Piraten werden von Technik gelenkt

Einen ausführlichen Blick hinter die Kulissen konnten Interessierte beim Tag der offenen Bühne werfen. Das Theater im Steinbuch gab sich am Sonntag transparent für Jung und Alt.

Wer nicht nur hinter die Kulissen schauen, sondern dabei auch noch Insider-Wissen erfahren wollte, schloss sich einer Führung an. Barbara Seyfarth, Regie-Assistenz beim diesjährigen Erwachsenstück „Die Schatzinsel“, klärte dabei gleich zu Beginn einen großen Irrtum auf. Nämlich dass es sich beim namensgebenden Steinbruch eigentlich um eine Lehmgrube handle. Im Fokus des Interesses standen natürlich die Theaterkulissen, insbesondere das imposante hölzerne Schiff, das extra für die beiden diesjährigen Stücke angefertigt wurde. Seyfarth führte die Besucher hinter das Schiff und erklärte die dort anzufindende Menge an Taschen und Koffern: „Hierin bewahren die Schauspieler all die Sachen auf, die sie während des Stückes brauchen“, wie etwa ein Akkordeon, das ein Pirat im selben Moment dort abstellte. Auch ein hinter dem Schiff sich auftürmender Mattenberg sollte seinen Zweck für das Stück „Die Schatzinsel“ noch beweisen, für dessen Probe sich die Regieassistentin im Anschluss an die Führung wappnete. „Ich werde nervös“, deutete sie augenzwinkernd an.

Denn das besondere der Probe an diesem Tag waren die Zuschauer auf den vollbesetzten Tribünen, die den Schauspielern beim Üben zweier Szenen aus „Die Schatzinsel“, die in Emmendingen am 17. Juni Premiere feiern wird, zuschauen durften. Zunächst versammelten sich die Darsteller in Piratentracht auf der Bühne in einem Kreis um Regisseur Benedikt Bachert, der eine einleitende Lockerungsübung für Körper und auch Stimme anleitete. Erste Erheiterung im Publikum löste ein übertrieben betontes und lautstark verkündetes „Marmelade“ der Schauspielermenge aus. Anschließend präsentierten diese unter den kritischen Augen des Regie-Teams und der neugierigen Zuschauerschaft zwei lebhafte und gesangsreiche Szenen in einer Seemannskneipe sowie auf dem Schiff. Den Höhepunkt der augenscheinlich fehlerfreien Darbietung stellte der Fall eines betrunkenen Seemanns vom Schiff dar – der auf dem Mattenberg hinter dem Schiff sanft enden musste und vom Publikum daher mit unbekümmertem Lachen quittiert werden konnte. Lob und Applaus waren daher groß, auch von der Regie, die dennoch die obligatorische Kritik nicht überging.

Nach der Probe konnte wieder hinter die Kulissen geblickt werden, auch in die theatereigene Werkstatt, die sich hinter der Bühne verbirgt. Zwischen Werkbank, Brettern und unzähligen Kisten voller Schrauben und Werkzeugen erklärte den Neugierigen Andreas Behrens, Ressortleiter Bühnenbau, wie hier nicht selten bis zu 30 Leute an Kulissen arbeiten würden. Das auf ehrenamtlicher Arbeit beruhende Theater bestehe nämlich nicht nur aus Schauspielern und könne jede Hilfe stets gebrauchen. „Es ist immer etwas kaputt und Sie sind immer willkommen“, so Behrens. Auch von den finanziellen Einnahmen aus Ticketverkauf, Bewirtung, Zuschüssen und Spenden fließe ein großer Anteil für den Bühnenbau ab, sodass alles sorgfältig geplant werden muss und Material oft wiederverwendet wird. Das aufwendig gestaltete Schiff ist darum nicht nur tragende Kulisse für „Die Schatzinsel“, sondern gleichzeitig auch für das Kinderstück „Peter Pan“, das am 11. Juni Premiere hat und ebenfalls vor den Besuchern geprobt wurde (die BZ hat berichtet).

Dass der Erfolg eines Theaterstücks auch von technischen Gegebenheiten abhängt, erfuhren die Besucher im Technikraum hinter der Haupttribüne. An seinem Arbeitsplatz aus Computern, Schaltreglern und Kabeln erklärte Michael Kraus, der für die Bühnentechnik verantwortlich zeichnet, wie sein Team für das richtige Licht, den angemessenen Ton und die passende Musik sorgt. Anhand einer Stichwörterliste an der Wand verdeutlichte er, wie wichtig der zeitlich exakte Einsatz der Musik ist und wie man sich dabei am Text der Schauspieler orientieren kann. Auch Kraus erklärte sein Team offen für alle, die an der Arbeit interessiert sind, selbst junge Profis seien willkommen. Bereits jetzt besteht das vierköpfige Technikerteam aus zwei Jugendlichen. Der Bühnentechniker warnte jedoch, dass die ehrenamtliche Arbeit kaum Zeit für andere Hobbys lasse. „Jetzt gerade herrscht der Ausnahmezustand“, kommentierte Kraus die Premierenvorzeit, der dafür extra Urlaub genommen hat. Dennoch gelte: „Es macht viel Spaß.“