Tiefer Einblick in „verletzte Seelen“
Theater im Steinbruch wagt sich an Tabuthema heran
Es gibt Stücke, die gehen unter die Haut, sie machen dich nachdenklich, machen dich sehr traurig, lassen dich regelrecht erstarren. Eine Grenzerfahrung nicht nur für die Zuschauer, zugegebenermaßen auch für den Verfasser dieser Zeilen.
Das viel diskutierte Drama „norway.today“ von Igor Bauersima wurde vom Theater im Steinbruch (Regie: Gunter Hauß) in den letzten Tagen gleich viermal in der „Maja-Bühne“ gespielt. Vorweg: Eine schauspielerische Glanzleitung von Juliana Bachert und Lorenz Allweyer als Julie und August. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Zwei Teenager entschließen sich, Selbstmord zu begehen. In Norwegen an einer Felsenklippe, „bewaffnet“ mit einer Videokamera für ihre allerletzte Botschaft an die Welt. Größten Respekt für den Mut der Theatermacher, dieses nach wie vor tabuisierte und gerne „totgeschwiegene“ Thema „Suizid bei Jugendlichen“ aufzugreifen.
In ganz dichter Atmosphäre gewähren die beiden Darsteller unfassbar tiefe Einblicke in das Innenleben, die „verletzten Seelen“ dieser beiden Charaktere. Gespenstische Ruhe im Saal, vereinzelt unpassendes Gelächter der Zuschauer, wohl aus Unsicherheit oder Überforderung mit dieser heiklen Thematik. Eine skurrile Achterbahn der Gefühle. Das Stück zelebriert jeden Moment, die letzten Stunden, die letzten Minuten, jeder Augenblick wird ungeheuer intensiv durchlebt, gefühlt bis zum … Der Schluss bleibt durch das Löschen des Lichts indes offen, die Fantasie der Zuschauer bekommt „Flügel“. Es bleibt die Frage: Was ist mutiger, zu leben oder freiwillig in den Tod zu gehen? Es braucht ganz schön viel Mut zu leben, in unserer doch so „heilen“ Wohlstands- und Konsumgesellschaft, wo immer häufiger „Ellenbogen“ scheinbar wichtiger sind als Umarmungen und Gier wichtiger als Demut … Das Leben ist schön !?!