Scheherazade auf Stippvisite im Emmendinger Steinbruch

Mit dem Kinderstück „1001 Nacht“ startete das Theater im Steinbruch in seine diesjährige Aufführungssaison. Wer den Applaus am Ende der Premiere vernahm, wusste: Das Märchen verzauberte.

Es darf geklatscht werden, laut und lange und ohne Einschränkung. Die Premiere des Kinderstücks „Geschichten aus 1001 Nacht“ von Tobias Goldfarb am Sonntag im Theater im Steinbruch war mehr als gelungen. Was Regisseurin Silvia Gschwendtner mit ihrer Truppe vor und hinter der Bühne in nur vier Wochen aktiver Probenarbeit aus dem Boden gestampft hat, ist sehenswert. Beachtlich ist vor allen Dingen die Bühnenpräsenz und Ausdrucksstärke, die die jungen Darsteller in der so kurzen Zeit entwickelt habe.

Munteres Kindergeplapper, schnell noch eine Tüte Gummibärchen oder einen Sekt für die Eltern, die Stimmung kurz vor Premierenbeginn ist fröhlich. Dann der Gong, alle sitzen auf ihren Plätzen, orientalische Musik erklingt.

Als eine tiefe Stimme durch den Steinbruch tönt, wird es schlagartig leise. Alle lauschen der Stimme, die erzählt, dass sich die Menschen seit Anbeginn der Geschichte Märchen erzählen. Dies sei ihre einzige Möglichkeit gewesen, sich auszutauschen und sich zu unterhalten. Die Märchen aus 1001 Nacht, die Geschichten um Sultane und prächtige Paläste aus dem fernen Morgenland üben auch heute noch große Anziehungskraft auf Jung und Alt aus. Und auch im Theater im Steinbruch ist es nicht anders. Sofort sind die Zuschauer konzentriert bei der Sache.

Das Bühnenbild ist nun doch etwas aufwändiger gestaltet, auch die Kostüme. Die Akteure hinter der Bühne haben ebenfalls keine Arbeit gescheut, um eine perfekte Aufführung präsentieren zu können. Und dann beginnen die wundersamen Geschichten, die Scheherazade (Josephine Blust) erzählt, ausdrucksstark und mit sichtlicher Freude am Spiel. Die Rahmenhandlung ist bekannt: Schahryar, der König der Könige (Nicolai Jessen), präsentiert seine schlechte Laune und Gekränktheit perfekt. Er wurde von seiner Sultanine, die einem Händler schöne Augen gemacht hat, betrogen und beschließt, künftig jeden Morgen eine neue Frau zu heiraten, um so nie mehr betrogen werden zu können.

Alle „abgelegten“ Frauen schickt er in die Verbannung. Dieses Schicksal droht auch Scheherazade, doch ihre besondere Erzählkunst holt sie aus der Verbannung zurück. Schahryar, der eigentlich Geschichten hasst, ist bis aufs Äußerste genervt und gelangweilt von den Erzählungen von Dunyazade (Klara Bührer) und Scheherazade darf wieder zurück.

Als erstes zieht den Schahryar auf der Freilichtbühne die Geschichte vom Plapperbarsch in Bann, ein Fisch, der spricht, wenn er gebraten wird. Raschid, der Grausame (Emma Kottmeier), will den Fischer, der beim Angeln den kleinsten Fisch an der Angel hat, töten. Als ein Fischer eine Flasche angelt und meint, dass sich in ihr auch ein Wal verstecken könnte, schreien die Kinder vor Vergnügen.

Regisseurin Silvia Gschwendtner hat viel Wortwitz in ihre Inszenierung eingebaut, immer wieder lockert dies die Spannung. Auch, als Ali Baba (Lara Gehlen) in der nächsten Geschichte nicht mehr weiß, wie der „Tresor“ mit den geraubten Schätzen zu öffnen ist und statt „Sesam öffne dich“ „Vollkorn-Mohnstreusel“ vor sich hinplappert, müssen alle lachen.

Nach der Pause erzählt Dunyazade anstelle ihrer Schwester Scheherazade Geschichten, die so langweilig sind, dass Schahryar ausgesprochen schlechte Laune bekommt. Er will nicht wissen, warum eine Gurke nicht in den Salat möchte und auch nichts hören von „… es war einmal“. Als Dunyazade nicht mal die Geschichte von Aladdin (Layla Jessen) und seiner Wunderlampe zu Ende erzählen kann, öffnet dies Scheherazade den Weg zur Rückkehr.

Die Geschichten, die auf der Freilichtbühne erzählt werden, hat Silvia Gschwendtner nicht nur kindgerecht, sondern auch ausgesprochen munter und mit viel Liebe für witzige Details inszeniert. Witzig ist auch Abu Wasnu/Abu Nuwas (Filiz Geiger), mit der vorwitzigen Puppe auf dem Geländer, die Schahryar ständig zu sagen versucht, was er tun soll.

Kein Hänger, kein Patzer – die Darsteller sind allesamt mit großer Freude bei der Sache, die Vorstellung ist eigentlich viel zu schnell vorbei. Das Publikum ist begeistert und klatscht und klatscht. Die Stimmung nach der Aufführung ist bestens: Freilufttheater, wie es besser kaum hätte sein können, Corona zum Trotz.