Beschwingt mit Sigismund

Im Emmendinger Theater im Steinbruch hatte „Im weißen Rössl“ Premiere

Es ist Sommer! Das Emmendinger „Theater im Steinbruch“ hat die Zutaten für einen stimmungsvollen Abend im Freien: eine lauschige grüne Oase mit Seerosenteich und eine pfiffige Inszenierung des Evergreens „Im weißen Rössl“, bei der nach Herzenslust mitgesungen werden darf.

Die Abendsonne setzt das Grün noch einmal in Szene, hell leuchtet der Steinbruch, und die Amseln zwitschern so laut, als seien sie de Protagonisten des Abends. Ein bunt gemischtes Völkchen auf Holzbänken rück Sitzkissen zurecht, faltet Wolldecken über den Schoß und richtet den Blick gespannt auf ein zweigeschossiges Seehotel aus Sperrholz: Premiere für das „Weiße Rössl“ unter der Regie der Schauspielerin Isabell Steinbrich und der musikalischen Leitung von Andrea Rembold.

Es ist das erste Singspiel auf der Bühne des Vereins der Emmendinger Freilicht-Theaterfreunde, und auch die „echte“ Musik ist ein Novum vor Ort: Fünf Vertreter der Freeky Big Band aus der Markgrafen-Realschule sitzen – stilgerecht als Unterhaltungskapelle – in einem überdachten Holzhäuschen vis à vis. Das Projekt: eine federleichte, wohlbekannte Operette mit kraftvoller Live-Musik und Amateurschauspielern, von denen nur zwei Darsteller eine Gesangsausbildung haben. Da sind Zweifel angebracht.

Doch es klappt bestens, das Stück ist abendfüllend, zu genießen und macht nicht nur den Akteuren von der ersten Minute an sichtbar Spaß, wenn sie sich im weißen Malerkittel zum Titel „Jetzt ist Sommer!“ der Kölner A-Capella-Band Wise Guys in Schwung bringen.

Wer will schon Operettenstars hören, wenn Kellner Leopold mit leidender, herrlich brüchiger Stimme „Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“ schmachtet und Rechtsanwalt Doktor Siedler mit viel Herz „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ anstimmt. „Das machen Sie schön“, lobt da Ottilie, die Tochter von Trikotagenfabrikant Giesecke (Patentinhaber der Hemdhose Apollo „für vorne zu knöppen“) und fügt sanft hinzu: „Aber Sie müssen noch üben“.

Selbstironie und überraschende Versatzstücke aus der Gegenwart: Da lachen auch jugendliche Besucher und singen zur Überraschung der älteren Semester spätestens nach der großen Pause beim Auftritt des feschen Herrn Sülzheimer im knappen Badedress den Gassenhauer „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?“ mit.

Mit viel Spielfreude agieren die Schauspieler, einfallsreich sind Kostüme und Maske, ein Spaß die Tanzszenen und der Auftritt des kreuzlahmen Kaisers mit Wattebart. Das Publikum dankt den Darstellern mit tosendem Applaus, bis die Holzbänke wackeln. Und Nachbars schwarze Katze verdrückt sich nach mehrfachem Bühnenkreuzen schnell, bevor die beschwingte Meute über Rindenmulch und Kies vorbei an Lichterketten und Kerzen zum Ausgang steuert.