Lippel, der Meisterträumer
Im Theater im Steinbruch in Emmendingen spielen 30 Kinder und Jugendliche ein Stück von Paul Maar
Träumst du nachts manchmal auch so doll, dass du am Morgen gar nicht mehr weißt, was Traum ist und was Wirklichkeit? Hast du vielleicht auch schon mal einen Fortsetzungstraum gehabt, so einen, der jede Nacht ein Stückchen weitergeht?
Also, der zehnjährige Lippel ist ein wahrer Meisterträumer! Nacht für Nacht erlebt er mit den Königskindern Arslan und Hamide die wildesten Abenteuer und am nächsten Morgen sitzen seine zwei türkischen Freunde ganz harmlos neben ihm in der Schule und können sich an nichts mehr erinnern. Sehr verwirrend, findet Lippel. Noch dazu sind die drei jede Nacht im fernen Morgenland! So nannte man früher den Orient. Das sind die Länder, die von Europa aus gesehen in Richtung Sonnenaufgang liegen, zum Beispiel die arabische Halbinsel. Und weil dort so tolle Geschichten wie „Aladin und die Wunderlampe“ oder „Ali Baba und die vierzig Räuber“ spielen, hat Lippel mächtig was zu träumen…
Der berühmte Kinderbuchautor Paul Maar hat über Lippels nächtliche Abenteuer ein Buch geschrieben. Das ist so spannend geworden, dass er dafür viele Preise bekam. Und weil er sich die Wüstenverfolgungsjagd, den dicken Sultan und die zickige Frau Jakob mit ihrem Putzfimmel so gut vorstellen konnte, schrieb er gleich noch das Theaterstück dazu.
Diesen Sommer kannst du es im Steinbruch in Emmendingen sehen, mit dreißig Kindern und Jugendlichen auf der Bühne. Die meisten sind schon richtig alte Theaterhasen. Der zwölfjährige Johannes spielt den Lippel und hat einen langen, gestreiften Schlafanzug an. Schließlich liegt er ja die meiste Zeit träumend im Bett, und im Morgenland fällt er dann mit seinem glänzenden Pyjama nicht weiter auf. Seit Februar proben Johannes und seine Freunde das Stück mit der Regisseurin Simone Allweyer, kurz vor der Premiere sogar täglich.
„Das ist zwar anstrengend, aber viel aufregender als ins Freibad zu gehen!“, findet Juliana, die im Stück die orientalische Prinzessin Hamide ist und ein wunderschönes Glitzerkleid trägt. Aber wie kann man bitte einen Traum spielen? Und wie einen Sandsturm? Auf der Freiluftbühne im Steinbruch ist links Lippels Wohnzimmer mit Regal, Tisch und Stühlen. Auf der rechten Seite erhebt sich ein wunderschöner, orientalischer Wüstenpalast mit Zwiebeltürmen und Rundbögen. Und genau in der Mitte steht Lippels großes Bett. Natürlich muss man bei einem Theaterstück vieles von der Buchvorlage weglassen, sonst wird die Geschichte zu lang und zu kompliziert. So fehlt hier der Hund Muck und das Klassenzimmer besteht nur aus einer Reihe Klappstühle. Um trotzdem alle wichtigen Dinge zu erzählen, gibt es drei witzige Musiker, die mit ihren Liedern durch die Geschichte führen. Die ist dann zwar ein bisschen anders, aber genauso aufregend wie im Buch! Wie Lippel auf dem Basar eine große Zaubershow mit seiner Taschenlampe veranstaltet und damit am Ende den Wächtern des Sultans entkommt, musst du dir unbedingt selbst ansehen!