Spannend und hintergründig witzig
Gelungene Premiere des Kinderstücks „Der kleine Ritter Trenk“ im Theater im Steinbruch / Viele junge Talente wirken mit.
Die Premiere der Aufführung „Der kleine Ritter Trenk“ des Theaters im Steinbruch ist glänzend gelungen, spannend und hintergründig witzig. Zuschauer aller Altersgruppen waren am Sonntag begeistert von den Schauspielern und der Theaterarbeit, die mit großem Aufwand an Darstellern (43 Kinder), liebevollen Kostümen und Bühnenbildern, rasanten Dialogen und toller Inszenierung geleistet wurde. Benedikt Bachert gelang mit dieser Regie eine großartige Leistung. Die Vorlage von Kirsten Boie, ursprünglich als Kinderbuch verfasst, schildert die Welt aus der Sicht eines Jungen im Mittelalter, der seine arme Familie und alle unterdrückten Bauern befreien möchte. In dieser Welt gibt es Hexerei und Gauklerei, Schwerter und Lanzen, Drachen und sogar ein emanzipiertes Burgfräulein. Thekla (sehr überzeugend: Luisa Nübling) will nicht sticken und kochen, sondern unbedingt tapfere Ritterin werden.
Die Szene in der Bauernkate ist armselig. Trenk Tausendschlag (perfekt besetzt: Cornelis Huber) ist noch ein Kind und macht sich große Sorgen um seinen Vater. Der sitzt wieder einmal im Kerker. Den Namen Tausendschlag erhielt der Bauer, weil er so oft den Ochsenziemer zu spüren bekam. Er ist Bauer, doch ihm gehört nichts, nicht einmal seine Frau. Den Zins für sein karges Land kann er nicht bezahlen. Dabei lebt die Familie selbst nur von Wassersuppe. Voll fies finden ihn seine Leibeigenen, denn Ritter Wertolt der Wüterich ist der bösartigste, geizigste und überhaupt widerwärtigste Ritter unter der Sonne. Nun will der Büttel das einzige, was die Familie noch besitzt, ein Ferkelchen, für einen saftigen Braten mitnehmen.
„Dann werde ich eben einfach selbst ein Ritter“ beschließt er gegen alle Regeln der damaligen Zeit und nimmt Ferkelchen (sehr süß: Layla Jessen) mit auf die große Reise ins Abenteuer. „Leibeigen geboren, leibeigen gestorben, leibeigen ein Leben lang“ – damit will sich der junge Trenk auf keinen Fall abfinden. Trenk weiß, wer ein Jahr von seinem Grundherrn nicht aufgestöbert wurde, ist für immer frei.
Mit einfachen Mitteln wurde die Bühne immer wieder neu gestaltet. Die Requisiten sind liebevoll ausgewählt. Mancheiner mag sich gefragt haben, wo die Ritterrüstung in Lebensgröße wohl herstammt. Die 43 sehr jungen bis jugendlichen Darsteller bewiesen auf diese Weise, dass auch Kinder dieser Altersstufe bei entsprechender Führung schon sehr spannendes, eindrucksvolles Theater machen können. Mehr noch, man spürte deutlich, dass die jungen Darsteller an ihren Stücken gereift waren, wenn es ihnen gelang, Frustrationen über Ungerechtigkeit und autoritäre Strukturen wirkungsvoll auf die Bühne zu bringen.
Jeder der jungen Mimen gab sein Bestes zum Gelingen der Aufführung. Sie haben nicht nur brav ihre Rollen gelernt, sondern ihre darstellerischen Möglichkeiten mutig und mit dem ganzen Einsatz ihres Körpers voll ausgeschöpft. Über den Text hinaus haben sie ihre Rolle so gestaltet, dass diese Ausdruckskraft entfaltet hat. Man konnte nur staunen: es gab vielversprechende Talente zu entdecken.
Die Handlung ist über zwei Stunden äußerst spannend. Bis am Ende alles gut wird, sind einige Abenteuer zu bestehen: Der Drache wird im tiefen Wald gefunden und ist völlig anders als sein Ruf. Der böse Ritter hat alles verloren. Natürlich hat er ziemlich gemault und geschimpft und mit den Füßen getrampelt. Es gab aber niemand mehr, der sich das gefallen lassen musste, und so wurde es einsam um ihn. Da beschloss er seufzend, wenigstens ein kleines bisschen netter zu werden. Der schlaue und tapfere Trenk und Thekla heirateten und bekamen viele kleine Ritterkinder. Die beiden Gaukler Momme Mumm (hervorragend: Nico Brill) und Schnöps kommen oft auf die Burg zu Besuch. Schließlich sind sie ja Freunde, für immer und ewig. Tobendes Stampfen, prasselnder, langanhaltender Applaus war der Dank des Publikums für diese tolle Gesamtleistung.