Im Zauberwald ist alles möglich

Premiere des Kinderstücks „Rabatz im Zauberwald“ im Theater am Steinbruch: Überzeugende Darsteller, kreative Kostüme.

Ja, hat man das schon erlebt? Da heult die böse Hexe (Brigitte Schepers), weil ihr die Lebkuchen gestohlen wurden, mit denen sie doch Hänsel und Gretel (Raphael Müller-Bütow, Amelie Wegner) anlocken muss. Rotkäppchen (Larissa Göppert) wird der gefüllte Korb für die Großmutter und die rote Kappe gestohlen, dem gestiefelten Kater (Linus Fuhrmann) die Stiefel oder dem tapferen Schneiderlein seine Fliegenklatsche mit der er sonst sieben auf einen Schlag erledigen soll.

„Man tut uns häufig unrecht“, säuselt da die Ratte Ruperta (Rebecca Schneider) im spöttischen Ton und stellt die stehlenden Nager als gebildet und edel dar. Die vielen Kinder unter den Zuschauern bei der Premiere des Kinderstückes „Rabatz im Zauberwald“ im Theater am Steinbruch mögen die gehässigen Ratten nicht. Obwohl, die Ratten dürfen rülpsen, gierig fressen und lernen in ihrer Schule klauen, täuschen, tarnen und kämpfen. Alles Dinge, welche brave Menschenkinder nicht dürfen und wollen sollten. Trotzdem haben sie Mitleid mit den vertrauten Märchengestalten, die ganz ratlos und traurig sind, weil sie aus ihrem eigenen Märchen herausgerissen wurden und es nicht mehr weitererzählen können. „Wir werden unsere Märchen vergessen und die Kinder draußen auch“, befürchten sie den Untergang ihrer Welt.

Sie haben es aber auch mit einem schlauen und gefährlichen Gegner zu tun, dem schwarzen Zauberer (Philip Seidl). Er hat mit dem Anführer Raffzahn (Janni Hornung) einen nicht besonders schlauen, dafür aber unterwürfigen Anführer einer ganzen Rattenbande. Die Hexe, Dornröschen (Miriam Fuhrmann), Aladin (Jonathan Richter), Pinocchio (Lea Ade), der gestiefelte Kater (Linus Fuhrmann) und Elfchen (Murielle Meier) sind mutig genug, sich als Märchenpolizei um den Fall zu kümmern, denn in einem Zauberwald ist alles möglich. Rollum der Weise (Johannes Wipfler) hilft geistreich und tatkräftig mit. Obwohl die böse Hexe von Natur aus den anderen nicht gerne hilft, so muss sie bei dieser grundsätzlichen Sache und für den Erhalt ihres eigenen Märchens sowie des gesamten Zauberwaldes so manche Ausnahme machen. Schließlich naht die Lösung in Form einer Flöte, die in einem Märchen schon einmal eine Rattenplage unterbunden hat…

Die jungen Schauspieler sind ganz in ihren Rollen, die sie individuell ausgestalten und leben. So gleicht keine der vielen Ratten einer anderen. Da gibt es die ganz wilden und ungestümen, die fast ordentliche und strebsame, die kecke oder die flitzende Ratte. An dieser Stelle müssen unbedingt die kreativen Kostüme und das bunte, kindgerechte Bühnenbild gelobt werden. Die Bühnenauftritte sind allesamt dynamisch und kraftvoll, obwohl den mehr als 30 Akteuren bei mittags 33 Grad in der prallen Sonne unter den Kostümen sicherlich ordentlich heiß war.

Regisseurin Isabell Steinbruch, ihre Assistentinnen Viola Richter und Anette Schneider sowie die vielen technischen Helfer haben wieder einmal ein zauberhaftes Kinderstück für große und kleine Kinder auf die Bühne gestellt.

Der Schluss ist mit der Verwandlung der Märchengestalten in eine flotte Cheerleadergruppe und Tanz mit Puschen überraschend und in der heutigen Zeit angelangt. Freundschaft und Vertrauen sind eben in jeder Zeit wichtig und müssen erhalten bleiben.