Der Tanz der Vampire reißt alle mit

„Tolle Leistung, super gespielt“, so lobte Hans-Joachim Wipfler, Vorsitzender des Theaters im Steinbruch, das Team des Kindertheaters am Sonntag nach der Premiere des „Kleinen Vampirs“. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Denn was die 23 großen und kleinen Schauspieler unter der Regie von Jan Schmidt auf die Bühne gebracht haben, verdient das Prädikat unbedingt empfehlenswert. Und das liegt nicht nur an der liebevollen Detailausstattung und der mitreißenden Musik, die Michael Bach geschrieben hat. Das Spiel auf der Bühne begeistert, weil alle völlig in ihren Rollen aufgehen, Überzeugungskraft auch in kleine Gesten legen und nicht nur in Klamauk- und Action-Szenen überzeugen.

Ein schönes Beispiel ist etwa Lorenz Allweyer als Anton, wenn er verzückt von Anna (Fanny Weisser) spricht, sich gegenüber den neugierigen Fragen seiner Eltern herauszuwinden versucht oder auf dem Friedhof wie ein Tiger im Käfig auf- und abmarschiert. Oder die quirlige Lebendigkeit, die Raphael Schüler dem kleinen Vampir mit auf den Weg gibt, die Schnoddrigkeit, mit der Jonathan Richter den Lumpi spielt… Sehr schön auch der Auftritt der drei Eulen (Annabelle Völker, Miriam Fuhrmann, Teresa Schneider), die die Geschichte erzählen und für die nötige zeitliche Orientierung sorgen, der schrecklich-schaurige Tanz der Vampire, der sich schließlich in einen Wiener Walzer auflöst, oder die Vorbereitungen zum Fest, die die dafür zuständige Fledermäuse nicht nur ihrer warmen Kostüme wegen ins Schwitzen kommen lassen. Denn Vampire sind anspruchsvoll!

Ja, es ist schon eine eigene Welt, die Anton durch den kleinen Vampir kennen lernt. Ludwig der Fürchterliche und Hildegard die Schreckliche sind dessen Eltern, und die Familie residiert in einer Gruft auf dem Friedhof – ein eindrucksvolles Bild. Zu ihnen gehört auch Rüdigers kleine Schwester Anna, die – bäääh! – noch von Milch lebt, aber durchaus Haare auf den Zähnen hat und dann wieder ganz zart sein kann. „Hast du noch alle Kissen im Sarg?“ fragen Vampire, sie feiern den 300. Todestag der Großmutter als Familienfest und auch bei den Eulen ist alles anders: „Kommt schlafen, ihr Tagwandler“, mahnt die eine am helllichten Tag.

Und doch ist vieles vertraut: Der kleine Vampir stöhnt über sein nerviges Schwesterchen und muss in den Sarg, wenn er behauptet, krank zu sein, Anton muss sich mit der Neugier seiner Eltern (Jasmin Baumgratz, Gunter Hauß) herumplagen, die die neuen Freunde ihres Sohnes kennen lernen wollen, und mit einem neunmalklugen Bruder (Janni Hornung). Lumpi ist in der Pubertät und Udo Holzapfel (Johannes Wipfler) hat keine Manieren.

Also alles ganz wie in der realen Welt? Es ist ungemein eindrucksvoll, wenn die Vampire in ihren schwarzen Umhängen, mit den Reißzähnen und dunklen Perücken über den Rasen stürmen. Der steht voller Grabsteine und Särge, und der Garten ist mit Holzkreuzen und Spinnweben dekoriert. Doch dieser Idylle droht Ungemach, denn Friedhofswärter Geiermeier (beeindruckend gespielt von Detlef Koraleski) träumt vom ersten vampirfreien Friedhof Europas und weiß auch schon, wie er das erreicht. Sein Pech, dass er an Anton gerät und dessen Vater zur Rettungsaktion herbei hechtet. Kurz: Zwei unterhaltsame Stunden sind Groß und Klein sicher.