Spielerisches Können und voller Einsatz

Kindertheater am Steinbruch hat eine zauberhafte Premiere mit „Jim Knopf und die Wilde 13“

Was lange währt, wird endlich gut: Viele Abenteuer müssen Jim Knopf und sein Freund Lukas, der Lokomotivführer bestehen, bevor die Piratenbande „Wilde 13“ gezähmt ist und das Stück ein überraschendes und glückliches Ende findet. So sind Akteure und kleine wie große Zuschauer zweieinhalb Stunden lang gut beschäftigt und bestens unterhalten — Langeweile kommt in der turbulenten Fortsetzung der Jim-Knopf-Geschichte vom Vorjahr keine Minute auf. Nicht nur die Pause teilt das Kinderstück beim Theater im Steinbruch in zwei recht unterschiedliche Teile: Im ersten Teil sind Jim Knopf (ein sehr präsenter und authentischer Lorenz Allweyer, der seine Riesen-Rolle glänzend meistert) und Lukas (Jan Schmidt, der immer einen Rat weiß und dessen überzeugende Gestik mit typisch vorgerecktem Kinn so richtig zu der Rolle passt), in wichtiger Mission unterwegs: Sie sollen ihrer winzigen Heimat Lummerland einen Leuchtturm zu besorgen, damit die großen Schiffe das Inselchen nicht mehr rammen können.

Dabei lernen sie viele neue Leute kennen, treffen aber auch auf gute alte Bekannte aus dem Stück „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ . Hilfsbereit wie die beiden sind, stürzen sie sich gleich in neue Abenteuer. Und im zweiten Teil müssen sie es mit der „Wilden 13“ aufnehmen, einer Piratenbande, die ihrem Namen (fast) alle Ehre macht. Wie gut, dass wenigstens die böse Frau Mahlzahn inzwischen zum geheimnisvollen Drachen der Weisheit mutiert ist. Dennoch: Statt leichtfüßig-eleganter Tänze sind nun turbulente Kampfszenen angesagt, Lukas und die kleine Prinzessin Li Si (Lea Striegel) landen hinter Gittern und Jims Lokomotive Molly verschwindet. Als wäre das nicht genug Stoff für eine dramatische Geschichte, erfährt Jim Knopf auch noch das Geheimnis seiner Herkunft…

Die jungen Akteure sind mit einem Feuereifer bei der Sache — und mit viel spielerischem Können und vollem Einsatz, egal ob in einer Hauptrolle oder am Rand der Bühne als Palastwächter oder Vollblut-Renn-Seehund. Hübsche Ideen und viel Musik verleihen der Aufführung ein besonderes Flair. Den Riesen-Magneten, den Jim Knopf und Lukas mit vereinten Kräften kaum „tragen“ können, hievt der freche Halbdrache Nepomuk ganz lässig an seinen Platz, während die beiden Hauptakteure schon wieder mit ihrer Lok Emma unterwegs sind. Sehenswert, wie sich die Piraten in die Schlacht um Emma stürzen und später aufeinander — nicht nur solche Szenen zeigen, dass sich die lange und harte Probenzeit gelohnt hat: Bei diesem Kindertheater stimmt alles.

Das ist das Verdienst von Regisseurin Simone Allweyer und ihrem Team, die hinter den Kulissen gefordert sind. Etliche der jungen Akteure haben zum Premieren-Lampenfieber noch „Umziehstress“ : Weil die Gruppe aus schulischen Gründen etwas kleiner ausfällt als im Vorjahr, hat so mancher Pirat schon einen Auftritt als Meerbewohner oder als eines der anderen Fantasiewesen aus Michael Endes Buch hinter sich. Dem Temperament tut’s keinen Abbruch! Michael Bach hat nicht nur die schwungvolle Musik geschrieben, er fungiert auch als der gestelzte Herr Ärmel und agiert mit dem Schifferklavier als Pirat. Apropos Musik: Wenn die Bande davon singt, dass sie weder die drei Musketiere noch die fantastischen Vier und schon gar kein Elferrat sind, sondern Vollblutpiraten, dann klingt das so mitreißend, dass sicher keiner auf die Idee kommt, einfach mal nachzuzählen. Könnte sich aber lohnen… Noch mehr Spaß macht es, sich das Stück einfach anzugucken und die fantasievolle Geschichte zu genießen. Sie wird nämlich einmal mehr hinreißend präsentiert!