Gebaut wird immer wieder
Beim Tag der offenen Bühne im Theater im Steinbruch schauten mehr als 500 Besucher hinter die Kulissen und in die Probenarbeit.
Hans-Joachim Wipfler, Vorsitzender des Theater im Steinbruch, war höchst erfreut über den Publikumsandrang beim Tag der offenen Bühne, da sich weit mehr als 500 Besucher diese Chance am Sonntag nicht entgehen ließen. Neben den Führungen hatten sie die Möglichkeit, bei öffentlichen Proben erste Eindrücke der beiden Theaterstücke, die in dieser Saison aufgeführt werden, zu gewinnen. „Baron von Münchhausen“ heißt das Theaterstück für Erwachsene. Ein unglaubliches Abenteuer, ersponnen von Clemens Allweyer, unter der Regie von Simone Allweyer. Für die jüngeren Theaterliebhaber gibt es „Der kleine Ritter Trenk“. Eine Geschichte ohne Furcht und Tadel, aber mit schönen Burgfräulein nach dem gleichnamigen Buch von Kirsten Boie. Die Regie führt hier Benedikt Bachert.
„Dieser Tag der offenen Bühne ist ein wichtiger Start in die Saison“, sagt Hans-Joachim Wipfler. Er ist angetan von dem überdurchschnittlichen Engagement in diesem Verein: „Einfach genial.“ Hinsichtlich des Barons von Münchhausens gab es zudem Kontakt nach Bodenwerder, einer niedersächsischen Kleinstadt bei Holzminden, die der Geburtsort und langjähriger Wohnsitz des „Lügenbarons“ Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen (1720-1797) gewesen ist. Der Baron hatte selbst keine Kinder, aber einer seiner Nachkommen lebt in Freiamt. Patrick Freiherr von Münchhausen schrieb auch das Grußwort zur Saison in der aktuellen Beilage des Theaters im Steinbruch. „Verraten darf und möchte ich aber, dass der Baron von Münchhausen selbst wirklich gelebt hat und keine Erfindung ist“, versichert er dort. Auf jeden Fall wird der „Baron von Münchhausen“ ein Mantel- und Degen-Stück, ein abenteuerliches Spektakel „mit Intrigen, Duellen, einem guten Schuss Humor und einer bittersüßen Liebesgeschichte.“
Clemens Allweyer, der auch den alten Baron von Münchhausen spielen wird, erläutert den Besuchern das Setting. Die Lügengeschichte beginnt 1762, als der noch junge Baron (Gunter Hauß) einen Spezialauftrag von Katharina der Großen (Alexandra Wipfler) erhiellt und in die Provinz ihres Zarenreiches beordert wurde. Der Baron wird in einem Kriminalfall verwickelt, stiehlt sich aus Russland davon und kommt mit seinem Burschen Raffael (Stephanie Pleuler) bei seiner ersten Station in Venedig zur Karnevalszeit an. Eine Szene mit Degenfechterei bekommen die Gäste zu sehen, in der der Baron wohl unterliegt. Die Regisseurin Simone Allweyer war mit dieser Sequenz nicht ganz zufrieden, ließ alle Akteure nochmal diese Szene spielen, bis die Fechtszene sitzt und die Musik dazu punktgenau gespielt wird. Auch Brillen dürfen aufgrund der Authentizität nicht getragen werden. Bei der öffentlichen Probe drückt Simone Allweyer noch einmal ein Auge zu.
„Angefangen haben wir im November“, erläutert Simone Allweyer den Gästen. Im Februar wurden die Rollen verteilt, ehe im März die ersten Scenen geprobt wurden. Nicht selten erschwerte auch der Regen die Proben. Aber damit muss ein Freilichttheater leben.
Beim Tag der offenen Bühne führt auch Barbara Seyfarth, Leitung des Spielbetriebs Erwachsene, die Besucher hinter die Kulissen. Wichtig ist die eigene Schneiderei, in der Ehrenamtliche die Kostüme auf die jeweilige Person zuschneiden. Wichtig sind aber auch diejenigen, die in den Pavillons die Gäste mit Getränken, Speisen und Eis versorgen. „Sie verbringen mit uns den Sommer“, sagt Barbara Seyfarth. Sie gewährt den Besuchern einen Einblick in den Handwerks-Container, weist auf das neue Podest auf der Spielfläche hin, das nun aus Naturstein besteht. Es wärmt sich nicht in der Sonne so stark auf. Außerdem sind Löcher in den Platten gebohrt, um einen Vorhang als Bühne auf der Bühne einzulassen. An der Stelle, an der sonst zwei Container standen, ist aktuell eine Baustelle. Dort wird ein Unterstand für Großrequisiten gebaut. Die Sitzflächen auf der Haupttribüne wurden nochmals ausgewechselt, da das installierte Holz der Bänke sich nicht als witterungsbeständig erwies. Die Haupttribüne bietet jetzt Platz für 321 Personen. Die beiden nicht überdachten Seitentribünen können bei Bedarf als weitere Sitzmöglichkeit zur Verfügung gestellt werden.
Neu am Spielgebäude am linken Bühnenrand ist auch ein großer Monitor, auf dem Filmsequenzen zu den jeweiligen Theaterstücken zu sehen sind. Der Verein investierte nochmal 40 000 Euro.