Ein Stück mit Grusel, Witz, Humor und ein bisschen Frivolität
PROBENBESUCH:Stevensons Novelle „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ in einer Bearbeitung von Clemens Allweyer feiert heute Abend im Theater im Steinbruch Premiere.
Rund 20 Menschen bewegen sich auf der Bühne im Theater in Steinbruch. Die meisten stecken in sehr edel wirkenden Kleidern aus der viktorianischen Zeit. Aber sie schütteln sich, sie hüpfen, sie beugen sich zum Boden (jedenfalls die, die nicht in einem Korsett stecken), lassen den Kopf kreisen, rufen und klatschen in die Hände. Nein, das ist keine Gymnastikstunde: Wir sind bei den Proben für „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, dem Erwachsenenstück des Theaters im Steinbruch, das heute Abend Premiere hat. Die Gymnastik gehört zum Spielertraining, mit dem Regisseurin Simone Allweyer die Darsteller einstimmt.
Geschrieben hat das Stück ihr Mann. Clemens Allweyer ist im Zivilberuf Oberamtsanwalt und ein bisschen Berufserfahrung fließt immer ein, wenn er ein (Kriminal-)stück verfasst; der 53-Jährige ist seit 1989 dabei und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Außerdem spielt er Sigmund Freud und einen Zuhälter.
Vier Monate Arbeit stecken in dem Manuskript, für das seine Frau erste Lektorin ist. Mit ihr bespricht er die Ideen, sie hilft beim Straffen: „Das ist sehr praktisch“, erklärt sie, „der Autor denkt doch viel in Worten, die Regie mehr in Bildern.“ Deswegen fällt ihr das Kürzen leichter. Aber sie liefert auch neue Ideen.
Es ist nach dem Mann mit der eisernen Maske und Dracula das dritte Stück, das Clemens Allweyer dem Team auf den Leib schneidert. Warum er das tut? Die Stevenson’sche Novelle würde sich eins zu eins nur als psychologisches Kammerspiel oder für einen Film eignen, sagt er; ein Freilichttheater könne man damit nicht füllen. Es gibt zwar ein Stück, dessen Inszenierung er sich angeschaut hat. „Das hat mich nicht so überzeugt“, sagt er. Die Konzentration auf drei Männerrollen sei ein bisschen wenig. Auch habe er Jekyll und Hyde nicht vom selben Schauspieler spielen lassen wollen; der habe in jener Aufführung als Hyde nie das Gesicht gezeigt, während er für Allweyer die interessantere Figur ist und entsprechend herausgestellt wird. Außerdem wollte er witzige und originelle Frauenrollen dabei haben statt der blassen Randfiguren des Originals. Klar, dass er dabei auch das Ensemble im Hinterkopf, die Personen vor Augen hat. Aber genau das liefere ihm Ideen, die dem Stück richtig gut tun, findet er. Szenen, die die Handlung nicht voranbringen, mag er nicht.
Beide sind sich einig, dass das Stück Grusel und Witz, Humor und ein bisschen Frivolität bietet. Es brilliert durch einen ständigen Wechsel der Stimmungen. Die Musik von Michael Bach hilft dabei, denn das ist ein Problem bei diesem Sommerstück: Da es erst in der zweiten Hälfte dunkel wird, sind Gruselszenen schwer zu vermitteln. Doch da hat die 46-jährige Regisseurin, die gerade ihre berufsbegleitende Ausbildung als Theaterpädagogin abgeschlossen hat, jede Menge bunter Einfälle. Das Bühnenbild hilft mit entsprechenden Farben. Ja, und die Kleidung. Die hat freilich ihren Preis. Eine Mimin lehnt dreimal die gut gemeinte Hilfe ihrer Mitspieler ab, ihre Robe zu schließen: „Erst wenn es losgeht, sonst ersticke ich!“.