Momo ist keine Zeitverschwendung

Hervorragende gesellschaftskritische Umsetzung mit Gegenwartsbezug

Ausverkauft war am Sonntag die Premiere des Kinderstücks „Momo“ nach dem Roman von Michael Ende im Theater im Steinbruch. Die Geschichte um den Diebstahl der Zeit für die schönen Dinge im Leben, gegen die sich Momo erfolgreich wert, ist bekannt. 60 Rollen wurden von Regisseurin Simone Allweyer an 31 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene verteilt.

Die Umsetzung des gesellschaftskritischen Stücks mit dem sinnvollen Umgang unserer Lebenszeit brachte in jeder Szene Überraschendes und den Bezug zur Gegenwart. Aus den grauen Männern wurden wegen der Überzahl weiblicher Schauspieler graue Damen in grauen Businesskostümen und grauem Teint inklusive Attrappen von langstieligen Zigaretten statt Zigarren. Ihre perfekte synchrone Choreographie passt ideal zu der Rolle als Diebe von Nächstenliebe und Freude unter den Menschen. Spielten die Kinder mit Momo (Antonia Arendse) zuvor phantasievoll nur mithilfe von Obstkisten, vermittelte das gegenwartsbezogene Spiel mit teuren Smartphones den Einfluss der grauen Damen von den Erwachsenen auch auf die Kinder. Aus der gemütlichen Trattoria von Nino (Nils Köllermann) wird ein Schnellimbiss und aus dem Fremdenführer Gigi (Pascal Jessen) ein Popstar, verfolgt von hysterisch schreienden weiblichen Fans.

Momo bleibt sich selbst treu und lässt sich auch nicht von einer Bibigirl-Puppe bestechen und holt sich mit der Hilfe der Schildkröte Kassiopeia – mit Zeichensprache auf einem Kinderlaufrad von Lara Müller-Bütow brillant verkörpert – Rat bei Meister Hora (Cornelis Huber), dessen echoisierte Stimme das Überirdische bestens darlegte. Dass die Musik optimal zum Schauspiel passte, dafür sorgt Michael Bach, der die selbst getexteten und komponierten Lieder auch mit den Akteuren einstudierte.

Ebenso stachen die Technikspezialisten nicht nur bei der Rückblende Momos auf ihrer Reise durchs eigene Herz aus dem Background als Profis hervor. Nicht zu vergessen die Kulisse, die ja nicht nur vom Kinderstück, sondern auch bei Jane Austens „Sinn und Sinnlichkeit“ genutzt wird. Schauspieler wie Mitwirkende im Hintergrund haben es wieder einmal geschafft, das Publikum und vor allem die Kinder von Anfang bis zum Schluss in ihren Bann zu ziehen und bekamen dafür den reichlich verdienten ausgiebigen Applaus. Eine Verschwendung von Zeit ist das sehenswerte Kinderstück in dieser Saison bestimmt nicht und Gelegenheit, mit Freunden, Verwandten und Bekannten zwei Stunden sinnvolle Zeit mit Momo zu verbringen und dabei „sich selbst zu vergessen“ hat man bei den noch folgenden Aufführungen, deren Termine auf der Homepage www.theater-im-steinbruch.de ersichtlich sind.