Kaiser bleibt Kaiser – auch in Jeans
Die Proben für das „Weiße Rössl“ laufen beim Theater im Steinbruch auf Hochtouren. Denn am Freitag, 19. Juni, ist Premiere. Da kommt ein Feiertag wie Fronleichnam wie gerufen, um auch mal einen längeren „Durchlauf“ ins Programm zu nehmen.
„Seid ihr alle bereit?“, fragt Regisseurin Isabell Steinbrich. Für die Probenfotos stecken fast alle schon in voller Montur, mancher hat eine Neuerung parat wie den Geheimtipp Haferschleim (nein, nicht zum Essen). Herr von Giesecke serviert noch schnell frischen Kaffee für alle, und los geht’s.
Nein, das ist keine Neuauflage der Schwarzwaldklinik im Salzkammergut, obwohl der weiß bekittelte Chor auf der Bühne arztschnulzenmäßig aussieht – freilich nur, bis er „Oh, du mein Österreich“ anstimmt. Dabei gibt’s in der Szene keinen Grund zum Jubeln, denn Kellner Leopold „wurde gegangen“ und hinterlässt sein Testament – und Tränen, aber die gelten eher finanziellen Aspekten, wie sich zeigt. Das Stück ist eben auch für Überraschungen gut.
Manchmal muss die Regie noch nachhelfen, textlich oder ganz praktisch, doch das tut weder dem Probenengagement noch dem Gang der Dinge Abbruch. „Wo hol’ ich die Fahne her?“ will Gunter Hauß wissen, der den schönen Sigismund mimt. „Wo willst du sie denn herholen?“ Isabell Steinbrich lässt ihren Schauspielern viel Raum und ein Platz im Aufgang ist schnell gefunden. Die Fahne, das ist natürlich ebenfalls die weiß-rot-weiße mit dem Wappen. Österreich? „Made in Taiwan“, bemerkt Hauß lakonisch. Moderne Welt eben.
Dabei kommt sogar Kaiser Franz – nein, nicht Beckenbauer! Sondern der richtige, alte Kaiser. Kontrastprogramm pur: Michael Schäfer trägt noch Jeans, Turnschuhe und ein kariertes Hemd dazu, „Big Star“ steht drauf. Aber er bewegt sich schon langsam, ein wenig schwerfällig, wie es dem alternden Monarchen zukommt; freundlich-verständnisvoll lässt er die aufgeregten Huldigungen über sich ergehen, was in dem Aufputz wirkt wie ein gelungener Gag. Doch keine Sorge: So weit treibt Isabell Steinbrich die Ironie nicht, und so dürfen sich die Besucher am 19. Juni auf ein „richtiges“ Weißes Rössl freuen – ein Singspiel, wie es im Operettenbuch steht und hervorragend in den Steinbruch passt.