„Es macht wahnsinnig viel Spaß“
BZ-INTERVIEW mit Gunter Hauß, dem Spielbetriebsleiter des „Theaters im Steinbruch“
Das Theater im Steinbruch hat seine Sommersaison fast hinter sich und plant schon für das kommende Jahr. Dafür werden weitere Mitspieler gesucht. Sylvia-Karina Jahn sprach darüber mit Gunter Hauß, Spielbetriebsleiter der Freilichtbühne und selbst begeisterter Schauspieler, der auch dieses Jahr wieder mitgewirkt hat.
BZ: Die Saison als Sträfling Alfred ist fast ’rum. Was ist für Sie das Reizvolle am Theaterspielen?
Hauß: Es ist eine wunderbare Chance, sich auf eine sehr kreative Art selbst zu verwirklichen und in gewisser Weise immer wieder selbst zu finden. Man legt ja ein Stück von sich in jede Rolle und findet auch ein Stück von sich wieder. Weil wir vor Publikum spielen, hat man die Möglichkeit, direktes Feedback vom Publikum mitzunehmen; das ist ein sehr dankbares und befriedigendes Erlebnis. Abgesehen davon macht es wahnsinnig viel Spaß!
BZ: Sie suchen für die kommende Saison neue Mitspieler. Sind Sie und Ihre Kollegen am Ende doch ein bisschen spielmüde?
Hauß: Wir sind nicht spielmüde, aber wir planen ein großes Projekt, für das wir zusätzliche Spieler brauchen, vor allem Männer. Denn es finden sich immer mehr Frauen, die spielen wollen, als Männer. Dabei gibt es in den Stücken, die wir spielen, sehr starke Männerrollen. Deswegen freuen wir uns immer wieder über Zuwachs.
BZ: Welche Voraussetzungen muss ein Neuling mitbringen?
Hauß: Auf jeden Fall muss er Spaß an der Gruppe haben und Interesse, sich allgemein in den Verein einzubringen. Denn es ist nun mal ein Gemeinschaftsprojekt, alle packen mit an. Man kann sich nicht auf die Bühne stellen, spielen und dann heimgehen. Berufliche Situationen ändern sich, die Leute haben immer weniger Zeit und wir brauchen immer mehr Helfer. Aber wir achten auch darauf, dass keiner überlastet wird, niemand muss alles allein machen.
BZ: Wie hoch ist der voraussichtliche Zeitaufwand?
Hauß: Anfangs ist der überschaubar, mit zwei Probenterminen in der Woche; in der Premierenwoche ist jeden Abend Probe. Aber die Regie versucht, das so zu gestalten, dass die Leute Zeit haben und es ist ja nicht jeder jeden Abend dran. Es ist schon ein zeitaufwändiges Hobby, lohnt sich aber auf jeden Fall.
BZ: Ist es für einen Amateur nicht sehr schwer, sich so in eine Rolle hineinzuversetzen, dass es beim Zuschauer ankommt?
Hauß: Wir haben irgendwann auch einfach angefangen und es probiert. Eine Ausbildung bringt nichts, wenn man keinen Spaß und kein Talent hat. Man sollte die Lust mitbringen, sich zu öffnen für das, was einem angeboten wird. Wir inszenieren mit Profiregisseuren, weil das für uns Amateure die Chance bietet, eine professionelle Sicht der Dinge zu bekommen und uns zu entwickeln.
BZ: Und wie sieht es mit dem Auswendiglernen des meist nicht gerade kurzen Textes aus — von den dazu passenden Bewegungen, Gesten, Handlungen mal ganz zu schweigen? Wie kriegt man das hin?
Hauß: Das ist individuell verschieden, da gibt es sehr unterschiedliche Methoden. Ich zum Beispiel komme über die Bewegungen, über das Spiel in den Text hinein, andere nutzen Lernkassetten und CDs und hören sich das, etwa auf dem Weg zur Arbeit, immer wieder an. Und es gibt auch diejenigen, die zu Hause das Textbuch immer wieder durchgehen. Es ist lernbar — bisher hat es noch jeder geschafft!
BZ: Können Sie den potenziellen Neulingen auch schon gute Ratschläge geben?
Hauß: Das ist vorab schwierig, aber ins Wasser geworfen wird keiner. Wir planen auch in diesem Jahr voraussichtlich wieder ein Spielertraining. Das sind sozusagen Trockenübungen: Es wird improvisiert, es werden kurze Szenen gespielt oder einfach nur Texte rezitiert, Bewegung im Raum geübt. Das hilft uns, drin zu bleiben, bietet aber auch Neuen die Chance, die Gruppe kennenzulernen und handwerkliche Praxis mitzunehmen.