Amateurtheater als Herausforderung
Isabel Rothe ist die neue Regisseurin des „Theaters im Steinbruch“ für das Erwachsenenstück „Lumpaci Vagabundus“
Blut geleckt hat sie in London, erzählt Isabel Rothe, die neue Regisseurin des “Theaters am Steinbruch” für das Erwachsenenstück “Lumpaci Vagabundus”. Dessen Premiere findet am 17. Juni statt — allen WM-Spielen zum Trotz.
In Köln geboren, hat sie in Heidelberg und London Anglistik und Romanistik studiert und schließlich “immer weniger studiert und immer mehr Theater gemacht”. Nach dem Examen fand sie eine Regieassistentenstelle am Freiburger Theater und wechselte dann ans Staatstheater Karlsruhe als Dramaturgin. Später hat sie am Stadttheater Freiburg sowie in der freien Szene inszeniert, beispielsweise im Vorderhaus im Rahmen des Schule- und Theaterprojektes Brechts “Leben des Galilei” und “Kabale und Liebe”. Sie hat Tourneetheater produziert und inszeniert, schreibt diverse Kabarettabende und war damit auch schon im Schlosskeller zu Gast. Derzeit ist sie Dozentin an der Schauspielschule am Martinstor — und macht die Sommerproduktion des Theaters am Steinbruch.
Dazu ist sie über Empfehlungen von Kollegen gekommen. Das Amateurtheater war relativ früh auf der Suche nach einem neuen Regisseur gewesen, berichtet Pressereferent Markus Haas. Die drei Saisons mit Boulevardkomödien seien gut gelaufen, doch sei das gleiche Strickmuster erkennbar gewesen und so habe man wechseln wollen, bevor sich das Publikum langweile.
Isabel Rothe kommt selbst aus dem Laienkontext und hat dort viel gelernt. Dennoch hätte es sich die 40-Jährige bis vor kurzem noch nicht vorstellen können, bei einem Amateurtheater Regie zu führen: “Das ist eine große Herausforderung.” Denn die Auffassung der Profis, “Theater macht man oder macht man nicht”, konnte sie nicht voraussetzen. Doch die Videos von alten Aufführungen haben sie überzeugt: “Das ist einfach ansteckend, die Verve, mit der sie das machen.”
Freilich sei es bei einem so großen Ensemble schwierig, Disziplin zu fordern, ohne als “Spaßbremse” dazustehen. Ihre Rolle beschreibt sie als eine Mischung zwischen Dompteur und Entertainer. Allein 14 Akteure für die Probenplanung unter einen Hut zu kriegen, sei ein arithmetisches Kunstwerk; Beginn war Mitte März, doch gab es mehrfach Einschränkungen. So wird in dieser Woche nicht geprobt, wegen der Pfingstferien — aber diese Zeit fehlt halt, zumal auch noch “das Wetter ins Kontor haut”. Beispielsweise braucht es in einem Akt Stroh auf der Bühne — bei Regen schlicht nicht zu proben.
Trotzdem ist sie zufrieden mit dem “soliden Probenstand”, sei aber jemand, der gern nachverdichte, nachbessere, alles sehr genau baue. Zum Glück erlaubt es das Nestroy-Stück, ein richtiges “Vorstadttheater” mit handfesten und knackigen Typen, in den Proben zwischen den einzelnen Szenen hin und her zu springen.
Probleme sieht auch Haas eher in Feinheiten — und in der Technik, denn auch die litt unter dem Wetter. Sogar eine Verschiebung der Premiere sei diskutiert worden, berichtet er, aber die sei nun vom Tisch — auch wenn das Gelände absaufe und wahrscheinlich zumindest im Bewirtungsbereich mit Schotter aufgefüllt werden müsse.
Außen vor gelassen haben die Amateurschauspieler bei ihrer Planung übrigens die Termine der Fußball-Weltmeisterschaft. “Wir haben keine andere Möglichkeit, danach kommt die Ferien- und Urlaubszeit”, argumentiert Haas. Nun hoffen die Mimen auf Fußball-Muffel, die vielleicht nur Spiele mit deutscher Beteiligung gucken. Und bei den Schauspielern, da ist er sich sicher, ist die Liebe zum Theater stärker als die zum Fernseh-Fußball.