Peter Pan mischt in Emmendingen das Theater im Steinbruch auf
Fliegen wird er nicht, aber das Publikum verzücken: Peter Pan ist zu Gast im Theater im Steinbruch. Hier steht der Spielsommer diesmal unter dem Motto Piraten.
Richtig spannend soll es werden, das Kinderstück „Peter Pan“ des Theaters im Steinbruch, außerdem witzig, spielerisch und kämpferisch, aber nicht gruselig. Dafür legen sich zwölf Schauspielerinnen und acht Schauspieler sowie das Team hinter den Kulissen mächtig ins Zeug.
„Heute wird was probiert“, erklärt Regisseurin Silvia Gschwendtner: „Die dummen Piraten dürfen sich ein bisschen wehren, lassen sich nicht mehr alles gefallen.“ „Ich bin ja immer noch dumm“, witzelt einer zurück, dann geht es auf die Bühne. Und ja, die Piratenschar sieht zwar blendend aus, kapiert aber rein gar nichts – im Stück. Wenn sie um sich schlagen, sind sie dafür so gut, dass die Regisseurin leicht alarmiert fragt: „Das war doch nicht etwa echt?“ Nein, da war die Hand des Schlägers zwischen dem Kopf des Opfers, aber so blitzschnell, dass es echt ausgesehen hat. Theater eben.
Kampfszenen beanspruchen viel Zeit beim Einstudieren, sie sorgen für Tempo und Spannung – etwa wenn ein scheinbar Überwältigter am Boden liegt und seine Gegner plötzlich abschüttelt. Koordination gehört dazu, gerade beim Waffentragen; das Theater hat dafür sogar einen Sicherheitsbeauftragten. Doch die größte Herausforderung war eine andere, sagt Gschwendtner: „Es wird sehr viel gesungen“. Ohne Andrea Gerhold, eine ausgebildete Musicaldarstellerin, hätte das nicht geklappt. Schließlich spielt das Theater die Musicalversion, aber kräftig gekürzt, vor allem bei den Songs: Sonst würde das Stück zu lange dauern.
Das zeigte sich schon bei der ersten Lesung am Jahresanfang. Das Schauspieltraining mit Improtheater hatte nach den Herbstferien begonnen. Nach der Lesung ging es an die Rollenverteilung, selbst der Text ändert sich bei der Bearbeitung, erzählt Gschwendtner – und das Spiel in der gemeinsamen Probe. Jede Szene wird mehrfach gespielt, dazwischen besprochen. Zugleich wird auf der Tribüne an Requisiten gefeilt und auf der Bühne an Ausdruck und am Textlernen. Immer wieder ruft Daniela Muser einen fehlenden Satz zu. Aber bis zur Premiere ist noch Zeit.
Die Darsteller sind zwischen neun und 30 Jahren alt, acht sind neu dabei, andere schon fast 20 Jahre. Viele bringen sich mit Ideen für kleine und größere Änderungen ein, was Gschwendtner „total schön“ findet und ermutigt. So bekommt das Stück eine eigene Note. Das Krokodil aus dem Original war erst nicht vorgesehen, doch dann wurde eine Figur entwickelt, die zwar von ihrem Dauerhunger und Appetit auf Captain Hook singt, aber gar nicht dem klassischen Reptil entspricht, schließlich ist es aus altem Adelsgeschlecht. Und statt der Hunderolle gibt’s einen Plüschhund, der auf die Kinder aufpassen soll. Schließlich die Amazonen: Im Original ist eines der Kinder Tochter eines Indianerhäuptlings. „Aber wir wollten keine kulturelle Aneignung“, erklärt Gerhold dazu. Und so werden den Piraten die Amazonen als starkes weibliches Gegengewicht entgegengestellt. Sie sind in der Minderzahl. Und da sind ja auch noch die verlorenen Kinder und die Familie Darling. Und die Hauptperson, Peter Pan. Na ja, eigentlich ein recht arroganter Rotzlöffel, motzig und trotzig, charakterisiert die Regisseurin den Jungen, der nicht erwachsen werden will.
Auch bei Schminke, Kostümen und Requisiten wurde darauf geachtet, „keinem etwas wegzunehmen“. Etliche Songs hat Gerhold gemeinsam mit den Darstellerinnen ausgesucht. So grölen die Piraten „Laterne, Laterne“ und Captain Hook geht ihr Geschrei auf den Geist. Klar, der interessiert sich ja auch für die Feinheiten des Genitivs, wie es ein ermüdeter Deutschlehrer nicht besser könnte. Sein Adlatus Smee hat (meist) Verständnis für den Chef, denn auch er ist „immer müde – außer wenn ich schlafe, dann geht’s“. Lachen kommt sicher nicht zu kurz bei diesem Stück.
Nur eines bedauert Gschwendtner: Im Theater im Steinbruch wird Peter Pan nicht fliegen, das erlauben die technischen Möglichkeiten nicht. „Das Risiko wäre zu groß“, sagt die Regisseurin: „Also gibt es dazu eine Einspielung aus dem Off.“