Ein köstliches Sommervergnügen vor lauschiger Naturkulisse
Die Besucher der „Blauen Maus“ im Theater am Steinbruch erlebten eine Premiere wie im Bilderbuch / Geschlossene Ensembleleistung überzeugt
Eine Premiere wie im Bilderbuch erlebten die Besucher und Akteure bei der Aufführung „Die blaue Maus“ beim Theater im Steinbruch. Allein schon die Wartezeit vor der Vorstellung war teilweise den Besuch wert.
Bei Fackelschein und einem Gläschen Sekt verkürzte ein fünfköpfiges Ensemble der Stadtmusik den erwartungsfrohen Gästen die Zeit auf angenehme Weise. Vogelgezwitscher und ein laues Sommerabendlüftchen durchwehte den lauschigen „Freilufttheatersaal“ an der Steinstraße.
Es ist so eine Sache mit Männerrunden. Frauen legten einst ihre Männer in berüchtigte Eheketten. Aber das ist ja längst vorbei. Das Stück spielte an einem Sonntag Anfang Juli 1954 in Wien. In Bern schoss gerade Helmut Rahn das WM-Tor, es war live aus dem Radio zu hören. Hauptdarsteller Hans Bürkin verkörperte – stets im seriösen Nadelstreifenanzug – den lebenslustigen Jungunternehmer. Prächtig, wie er während des ganzen Stücks wortgewaltig und schlagfertig seine Eskapaden vertuschte.
Männerbünde, ob nun Ritterorden oder zeitgemäße Fluchtburgen, meist mit streng geheimen Ritualen, scheinen auf das scheinbar starke Geschlecht große Anziehungskraft auszuüben. Alle wollten Artusritter werden oder gaben vor bereits zum Ritter geschlagen zu sein. Wozu werden Männer Ritter? Immerhin um ein gar nicht ritterliches Doppelleben zu führen. Herrlich anzusehen, wie sich langsam aber sicher eine kaum durchschaubare Verflechtung von tolldreisten Verstrickungen mit bohrenden Fragen emporschaukelte. Dabei zog sich der Wortwitz des Ensembles durch das ganze Stück.
Haushälterin Kathi (Gisela Kappenberger), mit dem spröden Charme eines Hausdrachens, verrät den Besuch von Martin Werner (Hans Bürkin) in einem äußerst zweifelhaften aber keineswegs unangenehmen Etablissement, mit dem wohlklingenden Namen „Die blaue Maus“. Spätestens als es darum ging, die Anschuldigungen verbal zu umschiffen, zeigten die Mitglieder des Ensembles ihr schauspielerisches Können. Herrlich wie Grandsenieur Leo Bamberger (Clemens Allweyer) mit diskreter Ironie die verschiedenen Sachlagen im Stück bewältigte. Oder das theatralische Auftreten eines mittelmäßigen Schauspielers Guido Naschitz (Gunter Hauß) mit seinen überbordenden Gesten. Ehefrau Brigitte (Kathrin Holz) spielte ihre Rolle liebreizend, dass die Frage offen blieb, weshalb treibt sich der Angetraute mit schlechten Weibern herum und verachtet dabei Hochprozentiges auch nicht. Harald Hornung in der Rolle von Herrn Schmiedl, ein tollpatschiger Ritteranwärter, versucht alles mehr oder weniger geschickt, um diesem Ritterorden beizutreten. Die Realität lässt grüßen.
Elsbeth Weber in der Rolle als Karoline Bamberger, gängelt Ehemann und Tochter hin und wieder ein wenig hysterisch und lautstark ihrem Matronat. Glanzvoll die Doppelrolle Michael Schäfer als Gustel und Gusti. In Frauenkleidern und samtig-erotischer Stimme verzückt er die Männerwelt.
Bewundernswert wie das Ensemble unter der Leitung von Regisseur Tom Lauer es vermochte, soviel schauspielerische Fähigkeiten hervorzuzaubern. Keine Sekunde gab es Langeweile. Die Verstrickungen und Unwahrheiten steigern sich ins Unermessliche. Wie sich der Knoten dann langsam löst, wird nicht verraten. Sogar eine keifende, totgeglaubte, verflossene Geliebte (Brigitte Schepers) taucht plötzlich wieder auf.
Auf jeden Fall ein köstliches Sommervergnügen in anheimelnder Umgebung, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.