Szenenapplaus für die Lieder

Bei der gelungenen Premiere von „Dschungelbuch“ am Theater im Steinbruch zeigen die 36 Darsteller viel Lust am Theaterspielen.

Ein Menschenkind wird in den Tiefen des indischen Dschungels gefunden. Es ist natürlich Mowgli aus dem sicherlich weltberühmten Dschungelbuch. Die Kulisse des Theaters im Steinbruch ist kurzerhand als Dschungel mit Wolfshöhlen, vielen Lianen und Lichtungen umfunktioniert worden. Zudem ist die Vorstellung am Sonntag ausverkauft. Und die Premiere des Dschungelbuchs ist dann auch vollauf gelungen. Eine wunderbare Mischung aus verblüffend guter Schauspielkunst und Spritzigkeit sowie der dazugehörigen Lust Theater zu spielen geht vollkommen auf. Wortwitz und Leichtigkeit sowie Spannung und Tiefgang dürfen natürlich auch nicht fehlen. So beginnt auch das Theaterstück federleicht mit einem Tanz der Schmetterlinge, während sich schon die ersten Affen nähern und eben Gefahr signalisieren. Die Affen sind alles andere als niedliche Tiere, da sie später Mowgli gefangen nehmen werden. Die Spannung resultiert vor allem durch die gegensätzlichen und verschiedenartigen Charaktere der Tiere, wie etwa Bagheera, der Panther (Larissa Göppert) und Shere Khan, der Tiger (Felicia Hess), die Feinde im Dschungel sind. Beide Schauspielerinnen erfüllen ihre Rolle im Dschungel mit viel Charme und einem Hauch von Gefährlichkeit, denn die Gesetze des Dschungels sind hart.

Die von dem Regisseur Benedikt Bachert adaptierte Fassung geht nahe an die Originalfassung von Rudyard Kipling, behält aber auch die spielerischen Elemente des Disneyfilms mit nicht ganz so hart gezeichneten Charakteren bei, vor allem die des Bären Baloo, der alles andere als ein strenger Lehrer ist. Und schließlich dürfen die berühmten Dschungelbuchlieder nicht fehlen, die inhaltlich das Stück nochmals unterstreichen, Akzente setzen und Lust auf mehr machen. Für jedes gesungene und gespielte Lied gibt es natürlich vom Publikum begeisterten Szenenapplaus. Und das Publikum will nach dem Theaterstück mehr und ruft nach Zugabe, die es auch mit einem kurzen Medley aus allen Dschungelbuchliedern bekommt.

„Kennst du die Prinzipalwörter des Dschungels“, fragt der tapfere, oft etwas tolpatschige Bär Baloo in die Runde. In dessen Fell steckt Johannes Wipfler, der die Figur des Bären wunderbar ausfüllt. Um im Dschungel überleben zu können, ist es unerlässlich, die Gesetze des Dschungels zu kennen. Mit dabei als Schüler ist Mowgli, das Menschenkind, das in die Tiefen des indischen Dschungels geraten ist. Mowgli wird beeindruckend von Nicolei Jessen gespielt, der für sein Alter das Menschenkind leicht und spielerisch, dabei dennoch ernsthaft, verkörpert. Doch Baloo ist anfänglich kein guter Lehrer, und kaum einmal glaubt er Fortschritte gemacht zu haben, ist auch Mowgli wieder verschwunden. Und Mowgli hat keine Ahnung, was die rote Blume bedeutet, mit der die Macht über den Dschungel gewonnen werden kann. Es drohen also von überall her Gefahren, die man nicht ohne Freunde überstehen kann. Kann Mowgli Teil des Dschungels werden? Es ist aber auch eine Reise zur Selbsterkenntnis, zur Frage, wer ich bin.

Doch am Anfang schnappt sich der Tiger Shere Khan das umherirrende Menschenkind: „Mir gehört sein Leben.“ Aber Bagheera, der Panther, reißt ihm die Beute ab und geleitet Mowgli zu den Wölfen, die ihn vorerst wohlwollend aufnehmen. Aber noch steht die Entscheidung über sein Schicksal bevor, denn in der Nacht wird der Rat der Wölfe zusammengerufen. Unterdessen erfreut sich Mowgli seiner neuen Freunde, geht aber auch allein in den Dschungel und wird von den Affen dann gefangen genommen. Die Affen überlegen, was sie mit dieser Beute anfangen sollen. Aber nach dem Mowgli nichts von der roten Blume weiß, nehmen die Affen ihn in Gefangenschaft. So begeben sich Baloo und Bagheera auf die Suche nach dem verschwundenen Mowgli.

Doch zuallererst müssen sie ihre kleine Streitereien ablegen und vor allem brauchen sie Hilfe von Kaa, der Schlange (Lea Ade und Antonia Arendse). Ob sie helfen kann, glauben Baloo und Bagheera nicht und verspotten sie als fußlosen grünen Regenwurm. Aber ohne Einigkeit und Gemeinsamkeit im Dschungel wird es nicht gehen. Die insgesamt 36 Darsteller auf der Bühne unterhalten während der zweistündigen Spielzeit im besten Sinne des Wortes die jungen und nicht mehr ganz so jungen Zuschauer, die zur Premiere auch nicht mit Beifall geizten. Langeweile ausgeschlossen.