„Wie kommen Sie in mein Bett?“
Rund 350 begeisterte Zuschauer bei der Premiere der „Dame vom Maxim“ im Theater im Steinbruch
Die Aufführung der „Dame vom Maxim“ im Theater im Steinbruch unter Regie von Simone Allweyer spielt gegenüber dem Original in den Zwanziger Jahren. Dafür unterstreicht ihre hervorragende Inszenierung mit dem Aufkommen von Tango und Charleston sowie der neuen, anrüchigeren Mode, selbstverständlich aus Paris, den Willen zum Ausbruch aus dem engen Korsett der bürgerlichen Gesellschaft. Die bleibt aber in ihren Grenzen verhaftet, die durch die heillosen Verstrickungen brüchig werden. Rund 350 Zuschauer waren von dem mitreißenden Theaterstück restlos begeistert, denn es gab viel zu lachen. Die Dame vom Maxim, eine Komödie von Georges Feydeau (1862-1921), ist eine doppelbödige Gesellschaftssatire, die dem neuen Bürgertum den Spiegel vorhält. Sie entlarvt mit der überaus gelungenen Verwechslungskomik und dem komisch-frivolen Wortwitz die Doppelmoral dieser nach außen sich bieder gebenden Gesellschaft.
Es beginnt alles nach einer durchzechten Nacht. Der Arzt Lucien Petypon, wunderbar gespielt von Michael Schäfer, wacht unter einem umgeworfenen Canapé mit einem ordentlichen Kater auf. Der Tag ist schon weit fortgeschritten: „Ein bisschen vom Tag ist noch übrig.“ Petypon versucht sich an die Nacht zu erinnern und zusammen mit seinem Arztkollegen Mongicourt (vortrefflich Lutz Konkol) das Zimmer wieder in den normalen Zustand zu bringen. Ehefrau Madame Gabrielle Petypon, gekonnt bürgerlich-bieder gespielt von Barbara Seyfarth, kommt ins Zimmer und die beiden Ärzte versuchen mit allerlei Ausflüchten die Situation zu retten und kaschieren. Der recht nervöse Petypon bittet um eine Tasse Kräutertee mit Zitrone. Gabrielle erfüllt ihm die Bitte und bedankt sich für den Kuss in letzter Nacht, was bei ihm ein Staunen hinterlässt.
In der folgenden Szene aber entdeckt Petypon eine andere Frau in seinem Bett. „Wie kommen Sie in meinem Bett?“, fragt er fast schon ernüchtert. Aus dem Bett steigt die Tänzerin des Maxim, Crevette. Jasmin Baumgratz füllt diese Rolle mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz. „Sie haben wohl einen hinter die Binde gekippt?“ erfasst sie die Situation sofort. Und sie weist ihn auch daraufhin, dass er sie in der Nacht geküsst hat. Es bleibt Petypon nur eine Möglichkeit, sie zu verstecken. Damit beginnt das Lügenkonstrukt, in das sich Petypon immer mehr verheddert. Mit viel Glück und spirituellen Erscheinungen kann er sich vorerst retten, da Gabrielle von solchen Erscheinungen überzeugt ist. Und das nützen Petypon, Crevette und Mongicourt weidlich aus. Doch wird die Situation noch viel komplizierter, als General de Grêlé (wunderbar gespielt von Clemens Allweyer) auftaucht und Petypon und Crevette zusammen entdeckt. Der General ist der Onkel von Petypon und hält die Dame vom Maxim für dessen Frau. Petypon versucht es erst zu verneinen, fügt sich aber dann in sein Schicksal. Dummerweise lädt der General Petypon und „Frau“ zu einer Verlobungsfeier in der Provinz ein. Petypon entschließt sich dort hinzufahren. Crevette ist dabei und auch Gabrielle …
So folgt eine haarsträubende Szene der nächsten mit viel Wortwitz und viel Lust auf Ausschweifungen. Wie es sich für eine turbulente Komödie gehört, sind die Charaktere überzeichnet. Dennoch sind die Rollen ohne jede Spur von Overacting glaubwürdig und halten wegen der Doppelmoral auch dem Publikum den Spiegel vor die Augen.
Die einzelnen Szenen gehen trotz Umbaus nahtlos ineinander über. Dafür sorgt auch die Musik der Zwanziger Jahre. Michael Bach ist für die musikalische Leitung verantwortlich und tritt als Maurice Chevalier auf, der die musikalischen Akzente setzt, aber nicht in das Spielgeschehen eingreift. Neben der fesselnden Darbietung des ganzen Theaterensembles gibt es noch Musik, Tanz und einen ominösen, elektrifizierten Stuhl zu bewundern, ein Requisit, das der Komödie einen weiteren Farbtupfer aufsetzt.