Träume des Alltags

Höchst amüsant und unterhaltsam: „Spiel’s nochmal, Sam“ mit dem Theater im Steinbruch.

Es war eine doppelte Premiere und alles gelang ganz ausgezeichnet. Mit der Komödie „Spiel’s noch mal, Sam“ eröffnete das Ensemble vom Theater im Steinbruch seine Spielsaison im Winter. Und erstmals trat es auf der Maja-Bühne des neuen Kinos Cinemaja in der Steinstraße auf. Die Premierengäste im restlos ausverkauften Saal waren begeistert und bedankten sich bei den Amateurschauspielern mit lange anhaltendem Applaus für einen kurzweiligen und launigen Abend. Passen Woody Allen und eine Komödie zusammen? Ja und wie, denn dieser Mann kann sich − wie kaum ein anderer − im Weinen noch ein Lachen sehen. Ein bisschen Stadtneurotiker muss allerdings dann in den einzelnen Rollen mit dabei sein, was ganz und gar auch so ist. Ganz vorneweg die Hauptdarsteller Allan (Gunter Hauß), Linda (Stephanie Pleuler) und deren Ehemann Dick (Michael Schäfer).

Es ist August in New York und ihre beiden Psychiater haben Urlaub. Nun müssen sie ihre Probleme alleine bewältigen. Allan wurde von seiner Frau verlassen, weil es ihr zu langweilig an seiner Seite wurde. „Ich wurde wegen unbefriedigtem Lachen verlassen“, beklagt er sich bei seinem Freund Dick. Die Gäste im Saal sind belustigt, denn der Sprachwitz der Komödie ist zwar bitterer Alltag, aber urkomisch arrangiert und umgesetzt. Immer schön auf dem Teppich bleiben, sagt er, auf dem Boden liegend.

Hier zeigt sich immer wieder die geschickte Regie von Simone Allweyer, welche die menschlichen Nöte und Abgründe nur um einen Hauch überzog und damit eine komische Wirkung erzielte. Wer hat sich nicht schon genau so oder ziemlich ähnlich blamiert wie dieser Allan? Jeder Mann will der perfekte Verführer und Liebhaber sein. Dumm nur, wenn die Vorbilder zu groß oder fremd für das eigene Leben sind.

Als Filmkritiker ist Allan ein Fan von Humphrey Bogart und dem Klassiker „Casablanca“. So ein maskuliner, sinnlicher und roher Typ will er sein − dann klappt das schon mit den Frauen. Die Filme und Tagträume nehmen viel Platz in Allans Leben ein. Immer, wenn er Frauen trifft, ist er in seinen Träumen ganz souverän. Doch weder das Rauchen noch das Whiskytrinken bekommen Allen. Auch das großspurige Reden über Dinge, die er nicht versteht, ist peinlich und vertreibt die Frauen. Linda rät ihm immer wieder, „sei Du selbst“. Zwar kann sie das bei sich selbst nicht umsetzen, doch sie ist ihm eine wertvolle Freundin. Die Irrungen, Wirrungen und Verführungen nehmen ihren Lauf und enden doch mit einem positiven Ausblick in die Zukunft. Allan findet seine eigene Weise, Frauen für sich zu gewinnen und auf sich selbst zu vertrauen.

Die Dynamik im Spiel ist beeindruckend. Für die Schauspieler bedeutet das höchste Konzentration, denn das Spiel und damit oft auch die Kleidung wechseln rasend schnell zwischen Realität und Tagtraum. Doch genau von diesem Tempo lebt die Komödie, zeigt es doch auf aberwitzige Weise, dass diese beiden Dinge rein gar nichts gemeinsam haben. Auch der gekonnte Wechsel von Filmsequenzen, eingespielter Musik und selbst gedrehten Filmausschnitten verdeutlichen diese Diskrepanz. Alle architektonischen Möglichkeiten des Saals werden genutzt. So wird die Fluchttreppe mit Podest der Tisch für die Tänzerin der Disco und Allan geht quer durch den Saal, um mit ihr zu tanzen. Das Bühnenbild ist wie im Filmklassiker „Casablanca“ in Schwarz-weiß gehalten und wirkt elegant und zeitlos. Über all dem schwebt das große Portrait von Humphrey Bogart mit seinem Hut. Die unterschiedlichen Medien harmonieren miteinander und die Maja-Bühne hat genau die richtige Größe, um den Zuschauer in die Vorstellung hineinzuziehen. Diese gelungene Premiere des Steinbruch-Ensembles im Winter sollte ein Anfang sein für viele genauso schöne Vorstellungen wie die Komödie „Spiel’s noch mal, Sam“. Dafür klatschten sich die Gäste bei der Premiere am Donnerstagabend die Hände fast wund.

Info: Gespielt wird nochmals am heutigen Samstag und morgen am Sonntag, 15. Januar. Allerdings sind beide Vorführungen ausverkauft.