Alle Ölfässer des Südens
SOMMERTHEATER: Nestroys Posse „Einen Jux will er sich machen“ im Steinbruch Emmendingen
Vor der steil aufragenden, zerklüfteten Felswand macht sich die bunte Spanplatten-Kulisse des Gemischtwarenladens Zangler ausgesprochen pittoresk. Eingerahmt von moosbewachsenen Eiben, Gestrüpp und Dickicht, erstreckt sich die Bühne aus Dielenbrettern über die Wiese und bringt mit ihrem kleinbürgerlichen Mobiliar ein Stück Zivilisation in die Wildnis. Mit Nepomuk Nestroys Posse „Einen Jux will er sich machen“ (Regie: Thomas Lauer) ist wieder Spielzeit im Theater im Steinbruch, der idyllisch gelegenen Freiluftbühne nahe des Emmendinger Stadtzentrums.
2002 ganz in der schauspielerischen Tradition der alten „Emmendinger Volksbühne“ gegründet, arbeitet das Amateurtheater seitdem als großer Familienbetrieb: Von den 120 aktiven Mitgliedern stehen über 50 große und kleine Darsteller beim diesjährigen Kinderstück „Peter Pan“ (Regie: Simone Allweyer) oder abends bei Nestroy auf der Bühne, die anderen kümmern sich um Kostüme, Kulissen, Technik oder verkaufen in den Pausen Sekt und Würstl. Das 4000 Quadratmeter große, wildromantische Areal mit Park und Teich liegt hinter der ehemaligen Schuhfabrik Maya und bietet im Kessel des Steinbruchs rund 300 überdachte Plätze.
Freilich spielte man die Volkskomödie (1842) des österreichischen Dichters und Schauspielers nicht auf Wienerisch und sparte sich auch die Gesangseinlagen. Doch auch so erfordert diese aparte Mischung aus Burleske, scharfzüngigem Sprachwitz und turbulentem Slapstick einiges an Schauspielkunst.
Amüsantes und temporeiches Verwirrspiel unter Sternen
Dabei zeigten die Laiendarsteller nicht nur viel Spiellust, sondern auch ein beachtliches Können: Eloquent und profiliert präsentiert sich Zangler (Rainer Ditgens) ganz als souveräner Prinzipal, der das Geschäft vertrauensvoll in die Hände seines Kommis Weinberl (schillernd: Hans Bürkin) legt, um mit seinem trotteligen Hausdiener Melchior (energiegeladen: Michael Schäfer) in der nahen Stadt auf Freiersfüßen zu wandeln. Doch dieser scheinbar so solide Weinberl hat es ihn sich: Kaum wird er zum Teilhaber befördert, reitet ihn der Teufel: Vor der drohenden Wohlanständigkeit will der noch mal „alle Ölfässer des Südens“ mit prallem Leben füllen und „ein richtig verruchter Kerl“ sein. Also zieht er mit dem Lehrbuben Christophel (clownesk: Gunter Hauß) ebenso in die Stadt, wo die zwei wie Dick und Doof tollpatschig und dreist in die größten Turbulenzen geraten, immer auf der Flucht vor ihrem gestrengen Chef. Natürlich führen alle grotesken Zufälle, aberwitzigen Verwechslungen und Maskeraden schließlich doch zum rauschenden Happyend. – Ein amüsantes und temporeiches Verwirrspiel unter Sternenhimmel.