Wo das Blut nach Rote-Bete-Saft und Soßenbinder schmeckt
Das Kindertheater im Steinbruch inszeniert in diesem Jahr den „Kleinen Vampir“ — und das erfordert besonderes schauspielerisches Können
Regisseur Jan Schmidt schwenkt eine Plastikflasche mit dunkelrotem Inhalt. „Wer mag mal probieren?“ Das Interesse der jungen Akteure für das Kinderstück „Der kleine Vampir“ ist gering, denn die Mischung sieht zwar echt „blutig“ aus und ist auch gesund, aber Rote-Bete-Saft mit Maggifix für dunkle Soßen ist nicht jedermanns Geschmack. Den Soßenbinder braucht’s für die Konsistenz. Die Formel hat Schmidt von einem Maskenbildner, der Leute für Germans Next Topmodel gestylt hat. „Damit geht’s wunderbar“, findet er.
Viele solche Detailprobleme müssen gelöst werden, damit es schön schaurig wird beim Kinderstück „Der kleine Vampir“ des Theaters im Steinbruch. Noch drei Proben sind es bis zur Premiere, und die haben es in sich.
Vor allem die Ablaufproben: Die Musik und das zeitweise recht turbulente Spiel werden exakt aufeinander abgestimmt und bis das klappt, ist so manche Wiederholung fällig. „Ja wann denn nun?“ ruft’s aus der Technik. „Beim ersten Hilfeschrei hört die Musik auf, beim zweiten fängt die zweite Musik an“, erklärt Schmidt.
50 Proben à drei Stunden haben die Hauptdarsteller hinter sich, bei den Fledermäusen sind es etwa 20. Voller Einsatz ist dabei gefordert. „Okay, lauf! Lauf, lauf, lauf, lauf!“ ruft Schmidt der Anna zu und flitzt selbst neben der Bühne hin und her. Die Fledermäuse animiert er dagegen zur Ruhe, „ihr habt Zeit.“ Daneben spricht er den Text einer erkrankte Darstellerin und freut sich über den gelungenen Krabbel-Auftritt des Baby-Vampirs: Auch der Regisseur hat jede Menge zu tun und Assistentin Sarah Seng muss noch so manches Textstück beisteuern.
Das ist wie bei jedem Theaterstück. Doch Vampire darzustellen, erfordert viel schauspielerisches Können. Gespielt wird ja am hellen Tag, und das Sonnenlicht vertragen die dunklen Gestalten eigentlich nicht. Und wenn ein Vampir sagt „das war ein schreckliches Fest“, dann muss das so klingen, als wenn unsereiner sagt „ein herrliches Fest.“ Gar nicht so leicht zu vermitteln. „Ich verpacke das dann“, erklärt Schmidt, „sage etwa: Ihr braucht ein Funkeln in den Augen“ oder „zeigt die Zähne“ .
Ach ja, die Zähne. Auch junge Vampire müssen falsche tragen, sie sind genau dem Gebiss angepasst, etwa wie Zahnspangen. Dennoch braucht’s Haftcreme, damit sie nicht aus dem Mund fallen, wenn der Vampir ihn aufreißt. Essen lässt sich’s damit übrigens, haben die Schauspieler festgestellt — dabei stören eher die Schnäbel der Eulen, die darum für die Pause auch in der Tasche verschwinden.
Viel Aufwand wird mit den Requisiten getrieben. „So viele Requisiten wie dieses Jahr hatten wir noch nie“, meint Schmidt. So wird es ein halbes Dutzend Grabsteine geben, aus Sperrholz, Styropor und Gips. Und während die Kinderstück-Proben dem turbulenten Höhepunkt zustreben, bastelt nebenan Clemens Allweyer, Autor und Hauptperson im „Dracula“, an den Kulissen. In der Pause wird das Transparent für das Wirtshaus im Erwachsenen-Stück über die Bühnenwand gehievt. Das sieht schon fast wie eine eigene Szene aus. Fest steht: Wer in die Proben geschnuppert hat, hat Blut geleckt und wird das Stück unbedingt sehen wollen.