Premiere von „Romeo und Julia“ im Emmendinger Theater im Steinbruch

Die Bezeichnung als „höchst komische Tragödie“ hat das Stück des Laientheaters als Zusatz im Titel. Wie eng Komik und Tragik beieinander liegen, zeigt ein Probenbesuch.

Eigentlich ist „Romeo und Julia“ ja eine Geschichte von der großen Liebe, die an einer Familienfehde scheitert und für das junge Paar tödlich endet. Aber bei der Version, die das Theater im Steinbruch am 24. Juni erstmals aufführt, gibt es vor allem im ersten Teil jede Menge zu lachen.

Shakespeare – allzu alt, viel zu dröge? Keinesfalls, sagt Regisseur Benedikt Bachert: „Die Themen Liebe, Hass und Streit um des Streites willen sind so zeitlos, das könnte nicht aktueller sein.“ Komik und Tragik liegen in dieser spielerischen Version so eng beieinander wie Lachen und Weinen. „Wenn die Leute bei der Tragödie lachen – das wäre für mich ein Highlight“, sagt Bachert. Am Schluss dürfen aber gern die Taschentücher herausgeholt werden.

Wie das Kinderstück, so hätte auch die „höchst komische Tragödie“ schon 2020 gespielt werden sollen. Dramaturg Dirk Schröter sollte Regie führen. Dann kam der Lockdown, Schröter stand zur neuen Spielzeit nicht zur Verfügung und Bachert übernahm. Der Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge ist im Theater im Steinbruch groß geworden, gehört seit mehr als 20 Jahren dazu und hat dort schon oft Regie geführt. Im Ensemble gab es ebenfalls Veränderungen. Doch fast zwei Drittel des Teams waren schon im ersten Anlauf dabei, kannten also den Text. Etwas umstellen mussten sie sich allerdings, sagt Bachert: Er inszeniert das Stück anders und hat es gekürzt – um 22 Uhr muss ja Schluss sein, Lärmschutz.

Im Team sind die Frauen – wie in den meisten Ensembles − in der Überzahl: 15 zu sieben. Die meisten klassischen Stücke haben jedoch mehr Männer- als Frauenrollen. Doch das ist nicht der einzige Grund dafür, dass hier etliche Frauen Männerrollen spielen, sagt Bachert: Die Besetzung erfolge nach Typ, und wenn der stimmig sei, dürfe man ruhig sehen, dass der Bühnenmann eine Frau ist. Und umgekehrt: Julias Amme wird von einem Mann gespielt .

Shakespeares Sprache war für manchem im Ensemble gewöhnungsbedürftig. Der Sinn wurde deshalb genau besprochen, sagt Bachert. Wobei Schröter die klassische Vorlage vereinfacht hat, Wiederholungen vermeidet und immer wieder Sprünge ins Jetzt macht: „Bist du bescheuert, ich bin 17!“ kommentiert Julia die Heiratspläne, die ihre Eltern für sie schmieden. Wie die Sprache, so sind Kostüme und Requisiten ein Mix aus Klassik und Moderne: Zum Ball sind alle herausgeputzt, aber Romeo trägt im Alltag löchrige Jeans und zückt zur Hochzeitsplanung das Handy.

Geprobt wurde bisher vier- bis fünfmal die Woche. Zur Premiere hin geht es täglich auf die Bühne, nur nach der Generalprobe ist ein Ruhetag eingeplant. Und wie läuft so eine Probe ab? „In sieben Minuten ist Aufwärmen“, ruft der Regisseur. „Mir ist warm genug“, gibt Thorsten Scherer zurück; er spielt die Amme und hat den üppigen Rock weit hochgeschoben. Daneben wird eine Kampfszene geübt, und der Rasenteppich, der die Welt bedeutet, wird per Besen und Handkehrmaschine von Steinchen befreit – Fallen gehört in der temporeichen Inszenierung dazu. Dann stehen alle in einem großen Kreis, hüpfen auf der Stelle, schneiden Grimassen, lockern die Schultern und sprechen gemeinsam atemberaubend schnell Sätze wie „hebe hurtig hohe Humpen“. Und los geht’s.

Mit Musik. Die ist diesmal wieder etwas Eigenes, freut sich Bachert: Justin Wilper, der schon den „Drei Haselnüssen für Aschenbrödel“ musikalisch den letzten Schliff gab, hat sie komponiert, „musikalisch modern, mit Anleihen an Hiphop“. „Wie im Kino“, findet Hans Bürkin, der Julias Vater spielt – und genau dieses Kino-Gefühl wolle er, so Bachert. Was es dann noch braucht: „Volle Power, vom Prolog an! Und zieht das bis zum letzten Satz durch!“