Temperamentvolle Premiere

Das Theater im Steinbruch eröffnet die Spielzeit mit „Robin Hood“ und gewinnt auf Anhieb die Herzen der Zuschauer.

So voll ist es selten bei der Premiere des Kinderstücks im Theater im Steinbruch wie am Sonntagnachmittag bei „Robin Hood“. Es ist auch nicht immer so heiß. „Gefühlte 45 Grad Celsius“, sagt Vorsitzender Hans-Joachim Wipfler, „aber das Ensemble hat gesagt: Wir ziehen es durch.“

Und wie sie das tun! Es ist eine Premiere mit so viel Schwung und ansteckendem Temperament, dass die rund 400 jungen und jung gebliebenen Zuschauer die Hitze bald vergessen haben – zumal es im Naturtheater im Steinbruch immer einen Tick kühler ist als unten in der Stadt (und in der Pause an die 80 Liter Mineralwasser verkauft wurden). Außerdem sitzen die meisten Gäste im Schatten, viele haben sich mit Fächern ausgerüstet, sogar ein Mini-Ventilator ist dabei.

Doch auf die Bühne knallt die Sonne an diesem wohl bisher heißesten Tag im Jahr; erst nach der Pause, bei tieferem Sonnenstand, spenden die Bäume ein wenig Schatten. Aber die Schauspieler wirbeln von Anfang an über die Bühne, als gelte es, sich aufzuwärmen: Ausgelassene Tänze, schnelle Fluchten und zahlreiche wilde Kampfszenen gehören einfach dazu in dieser gelungenen Inszenierung der Regisseurin Silvia Gschwendtner. Dabei wird in Kostümen gespielt, die eher für den Winter geeignet sind: Schwere hohe Stiefel, dicke Umhänge, Lederwams und Handschuhe gehören zur Ausstattung. Zur Abkühlung zwischendurch halten Helfer hinter den Kulissen Coolpacks, Wasser und feuchte Tücher bereit.

Jede Geste zählt, auch neben der Haupthandlung geschieht etwas; eben wie im richtigen Leben. Die jungen Schauspieler zeigen dabei vollen Einsatz und lassen dadurch die Bühnencharaktere lebendig werden; das gilt für große wie für kleine Rollen. Lucas Meier als feigem, gierigen und dummen Sheriff kauft man glatt ab, dass er Spaß dran hat, armen Leuten das Essen wegzunehmen und wie ein verwöhntes Kind alles sofort haben muss. Aber was wäre er ohne seinen überzeugend durchtriebenen und um keinen neuen hinterlistigen Plan verlegenen Helfer Jacob (Annabella Borowski)? Schließlich sind seine Handlanger (Maja Kesselring, Lynn Staatsmann) nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht, wenn’s drauf ankommt. Johannes Wipfler als Robin Hood gibt nicht nur als Fechter alles, sondern auch als guter Chef der munteren Räuberbande, die unterschiedlicher nicht sein könnte und das auch zeigt. Und Josephine Blust als selbstbewusste Marian weiß genau, was sie will: Ihren Onkel (Lukas Bürgin) befreien und Mitglied in Robins Bande werden! Die sie als Räuber-Azubine schließlich überzeugen kann.

Das Publikum ist es zu dem Zeitpunkt schon lange, denn sie ist nicht nur tough und gibt nie auf, sondern zeigt jede Menge Köpfchen. Der tapsig-gefräßige Bär (Ben Wissert) ist zwar nicht so hilfreich, weil er nur ans Fressen denkt, aber er hat die Lacher auf seiner Seite. Da ist der eiskalte „Berufskiller“ (Luca Nowag), den der Sheriff engagiert hat, ein ganz anderes Kaliber. Aber keine Sorge, das Gute siegt.

Das Publikum geht mit, spendet Szenenapplaus, hat seinen Spaß am Spiel und daran, wie Lug und Trug sich gegen diejenigen wenden, die sie in die Welt gesetzt haben. Die jungen Zuschauer bewundern die Kampfkünste von Robin Hood und die des gedungenen Superkillers. Dann das Happyend: Die Gesichter auf der Bühne sind beim lang anhaltenden Beifall verschwitzt und glücklich. Zu Recht: Sie haben eine tolle Leistung abgeliefert. Den hohen Temperaturen zum Trotz. Fazit: Wer einen vergnüglichen Nachmittag mit Kindern plant, der auch den Eltern Spaß macht, ist hier bestens aufgehoben.