Gefangen in Draculas Klauen
Doppelte Premiere: Das Theater im Steinbruch spielt den Dracula und Clemens Allweyer hat das Stück geschrieben
Der Aschenbecher von Isabel Rothe quillt schon über, als die Hauptprobe für das Abendstück „Dracula“ beginnt. „Es steht nichts im Wege, dass wir anfangen“, sagt die Regisseurin des Theaters im Steinbruch. „Wenn die ersten Akteure verkabelt sind, legen wir los.“ Und schon verwandeln schaurig-schöne Klänge von Michael Bach die Wiese vor der Steinwand in ein Dorf in Transsylvanien, dort, wo Graf Dracula sein Schloss hat.
Mikrofone gibt es freilich nur für die Gesangspartien, gesprochen wird weiterhin ohne elektronische Verstärkung. Allerdings versuchen die Darsteller, in den Proben ihre Stimmen etwas zu schonen, damit zur Premiere alle fit sind. Dragees mit Isländisch Moos sind Monika Wipflers Geheimtipp, Michael Bach, der die Musik zu den Theaterstücken gschrieben hat, rät zu Salbeibonbons. Beide brauchen nicht zu singen. Das ist ein Novum bei diesem Stück: Michael Bachs Musik fördert nicht nur die Dramaturgie und überbrückt die Umbauphasen, in denen die Schauspieler sich in Möbelpacker verwandeln. Diesmal wird live gesungen.
Es wird viel geflachst und gelacht bei den Proben — anders wäre es kaum möglich, jetzt, in der heißen Phase, jeden Abend auf der Bühne zu stehen. Außerdem fordert die Gruselkomödie förmlich dazu heraus. „Hab’ ich schon erwähnt, dass mein Kostüm ziemlich warm ist?“ fragt Gunter Hauß, der den Jonathan Harker spielt. „Meines auch“, seufzt seine Theatertante alias Ingrid Schuler. „Was wollt ihr, ihr seid in Transsylvanien, da hat’s 30 Grad minus!“ witzelt Bach.
Und eben ganz andere Sitten. „Was auf Tahiti der Blütenkranz ist, ist auf dem Balkan die Knoblauchkette“, stellt Hauß als phlegmatischer Engländer Harker fest. Wozu die Dinger dienen sollen, begreifen die Reisenden nicht. Wieso auch. Im heimatlichen London hat man andere Sorgen — oder? Am Samstag werden’s die Besucher bei der Uraufführung von Clemens Allweyers Stück erfahren.
Erstmals wird es eine Doppel-CD von diesem Stück geben, die in Michael Bachs Studio als Hörspiel produziert wurde. Dort ist die Mischung von Text und Ton schon gelungen, hier feilt Isabel Rothe noch an der — aufwändigen — Technik. Welches Licht signalisiert wessen Auftritt? Wann muss die Musik einsetzen, wann abbrechen? „Wir haben noch drei Tage“ , schmunzelt Hauß. In denen werden solche Probleme gelöst — wie immer.