Auf der Bühne geht’s hart zur Sache

Hier wird nicht um den heißen Brei herumgeredet, es geht knallhart zur Sache bei den „Street Kids“, dem Jugendstück, das das Theater im Steinbruch im Jugendhaus aufführt. Dabei geht es um Erpressung und Gewalt – und findet ein überraschendes Ende. Ein Probenbesuch.

„Ich hätte gern Schogetten!“ sagt Benedikt Bachert, Regisseur des Jugendstücks „Street Kids“, das das Theater im Steinbruch im Jugendhaus aufführt. Nein, ihn plagt nicht die Lust auf eine süße Stärkung, obwohl die Proben zu dem rasanten Stück von allen vollen Körpereinsatz fordern („wir müssen rennen, rennen, rennen“, summt ein Mitspieler). Der Ruf nach den mundgerechten Schokohäppchen bezieht sich auf ein Requisit, das die alte Frau im Stück verteilen soll und „Omas essen gern Schogetten“, weiß der Regisseur.

Und mehr: „Omas zieh’n erst mal den Rock ’runter,“ belehrt er Beate Arnold, die sich als Rentnerin genervt am Bühnenrand niederlässt. Omas Nasch-Vorlieben und Kleidungsetikette sind nicht die einzigen Gebiete, auf denen sich ein Regisseur auskennen muss. „He, nicht schubsen – du willst was von ihr! So kriegst du nie ’nen Euro“, mahnt er den Jungen, der die Frau anpöbeln soll. Das hat Michael Schäfer als Penner schon super drauf, ebenso die sofortige Entschuldigungsbereitschaft eines Menschen, der immer wieder zurückgestoßen wurde. Wenn er den Besoffenen mimt, dann ist das so stimmig, dass jeder den Hinweis des Regisseurs versteht: „Ihr müsst lauter werden, panisch, aggressiv, so dass der Penner mit der Hacke aufwacht!“

Es geht hart zur Sache auf der Bühne. Schließlich prallen nicht nur die heile Welt der ehemaligen Ladeninhaberin und das kaputte Leben des Penners aufeinander, sondern auch zwei Jugendgangs, die eine mit einem schon kriminellen Anführer, der vor Erpressung und Raub nicht zurückschreckt und mehr als ein Vorurteil gegen Ausländer hat, die andere mit eben diesen in ihrer Mitte. Tempo, deutliche Worte und ja, auch Gewalt bestimmen die Handlung über weite Strecken. Und das fordert die jungen Schauspieler. Sie sind mit vollem Einsatz bei der Sache, selbst die Folgen eines strapaziösen Zahnarztbesuches hindern nicht daran. Und sie haben eine Menge Spaß bei ihrer Aufgabe. „Ihr habt die Energie“, beschwört Bachert sein Team, wenn das gemeinsame Spiel die eigenen Lachmuskeln so sehr kitzelt, dass die im Stück geforderten Aggressionen kaum zu vermitteln sind.

Geprobt haben die jungen Schauspieler, die meisten zwischen 13 und 18 Jahren, seit Anfang Oktober, jeweils sonntags und montags zwei Stunden. Jetzt, kurz vor der Premiere, treffen sie sich jeden Abend, an dem ihnen das Jugendhaus zur Verfügung steht. Kleidung und Requisiten sind einfach, aufwendig verwandelt werden nur der Penner und die Oma, die ja beträchtlich altern müssen. Die Jugendlichen können teils eigene Klamotten einsetzen, teils stamme die Kleidung aus Billigläden, erklärt Bachert.

Vieles muss in dieser Phase noch improvisiert werden; Licht, Schatten und der geplanten Bühnenaufbau, die den Schauspielern wichtige Orientierung geben, fehlen ja noch. Es wird diskutiert, wer wofür wie viel Zeit braucht und schon wuseln wieder alle durcheinander. „Jetzt kommt eine Szene, die haben wir noch nie richtig geprobt“, sagt Bachert. Die prompte Rückmeldung: „Ich weiß nicht, was ich tun soll!“ Da lautet die Antwort schon mal „überleg’ dir was“. Jeder kann Ideen mit einbringen, obwohl der 20-Jährige, der erstmals für das Theater im Steinbruch Regie führt, klare Vorstellungen hat. Die Linie ist da und stimmig, die Akteure kommen schon jetzt authentisch ’rüber. Viel Spaß bei der Premiere!