Nussknacker und Mausekönig bekämpfen sich im Emmendinger Steinbruch
Mit dem Nussknacker und Mausekönig von E.T.A. Hoffmann hat das Theater im Steinbruch eine Weihnachtsgeschichte zur Aufführung gebracht, die im Steinbruch einen ganz eigenen Reiz entfaltet.
Der Reiz des Weihnachtsstück Nussknacker und Mausekönig in Emmendingen beruht auf dem gelungenen Zusammenwirken eines aufeinander eingespielten Ensembles, eingebettet in eine meist verträumte Musik (Justin Wilper). Dazu eine Lichttechnik, die mal farbenprächtig, mal fast monochrom oder finster die Atmosphäre verstärkt. Düster und neblig ist es bei der Premiere am Samstag. Die Gäste haben sich mit Decken ausstaffiert, etliche gleich zu Beginn mit heißen Getränken eingedeckt. Also kann es losgehen!
Heiligabend, Zeit der Geschenke: Im Hause Stahlbaum ist die Spannung groß. Die verträumte Marie hat es schwer mit ihren beiden Schwestern, die sie ständig aufziehen. Sie freut sich über den Nussknacker, obwohl ihre robuste Schwester das Geschenk des Paten gleich kaputtmacht. Doch in der Nacht ändert sich alles: Die Puppen erwachen zum Leben, werden menschengroß. Auch die Mäuse wachsen und greifen an, denn sie haben eine Rechnung mit dem Nussknacker offen. Wie gut, dass der die fantasievolle und hilfsbereite Marie an seiner Seite hat.
Manche Szene wirkt wie einem alten Gemälde entsprungen. Dann wieder erinnert das Licht an einen Schwarzweißfilm. Immer wieder prägen schöne Ideen die Inszenierung von Gunter Hauß und Andrea Gerhold. So setzt ein witziges Schattenspiel ein, wenn der Pate (Lutz Konkol, den eine Aura des Geheimnisvollen und Guten umgibt) die Geschichte des Nussknackers erzählt. In der geht es um die Wurst und fiese Mäuse. Und die quirlige Spieluhrfigur (Daria Konkol) hat am Schluss die Lacher auf ihrer Seite, wenn sie den Erzähler (Justin Wilper) weckt, indem sie dessen Buch zuklappt.
Eine Besonderheit sind die Doppelbesetzungen. Etwa Jasmin Baumgratz als Maries streng-stocksteife Mutter, die selbst wütend nie aus der Rolle fällt und im Kontrast giftig loskreischt als wehrhafte, böse Mutter des Mausekönigs. Den spielt Emma Kottmeier, total vernascht und bequem; als Maries Schwester Fritzi ist sie angriffslustig und kämpferisch. Josephine Blust als älteste Schwester hat nur den ersten Ball im Kopf; als verzogene, zickige Prinzessin Pirlipat schreit und heult sie wie ein nerviges Kind. Und es passt, dass Lucas Meier den angriffslustigen und etwas opportunistischen Leutnant Schnetterdeng und den Arzt Maries spielt, der den Dank der Eltern mit einer saftigen Rechnung quittiert. Hans Bürkin bleibt sich als gut gelaunter Patriarch und Geheimrat Stahlbaum mit viel Verständnis für Tochter Marie treu, wenn er als König und Vater der verwöhnten Pirlipat alles aus dem Weg räumen will. Simone Bockstahler als Kindermädchen Gerda nimmt man ihr die kompetente Trösterin für Marie ebenso ab wie die Mutter der Prinzessin im Schattenreich. Laura Hösl gibt die dienstbeflissene Köchin Klara und im nächtlichen Geschehen die leicht affektierte Puppe Klärchen.
All das funktioniert, das Ensemble spielt, als wären es nicht bloß sechs Grad Celsius und als hätten sie nicht wochenlang zum Teil bei Regen und kaltem Wind auf der Freiluftbühne geprobt. Ganz spurlos sind die Proben in der Kälte aber nicht an allen vorübergegangen, sagt Vorsitzender Hans-Joachim Wipfler. Trotzdem: Hauptdarstellerin Mira Rombach als Marie, die ein wenig angeschlagen war, spielte beeindruckend präsent, auch wenn es ihre Stimme strapazierte. Sie überzeugte mit Empathie und Vorfreude, mal schwebend in der Kinderwelt der Fantasie, dann energisch im Kampf für ihren tapferen Nussknacker (Maja Kesselring). Die wiederum wandelt sich leicht von der Spielfigur zur besten Freundin. Der unterhaltsame Abend verging wie im Flug. Kälte? War da was?
Trotzdem gab es zum Schluss bereits eine kleine Vorfreude auf den Sommer. Da gibt es eine Themensaison, es geht um Piraten: Das Jugendtheater spielt Peter Pan und die Erwachsenen die Schatzinsel, sagte Wipfler.