden würden“, betont der Marketing-Verantwortliche.