Mit „39 Stufen“ auf die Maja-Bühne

Winterstück des Theaters im Steinbruch feiert Premiere

„Die 39 Stufen“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie aus einem guten Stoff etwas Dauerhaftes werden kann, auch nach 90 Jahren. Es begann als Kriminalkomödie, John Buchan schrieb das Buch 1915, und wurde zum Action-Filmthriller: 20 Jahre später, 1935, war die Premiere von Alfred Hitchcocks Film. Wieder 70 Jahre später (2005) entstand die Theateradaption für die Bühne von Patrick Barlow, die als „Best Comedy“ ausgezeichnet wurde, und jetzt in der Emmendinger Version auf die Maja-Bühne kam.

Der Held der Geschichte, Richard Hannay (Michael Schäfer in Slapstick-Manier), erlebt beim Auftritt von „Mr. Memory“ eine Schießerei. Spionin Annabella (eine von drei erstaunlich gewinnend von Jasmin Baumgratz gespielten Frauenrollen) flüchtet in sein Bett, wird in seinem Sessel ermordet und verwickelt ihn damit in eine Spionageaffäre. Von Hitchcocks raffiinierter Spannung bleibt in der Komödie wenig übrig (außer ab und zu eingespielter Filmmusik), aber Rasanz, Einfallsreichtum und Bühnenwitz wurden vom Premierenpublikum mit viel Szenenapplaus bedacht. Dass das Theater im Steinbruch beliebt ist, zeigt sich auch daran, dass schon vorab die ersten fünf Vorstellungen ausverkauft waren. Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es am Sonntag, 29. Januar, um 19.30 Uhr einen Zusatztermin.

Natürlich passt ein solches Stück genau in die zum Kino umgebaute Majabühne (in der demnächst auch Arthouse-Filme zu sehen sein sollen). Zahlreiche Inszenierungs-Einfälle, akustische Effekte, schnelle Umbauten ohne Vorhang und rasante Verwandlungen der Darsteller kamen beim Publikum gut an. Unterschwellig und offensichtlich weist die Komödie immer wieder auf die sexuellen Enttäuschungen hin, die nicht nur von den Mitreisenden im Zug nach Schottland vorgeführt werden (im fliegenden Wechsel zu sehen: Hans Bürkin und Gunter Hauß). Die nach anfänglicher Zurückhaltung mit Annabella doch noch auftauchende Spontanität des Hauptcharakters wird am Ende belohnt. Zuerst bewährt er sich jedoch als Frauenheld auf der Flucht und auf der Suche nach den „39 Stufen“. Nachdem ihn die junge Frau eines bäuerlichen Wüterichs anhimmelt und vor den Verfolgern rettet, wird er am Ende genau an die Dame gekettet, die ihn anfangs verriet und zur Fluchtaktion zwang (inklusive Flugzeugverfolgung hinter der Leinwand). Die ganze Geschichte soll hier nicht verraten werden, jedenfalls spielt Mr. Memory aus der Anfangsszene nicht den von Hitchcock bekannten McGuffin-Effekt (Elemente ohne Bedeutung, die nur die Handlung vorantreiben). Dass eine einzige Darstellerin in drei Rollen aufgeht und die beiden anderen im Sekundentakt in 36 weitere Rollen schlüpfen, das allein ist schon ein Bravour-Stück.