Nur ganze Kerle können Travestie

Premiere des Winterstücks des Theaters im Steinbruch mit 150 begeisterten Zuschauern.

Zum ersten Mal tritt das Theater im Steinbruch auf andere Bühnen auf. Und die Reise hat sich offenbar gelohnt, denn die Premiere in Teningen war mit 150 Zuschauern ausverkauft und die Zuschauer kommen voll auf ihre Kosten bei dieser rasanten und Spaß machenden Komödie „Ganze Kerle“ aus der Feder der kanadischen Autorin Kerry Renard. Am Wochenende folgen gleich drei Auftritte in der Festhalle des ZfP in Emmendingen.

Kein Auge blieb trocken, denn es gab jede Menge absurder Szenen, witzige Dialoge und viel zu lachen. Regie führte Simone Allweyer. Die Aufführung war ein lang gehegter Wunsch der Regisseurin.

Die Bühne ist umgebaut zu einer Umkleide mit Spinden und Bänken, in denen sich die Paketboten des Süddeutschen Paketdienstes umziehen und sich für die Tagestour fertig machen. Im Hintergrund liegen die auszuliefernden Pakete. Schlicht und einfach sind die Requisiten, dennoch glaubwürdig, schließlich erfüllt die Umkleide einen doppelten Zweck – auch für die Wandlung der Darsteller, die über sich hinauswachsen und bald Frauenkleider tragen werden.

Es ist gerade Weihnachten, und die Paketauslieferer packen so ihre eigenen Päckchen aus. So packt Manuel Rodriguez (Lukas Kadlec) ein chinesisches Kochbuch aus. „Der Weihnachtsmann weiß alles.“ Tom Hübner (Lukas Bürgin) erhält als Geschenk eine Dose mit Ingwerkeksen. Die Paketboten necken sich untereinander, denn Tom weiß, dass Joachim „Jogi“ Löwitsch (Lorenz Allweyer) ein Hypochonder und Allergiker ist. „Ingwerallergie, der Jogi kennt sie bestimmt.“ Jogi wohnt noch zu Hause bei der Mutter (Jasmin Baumgratz), die aus den Erzählungen von Jogi bieder und umsorgend erscheint. Später kommt noch Paul, der vierte Paketbote, hinzu, der gerne zum Alkohol greift. Er kommt mit einem blauen Auge an und erklärt, dass er das Weihnachtsgeschenk für seine Freundin vergessen habe. Auf alle vier wartet ein einsames Weihnachtsfest. Dennoch scheinen sie mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein und erledigen sie gerne. „Vom Leben vergessen, und hier hängen geblieben.“

Sie ertragen auch die Allüren des biederen und humorlosen Niederlassungsleiters Frank Kollmann (Clemens Allweyer), der beim Süddeutschen Paketdienst nur ein Rädchen im Getriebe ist und seinen Untergebenen nahelegt: „Wir müssen zusammenrücken. Die Konkurrenz in Osteuropa ist zu groß“. Wichtig sei es, die Kunden glücklich zu machen. Alle Darsteller gehen in ihre Rollen auf, sind quicklebendig und ausdrucksstark und verkörpern sehr glaubhaft diese Paketboten, den Niederlassungsleiter und die Mutter. Mit Wortwitz und rasanter Spielweise treiben sie das Stück voran, und es gibt eigentlich keine Szene, die auch nur ansatzweise langweilig zu nennen wäre.

Dann erfährt Jogi, dass Betty die Tochter des Chefs 10 000 Euro für eine Augenoperation braucht. So überlegen die Paketboten, wie sie die Summe auftreiben können, da in der Trinkgeldkasse nur 312 Euro sind. Schließlich lesen sie eine Anzeige über eine Travestie-Show in Paris. Und da ist die rettende Idee: Männer in Fummel und Pumps. Die Kartenverkäufe laufen gut. So brechen die vier Paketboten in die Umkleide ein und beginnen für die Travestie-Show in Frauenkleidern zu proben.

Zudem sind sie plötzlich auch mit dem Thema Homosexualität und dem Anderssein konfrontiert. „Ich lauf nicht mit einem Fummel herum“, ist Jogi zunächst entsetzt. Doch Manuel finden langsam Gefallen an die neue Rolle und fordert die anderen auf: „Zeig mal Bein.“ Während die Paketboten überlegen, ob sie als Madonna, Helene Fischer oder Beyoncé auftreten, taucht plötzlich Jogis biedere Mutter mitten in der Probe auf.

Die zweieinhalb Stunden inklusive Pause werden sehr kurzweilig und der Zuschauer fiebert auf den Ausgang der Komödie. So gibt es dann auch von den Zuschauern zum Schluss lang anhaltenden Beifall und Standing Ovations. Hut ab vor diesem Ensemble des Theaters im Steinbruch.