Schauspieler machen Emmendinger Steinbruch zum Piratenversteck

Die Uraufführung des Theaterstücks „Die Schatzinsel“ war ein voller Erfolg. Das Emmendinger Theater zeigt das Stück noch bis Anfang August.

Ein turbulentes Stück, rasant gespielt, voller Überraschungen in Text und Musik, mit großartigen Gesangssoli und Shanty-Chor: Das ist die „Schatzinsel“, das Erwachsenenstück des Theaters im Steinbruch. „Dirk, hat’s dir gefallen?“, fragt Vorsitzender Hans-Joachim Wipfler den Autor nach der Premiere, die zugleich eine Uraufführung ist. Dirk Schröters „Sehr!“ kommt prompt zurück – das dürfte auch für die rund 320 Gästen gelten, die sich am Samstagabend von seiner Theaterversion des Klassikers von Robert Louis Stevenson begeistern ließen.

Schröter hat die moderne und witzige Version der Schatzinsel extra für das Theater im Steinbruch geschrieben und das Rätsel um die Autorenschaft hineingepackt. Ja, es geht um den Schatz des Captain Flint, es geht um Abenteuer, und es gibt viel zum Lachen. Es ist ein sehr lebendiges Stück, ständig passiert Unerwartetes. Die Schauspieler unter der kongenialen Regie von Benedikt Bachert sind voll da und leben ihre Rollen, manche bis zu drei verschiedene – und es passt einfach alles.

Auf der Bühne herrscht – anders als im Roman – Frauenpower. Die Frauen planen, sie haben den Überblick und auch die Waffen in der Hand (zur Not tut’s eine Bratpfanne); schlagfertig mit Worten sind sie sowieso. Herrlich: die flotten, treffenden und nicht selten scharfzüngigen Dialoge. Ein Beispiel: Frauen an Bord. „Da könnte man ihnen ja gleich noch das Wahlrecht einräumen“, empört sich Hans Bürkin als rechthaberischer Mr. Henley. Er ist zudem ein idealer Long John Silver – der Koch, der sich von der überschwänglichen Mrs. Trelawney (Alexandra Scherer) für die Fahrt zur Schatzinsel anheuern lässt, eine bunte Schar von Abenteurern mitbringt und Meuterei plant. Raffiniert, wie er taktiert; das muss er, denn seine schön wild und gierig spielenden Mit-Meuterer meutern schon mal gegen ihren Anführer.

Silvia Bender geht ihren Weg als Köchin Tilly ebenso resolut wie eigensinnig, und so ist der Schluss ein wenig anders als bei Stevenson. Juliana Kappus wirkt als Dr. Livesey kühl, bestimmt und zuverlässig und behält die Fäden in der Hand, auch wenn’s hoch hergeht. Wandel auch in den Rollen: Justin Wilper als Abraham Grey, anfangs gekonnt stotternder und schüchterner Möchtegern-Kadett, setzt musikalische Akzente und wird später Steuermann, und ohne die mutige und kecke Belle (Rebecca Schneider) wäre vieles schief gegangen; sie ist es, die die Schatzkarte aus der Truhe mopst, sie belauscht das Komplott der Meuterer aus einer Tonne heraus, gerät aber auch in große Gefahr. Ein bisschen hat auch Captain Flint die Finger im Spiel – na ja, sein Geist.

Den Pfiff geben Live-Musik und -Songs, etwa Andrea Gerhold als stets besoffener Billy Bones („15 Mann auf des toten Manns Kiste…“). Seemannslieder („What shall we do with the drunken sailor“) schallen im Chor durch den Steinbruch – und Szenenapplaus; der ist verdient und beim Abendstück wichtig, denn nach dem Hinweis des Vorsitzenden Wipfler auf die nachbarliche Nachtruhe fällt der Schlussbeifall kürzer aus als sonst: Es ist nach 22 Uhr, da muss Schluss sein.

Aber wer hat den Roman nun geschrieben? Darüber wird im Stück im Hause Stevenson diskutiert. Also, ohne Zustimmung der resoluten Frau Fanny (Alexandra Wipfler) lief da gar nichts, aber die Version „Ein Koch zur See“ konnte wohl nichts werden. Freund Henley nennt es ein wundersames Familienwerk. Tipp: Einfach anschauen und selbst im Piratensommer auf Entdeckungsreise gehen. Es lohnt sich!