Das Stück soll ganz leicht „fließen“
Beim Theater am Steinbruch läuft die heiße Probenphase für die Premiere der „Blauen Maus“ am kommenden Samstag
Noch zuckt Regisseur Tom Lauer öfters mal zusammen. „Lebendiger!“, schreit er dann zur Bühne hinüber. Dabei geht es dort für das Auge des Laien schon höchst turbulent zu. Aber das muss so sein, denn „Die blaue Maus“, das Erwachsenenstück des Theaters im Steinbruch ist ein flotter Schwank, der von den Dialogen und vom Tempo lebt.
Seit Februar proben die 13 Akteure das Stück um Strohwitwer Martin Werner (Hans Bürkin), der die Zeit zusammen mit seinem alten Kumpel Gustl (Michael Schäfer) nutzt und sich plötzlich Frau (Kathrin Holz) und Schwiegereltern (Elsbeth Weber, Clemens Allweyer) nebst Anhang (Nadine Janßen, Nicole Meier) gegenübersieht. Was ja nicht so schlimm wäre, wäre er nicht auf die Idee verfallen, die von Hausgehilfin Kathi (Gisela Kappenberger) sorgsam registrierten nächtlichen Abwesenheiten mit seinem Beitritt zu den Artusrittern zu erklären. Den wünscht sich die Familie von ihm, und deren Wohlwollen braucht er zum Ausbau seiner Fabrik. Das ist aber in höchster Gefahr, wenn der Nachtportier der von Martin frequentierten „Blauen Maus“ (Gunter Hauß) hereinspaziert und sich zu allem Übel Martins Architekt und Zukünftiger seiner Schwägerin (Jan Schmidt) als Artusritter entpuppt, während der solide Schwiegervater… Aber halt, das wäre zu viel verraten!
So viel Spaß und Situationskomik dieses Stück für die Zuschauer bereit hält: Für die Schauspieler gehört harte Probenarbeit dazu, anfangs einmal die Woche, dann zwei- bis dreimal und jetzt, in der heißen Phase vor der Premiere, täglich. Drei Akte hat der Schwank und das bedeutet für die Hauptakteure einen ganzen Abend Bühnenpräsenz. Da muss – Grundvoraussetzung eins – der Text sitzen; ist noch nicht bei allen so. Aber Unaufmerksamkeit gilt nicht und es darf keiner einfach so ’rumstehen, nur weil sich der Dialog grade am anderen Ende der Bühne abspielt.
Das Naturtheater macht es nicht gerade leichter, findet Lauer: Wenn ein Boulevardstück hier wirken soll, muss es schnell, sicher und flexibel gespielt werden. Alles muss ganz leicht und selbstverständlich wirken, „fließen“ soll das Stück. Diese Leichtigkeit zu erreichen, ist gar nicht so einfach, sondern schon fast harte Arbeit. Zu stressig darf das Ganze aber auch nicht werden – schließlich opfern hier Laien ihre Freizeit.
Freilich, einige von ihnen sind schon fast Profis auf der Bühne und tragen das Stück. So werden die Szenen immer seltener, bei denen der Regisseur sichtbar zusammenzuckt. Und die Besucher der Freilichtbühne dürfen sich auf einen unbeschwerten Abend mit einem flotten und heiteren Unterhaltungsstück freuen. Es befand sich schon seit zwei Jahren in der „erweiterten Auswahl“ des Spielausschusses, berichtet Theater-im-Steinbruch-Vorsitzender Clemens Allweyer. Ausgesucht wurde es unter anderem wegen seiner vielen Frauenrollen und weil’s nochmal eine leichte Komödie sein sollte. „Nächstes Jahr“, denkt der Vorsitzende schon weiter, „gibt’s dann mehr Kulisse.“