Begeisterndes Theater mit erfrischendem Witz
“Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer” : Die Emmendinger Freilichtbühne trifft mit ihrem Sommerstück den Nagel auf den Kopf — für Kinder und Erwachsene
In der Kürze liegt die Würze. Stimmt nicht immer. Besonders dann nicht, wenn Nachwuchsschauspielerinnen und -schauspieler des Ensembles “Theater im Steinbruch” eines der bekanntesten Kinderstücke der Welt spielen. Die Aufführung “Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer” zog über zweieinhalb Stunden die zahlreichen kleinen und großen Besucher in seinen Bann. Bei der Premiere des weltbekannten Kinderstücks von Michael Ende kam keinerlei Langeweile bei den kleinen und schon gar nicht bei den großen Besuchern auf.
Die Regisseurin und Kulturpreisträgerin der Stadt Emmendingen Simone Allweyer versteht es immer wieder, bei den Freiluftaufführungen die Kinderstücke mit liebenswerter Ironie und Lebensweisheiten zu garnieren. Damit ist dieses Theater bei genauem Zuhören für die Erwachsenen genauso vergnüglich wie für die Kinder und Jugendlichen.
Sahnehäubchen bei dieser Inszenierung sind die Musikeinlagen vom “Entenmann” Michael Bach, der eigens für diese Aufführung ein Musikstück komponierte. Experiment gelungen, so kann auch der wiederholte Kulissenwechsel während des Stücks bezeichnet werden. Mehrmalig wechselt die Spielszene zwischen Lummerland und Kummerland oder direkt zum Kaiser von China. Während geschickte und fleißige Helfer in Windeseile die Umbauten bewältigen, begeistern die kleinen Akteure ihre Gäste mit Jonglage und artistischen Darbietungen.
Hier zum Szenario: Das Land Lummerland wird zu klein für seine immerhin fünf Bewohner. Der Lokomotivführer Lukas (Jan Schmidt) und sein bester Freund Jim Knopf (Raphael Hartmann) verlassen bei Nacht und Nebel die Insel. Sie landen in der Hauptstadt von China, wo sie von der kleinen Ping Pong (Lea Striegel) erfahren, dass die Prinzessin Li Si (Rebecca Schneider) verschwunden ist, und machen sich auf, sie zu suchen. Um das Königskind wieder zu finden gibt es nur eine Möglichkeit: das Tal der Dunkelheit. Nur ganz knapp entkommen die beiden Abenteurer dem Tod und erreichen die Wüste namens “Das Ende der Welt” . Dort erleben sie erst einen großen Schrecken, lernen dafür jedoch den freundlichen Scheinriesen Herrn Tur Tur (Jonathan Vöhringer) kennen. Als sie nicht auf ihn hören wollen, hilft er ihnen weiter und führt sie bis zum Mund des Todes. Mit Hilfe des Halbdrachens Nepomuk (Myrielle Meier) gelangen sie in die Drachenstadt Kummerland und zur Alten Straße 133, wo die Schule der bösartigen Lehrerin Frau Mahlzahn (Thea Weiser) liegt. Sie erfahren, dass viele Kinder, unter ihnen die vermisste Prinzessin Li Si, von einer Seeräuberbande entführt und an Frau Mahlzahn verkauft worden sind. Jim Knopf und Lukas können Frau Mahlzahn überwinden und die Kinder befreien. Auf dem gelben Fluss, der an Frau Mahlzahns Haus vorbei- und unterirdisch durch die Krone der Welt fließt, kehren sie nach China zurück, wo sie erneut weitere Überraschungen erleben.
Mehr wird nicht verraten. Eines ist jedoch klar: Viel Spielwitz und eine schauspielerische Glanzleistung sämtlicher Akteure machen deutlich, dass es noch Unterhaltung jenseits der Fußballeuphorie gibt. Davon lassen sich selbst Väter. anstecken und überzeugen.