Amateurtheater als Herzenssache

Premiere mit „Piroschka“ hat das Theater im Steinbruch am Samstag und die Besucher dürfen sich auf ein temperamentvolles Stück mit ein wenig Romantik und einem guten Schuss Schmalz und einer gehörigen Portion Wehmut freuen: Ein Abend fürs Herz!

Wer kennt es nicht, das Lied der temperamentvollen Juliska aus Budapest aus Fred Raymonds „Maske in Blau“? Wenn Jasmin Baumgratz es durch das Naturtheater an der Steinstraße klingen lässt, fühlt man sich auf eine Operettenbühne versetzt. Doch wir sind beim Theater im Steinbruch, für das Simone Allweyer die „Piroschka“ nach dem gleichnamigen Roman von Hugo Hartung in Szene setzt. Und ein Probenbesuch verrät: Das wird ein Abend, der keinem Ruhe lässt… Doch vor den Applaus haben die Theatergötter viel Probenschweiß gesetzt, und den vergießen die 17 Akteure – der jüngste ist neun Jahre – seit dem Winter bei Spieltraining, Leseproben und einem Hüttenwochenende. Im März begannen die Szenenproben; da ist zwar nicht jeder jedes Mal dabei, aber drei Mal pro Woche finden sie statt. Dazu kommt die wöchentliche Csardasprobe mit Heidrun Schöne. Nun folgt der Endspurt: Seit zwei Wochen leben die Schauspieler praktisch im Naturtheater, das sich jeden Abend in die Puszta verwandelt. Genauer gesagt, in Hódmezövásárhelykutasipuszta. So heißt das Dörflein, in dem sich Austauschstudent Andreas und Piroschka, die Tochter des Bahnhofsvorstehers, begegnen.

Derzeit arbeitet Simone Allweyer, die seit zwei Jahren eine Ausbildung bei der Freiburger Schule „Spielraum“ in Theaterpädagogik macht, bisher gut 16 Kinderstücke inszeniert hat und an der Markgrafen-Hauptschule mit Schülern, am Feinschliff. Mit Argusaugen wacht sie über die Details. Genau wird besprochen, wer wann abgeht und ob die Braut ’rumalbern darf, obwohl der Künftige zuschaut (ja, „ihr seid ja noch nicht verheiratet!“). Dafür gibt’s eine große Hochzeitsszene, die nicht in der Komödie steht – eine der drei großen Szenen, die für die Regie eine besondere Herausforderung darstellen. Gerade wenn alle auf der Bühne sind, darf das nicht gestellt oder gar gestelzt aussehen, sondern es muss Leben und Herz hinein – und das heißt, dass es eigentlich keine Nebenrolle gibt: Wer auf Rasen oder Brettern steht, muss präsent sein im doppelten Sinne, muss die Figur leben lassen, die er im Stück gibt.

Alle haben bei Maria Hornung Ungarisch gelernt, obwohl die wesentlichen Texte deutsch sind. Aber: „Die Ungarn im Hintergrund können nicht deutsch reden, die Sprache gibt dem Ganzen Herz“, sagt Allweyer.

Die offene Bühne im alten Steinbruch ist bei „Piroschka“ ein besonders Plus. Der Blick geht in die Weite, es gibt Hingucker wie Windmühle, Schranke und Signal für den Bahnhof, Platz für den Plattensee und für die Hochzeitsgesellschaft.

Improvisiert werden muss schon noch in diesen Tagen vor der Premiere. „Und Licht!“ ruft Simone Allweyer – nichts passiert. Dafür setzt die Musik ein – nur ist es leider noch die falsche. Macht aber nichts, die Regisseurin ersetzt erst mal das Lichtsignal, indem sie die Akteure auf die Bühne holt. Schließlich warten die doch auf den Zug, der den deutschen Austauschstudenten Andreas pünktlich (also mit nur 20 Minuten Verspätung) nach Hódmezövásárhelykutasipuszta bringt (wetten, dass die Fans den Namen nach der Aufführung aussprechen können?) Sein erstes Treffen mit Piroschka steht unter keinem guten Stern, wegen Luna (einer sanften Labrador-Hundedame, die Allweyers Vater gehört und 18. Darsteller ist). Das Paar bleibt getreu der Romanvorlage auch nicht beieinander – aber gejubelt und gefeiert wird einfach mitreißend. Tipp: Unbedingt angucken!