Wenn der Leichtsinn seine schönen Fallen stellt

Begeisternde Premiere des Theaters im Steinbruch mit Johann Nepomuk Nestroys Lustspiel “Lumpaci Vagabundus”

“Edel sei der Mensch, hilfreich und gut”. Ganz nach Goethe hätten es die Geister “Der Gute Wille” und “Das Glück” gern. Sittsam, strebsam, so sei es recht, doch ihre Gegenspieler, “Die Versuchung” und der für Leichtsinn zuständige “Lumpaci Vagabundus” sehen dies ganz anders. Lass den Menschen ihren Spaß, selbst wenn er sich in Suff und Liebeleien erschöpft. Zwischen diesen Polen bewegen sich die Charaktere des aktuellen Stückes “Lumpaci Vagabundus”, mit dem das Theater im Steinbruch am Samstag Premiere hatte.

Der Streit zwischen Gut und Böse, die Freiheit, zwischen Lebenslust und Verantwortung wählen zu können, sind ein klassisches Menschheitsthema und somit auch der Theatergeschichte. Stoff für die griechische Tragödie, die Oper oder eben, wie in dem Werk von Johann Nepomuk Nestroy, für ein Lustspiel. Die Vorlage, geschrieben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wird in einer Bearbeitung von Franz Rieder aufgeführt, was sie gegenwartsnäher macht.

Wirkungsvoll inszeniert ist von Isabel Rothe die Einführung. “Lumpaci Vagabundus” (Jan Schmidt) in bunten Gauklerfarben und die Versuchung (Claudia Kocher) leicht verrucht, ohne schon obszön zu wirken, haben allein schon rein optisch ein leichtes Spiel gegenüber dem als wandelnde Verbotstafel daherkommenden “Guten Willen” (Moritz Vogel) und dem “Glück” (Gisela Kappenberger), das als braves Mädchen kaum reizvoll erscheint. Kein Wunder also, dass Mensch dazu neigt, dem Paar des Leichtsinns zu folgen. Doch “Wille” und “Glück” sollen ihre Chance erhalten, so die “Freiheit” , die als Stimme aus dem Off eindrucksvoll durch den Steinbruch schallt.

Dem philosophischen Vorspiel folgt die handfeste Handlung und dieser verleiht vor allem das Trio Leim (Jonathan Vöhringer), Knieriem (Hans Bürklin) und Zwirn (Gunter Hauß) Dynamik. Grobklotzig der dem Suff ergebene Knieriem, der doch eigentlich nichts dafür kann, dass er im Suff immer wieder aus dem Rahmen fällt. Verschmitzt der draufgängerische Zwirn, der sich, ein Rock in Sicht, nicht halten kann. Dazu der aus Eifersucht und Liebesleid am Weltschmerz erkrankte Leim. Extreme, die von allen drei Darstellern eindrucksvoll verkörpert werden. Bis ins Detail stimmen Körperhaltung, Gestik und Mimik.

Dies gilt auch für die kleineren Rollen, die den Blick fürs Detail der Regisseurin verraten, als auch die Lust der Akteure (Clemens Allweyer, Simone Bruder, Martina Deschler, Gottfried Groener, Harald Hornung, Nadine Janßen und Roland Seidl) am Schauspielen, verbunden mit dem Anspruch, auch als Laien möglichst perfekt in fremde Rollen zu schlupfen.

Ganz anders das Stück selbst, das seine Spannung mehr aus den Szenen als aus dem Handlungsstrang bezieht und zum Schluss zwar ein Happy-End findet „nichts anderes wäre denkbar“, das sich jedoch nicht wirklich schlüssig erklärt sondern eher, wie das “Glück”, aus dem Himmel gefallen zu scheint.

Aus diesem fielen dann, Dramaturgie der Natur, nach Blitz und Donner auch noch ein paar Tropfen, was die Akteure nicht irritieren konnte. Ebenso wie das Premierenpublikum, das sich begeistert zeigte. Bis zum 12. August besteht noch 14-mal die Chance, “Lumpaci Vagabundus” und das gelungene neue Ambiente im Steinbruch genießen zu können.