Ein Happy End, mal anders

Das Theater im Steinbruch feierte mit „Eine schöne Bescherung“ eine rundum gelungene Premiere

Voller Überraschungen steckt die bitterböse Komödie „Eine schöne Bescherung“ von Albert Husson, mit der das Theater im Steinbruch am Samstagabend Premiere feierte und einen Riesen-Applaus einheimste. Das Publikum hatte seinen Spaß an der Geschichte im weihnachtlichen (!) Cayenne mit dem etwas anderen Happy End. Mochten die Temperaturen das tropische Feeling vermissen lassen — es blieb trocken für eine rundum gelungene Premiere, die gut und gern ein paar Zuschauer mehr hätte vertragen können. Also gleich ein Tipp: Bis 4. August wird gespielt!

Rhythmisches Hämmern wie auf einer Baustelle eröffnet das Stück. Die drei Sträflinge Jules (Michael Schäfer), Joseph (Christian Fuhrmann) und Alfred (Gunter Hauß) bessern das Dach der Familie Ducotel aus. Und so bekommen sie aus erster Hand die Schwierigkeiten mit, in denen ihre „Arbeitgeber“ stecken. Felix Ducotel mag sich redlich bemühen — ein Geschäftsmann ist er nicht. Das nimmt man Harald Hornung mühelos ab. Ehefrau Amelie hat ein klein bisschen mehr Realitätssinn, doch wenn Martina Deschler in ihrer Rolle „O mein Gott — ein Kunde“ ausruft, wird jedem klar, dass sie zwar ihren Mann, nicht aber den Laden liebt.

Bei Felix’ Cousine Justine Trochard sieht das ganz anders aus. Elsbeth Weber spielt sie als eine geschäftstüchtige, ja schon fast geschäftssüchtige, energische Mischung aus Dragoner und Cowgirl, ist scharfzüngig, süffisant — und sie ist nur deswegen aus dem 6000 Kilometer entfernten Le Havre angereist, um Felix’ Bücher zu prüfen. Schließlich steckt ihr Geld in seinem Geschäft. Ihren Neffen gibt Jan Schmidt als typischer Millionenerbe, der sich gekonnt wie nebenbei alle Sympathien verscherzt. Dass der hoffnungsvolle Erbe die verliebte Ducotel-Tochter Isabel (Miriam Meral spielt sie mal sehr romantisch-gefühlvoll, mal sehr zielstrebig) heiratet, kommt überhaupt nicht in Frage!

Die sich anbahnende Katastrophe können die Sträflinge nicht mit ansehen. Sie treiben nicht nur Isabel deren Selbstmordpläne aus und sorgen für ein schönes Weihnachtsfest der gebeutelten Familie, sie lösen auch deren geschäftliche Probleme — aber auf ihre Weise. Das beginnt ganz harmlos, wobei die drei Akteure deutlich unterschiedliche Typen verkörpern: Joseph entpuppt sich als Verkaufsgenie, Jules als die ausgleichende Stimme der Vernunft und Alfred ist immer bereit einzugreifen, wenn Not am Mann ist. Doch schon bald werden die Aktionen handfester: Wenn Überredungskunst nicht mehr fruchtet, weil etwa Madame Parole (Susanne Emler) noch immer nicht den Kredit begleichen will, den ihr der gutmütige Felix eingeräumt hat, dann werden die eben noch so freundlichen Drei bedrohlich. Die Mimik dieses Trios ist ohnehin sehenswert — nicht nur dann, wenn sie, wie meist, im Mittelpunkt stehen, sondern auch, wenn sie die Lauscher auf dem Dach spielen oder in Ecken und Hecken nach ihrem stets unsichtbaren Helfer Adolphe suchen. Ein Blick neben die Haupthandlung lohnt sich, weil jeder, der sich auf der Bühne befindet, dort auch agiert — was die Akteure ganz schön in Atem hält.

Die Bühnenausstattung ist auf das Wesentliche beschränkt, ähnlich die Musik, die Regisseurin Isabel Rothe ganz gezielt, sparsam und darum um so wirkungsvoller einsetzt. Neben der großen Spielfreude und spielerischem Können der Akteure macht das den Reiz der Aufführung aus: Keine Effekthascherei, kein Schnickschnack, dafür aber jede Menge Spaß. Hingehen!