Liebe zum Detail

Das Theater im Steinbruch inszeniert Shakespeares „Sommernachtstraum“

Wer die Liebes- und Elfenkomödie von Shakespeare im Theater im Steinbruch sah, verstand das Versprechen des Titels: Traum einer Sommernacht. Die Götter spielen mit den Sterblichen Schabernack und treiben mit ihren Gefühlen ein schadenfrohes Spiel. Dem Ensemble unter Regie von Simone Allweyer gelang es, mit einem sinnlich, erotisch, mystisch und humorvoll inszenierten Bühnenwerk ein zartes Gespinst nächtlicher Phantasien zu schaffen.

Die 22 Darsteller wirbeln auf der Freiluftbühne durch den geheimnisvollen Kulissenwald herum, als wollten sie den Text in alle Ecken rufen. Im Hintergrund sind Scheinwerferlichtungen, ein Stück Palasttraum ist auf einer Anhöhe zu sehen, und rechts im Reich Titanias und der Waldgeister ist ein riesiges Spinnennetz aufgebaut – Ideenreichtum und Liebe zum Detail prägen die Inszenierung von Anfang bis Ende.

Clemens Allweyer, der Mann der Regisseurin, agiert in der Figur des Oberon als unheilvoller Strippenzieher. An seiner Seite die beiden schelmischen Pucks – von Simone Bruder und Stephanie Pleuler eindrucksvoll und mit Mut zur Hässlichkeit gespielt. Oberon will Helena eigentlich nur helfen; aus Übermut versemmeln seine Pucks dabei so einiges.

Lysander versucht, Hermia zu verführen: „Die Stelle böte doch auch Platz für zwei, ein Herz, ein Bett, zwei Busen und derlei.“ Die verliebte Hermia bekommt gerade noch die Kurve „Oh nein, Lysander, sei so gut mein Schatz, lass bitte zwischen uns genügend Platz“. Beide spielen ein Paar unserer Zeit – leicht arrogant und unterkühlt.

Die räumliche Trennung führt dann aber zu einem bösen Streich der hinterlistigen Pucks: Die jungen Paare Hermia und Lysander (Jasmin Baumgratz; Michael Schäfer), Helena und Demetrius (Franziska Pfundheller; Gunter Hauß) taumeln durch die Irrungen von Anziehung und Abstoßung, Liebe und Hass und beeindruckenden Kampfszenen (Choreographie: Jonathan Vöhringer), bis die schlafenden Paare nach vielen Wirrungen zum Liebesturteln erwachen.

Theseus wundert sich „Mehr seltsam schien mir alles dies als wahr. Bei Liebenden und Irren kocht das Hirn. Verrückte, Liebende und Dichtervolk, die leben völlig in der Einbildung“. Um das herumtappende Liebesvolk wieder zusammenzutrommeln, lässt die Regie Titanias muntere Waldgeister mit glänzendem Motorradhelm, giftgrüner Perücke und Flügeln durchs imaginäre Gestrüpp ziehen. In einer Szene liegt Zettel, der Webermeister mit dem Eselskopf, verhext am Boden und versteht die Welt nicht mehr. Titania säuselt ihm zu „Ich liebe dich, bin so in dich vernarrt“ – und die Regie lässt keinen Zweifel daran, was die verknallte Elfenkönigin mit dem in einen Esel verwandelten Handwerker vorhat.

In einer burlesken Szene proben die Handwerksgesellen ein Possenspiel von Pyramus und Thisbe, das sie zur Hochzeit ihres Fürsten Theseus aufführen wollen. „Diese Laterne ist im Stück der Mond. Ich spiel‘ die Frau im Mond, die dort auch wohnt“, sagt die Witwe. Kesselflicker Schnauz spielt die Wand. Mit den Fingern deutet er den Spalt an, durch den Thisbe und ihr Pyramus ganz heimlich Liebesgrüße tauschen. Nicht nur Fürst Theseus mit seiner Hochzeitsgesellschaft, auch das Premierenpublikum amüsiert sich prächtig. „Das grobschlächtige Stück verkürzte gut den Lauf der Nacht“, lobt der Fürst die Schauspieltruppe.

Elfenkönig Oberon schließt seine wieder gewonnene Gemahlin Titania in die Arme und zieht mit den Pucks ab. „Stellt euch vor, es war im Schlaf, was euch an Visionen traf. Was ihr saht, das war doch kaum mehr wert als ein dummer Traum. Nun gut’ Nacht, es ist vorbei.“ Sogar Hippolyta, die Verlobte von Theseus, ist perplex „Der Bericht von dieser Nacht scheint mehr erlebt als pure Fantasie. Und dennoch seltsam, aber wunderbar.“

Das fanden auch die etwa 250 begeisterten Zuschauer, denn wenn nach mehr als zwei Stunden der Spuk im Elfenwald sich auflöst und die Liebespaare versöhnt Hochzeit feiern, müssen diese – wenn auch widerstrebend – aus dem Reich der Illusion in die Realität zurückkehren. Das Stück vom „schönem Wahn“ und Einbildungskraft ist auch ohne Vorbereitung gut verständlich. Um echtes Shakespeare-Gefühl zu erzeugen, übernahm Clemens Allweyer den Originalrythmus der englischen Verse in Deutsche.