Da geht wirklich alles schief

Ein gelungener Chaosflug / Theater im Steinbruch präsentierte Beatles-Songs und derben Humor.

Bei der Airline „Jetbaguette“ geht alles schief, was auf einem Flug nur schiefgehen kann. Doch die drei französischen Flugbegleiterinnen, Babette, Jeanette und Raclette nehmen es mit Fassung und ’umor. Sie boten ihren Fluggästen auf dem Chaosflug ein kurzweiliges „Unter’altungsprograam“, gespickt mit zwei Dutzend Beatlessongs, begleitet von der Band „The Groovties“.

Ob der Flug der Airline „Jetbaguette“ vom C-F-Meerwein International Airport Emmendingen nach Paris – Charles de Gaulle glimpflich endet, war zu Anfang noch unklar. Die Tupolew 1964 ist marode, der Flugzeugtank hat ein Leck und das Flugzeug kann nur mit Rückenwind abheben. Nicht die besten Voraussetzungen. Babette, die Flugangstbegleiterin, Jeanette, die Flugbegleiterscheinung, und Raclette, der „Flubi-Azubi“, versuchen von den zahlreichen Pannen abzulenken. Meist gelingt ihnen das auch. An deutschen ’umorwitzen reiht sich in der zweistündigen Vorstellung einer an den anderen.

Der tote Copilot, der von Jeanette zersägt und in der Gepäckablage verstaut wurde, und die vielen Witze über das Abstürzen sollen makaber sein. Auf der anderen Seite zuviel Gleiches. Der etwas festere Lehrling Raclette wird ständig gemobbt à la „zu fett für den Fallschirm“. Leider ist der Humor selten niveauvoller. Der französische Akzent der Flugbegleiterinnen und des lallenden Capitains, den man immer wieder über die Bordansage hört, bis er sich versehentlich bei der Nutzung des Schleudersitzes umbringt, machen die plumpen Witze wieder wett.

Pfiffige Ideen indessen weist die Musik auf. Hier glänzen die Band „The Groovties“ und die drei Sängerinnen. Viele Beatlessongs bekommen ein neues Outfit und werden gekoppelt, etwa „Good Day Sunshine“ und „Here comes the Sun“. Nachdenklich und sphärisch wirken die Soloballaden „Yesterday“ (Glanzleistung von Silvia Bender) und „Fool on the Hill“ (toll gesungen von Simone Allweyer). Viele der zwei Dutzend Songs sind passend in die Handlung eingeflochten, „Help“ ist der gesungene Hilferuf beim nächsten Malheur. Andere kommen auf Umwegen daher, um einen weiteren Song präsentieren zu können. Raclette erinnert sich an die Cowboy- und Indianerspielchen ihrer Kindheit. Das führt zu „Love me do“ als Country-Nummer. Herzzerreißende Komik kommt in dem Stück trotzdem nicht zu kurz, etwa bei den verschiedenen SOS-Rufen, mal gesteppt, mal gejodelt in Erinnerung an den großartigen Loriot „Dudödeldi“.

„Beatles an Bord“ – das Comedycal von Enrique Keil unter Regie von Benedikt Bachert, koppelte gute Musik mit derbem Humor. Die drei Darstellerinnen, Simone Allweyer, Jasmin Baumgratz und Silvia Bender, bewiesen meist Tonsicherheit und ließen den Chaosflug wie im Fluge vergehen. Wer ihn buchen möchte, kommt leider zu spät. Bei den beiden nächsten Vorstellungen am Wochenende sind alle Plätze ausgebucht. Kleine Hoffnung für künftige Passagiere: Eine Wiederaufnahme ist für den Herbst geplant.