Mitreißendes Spiel im Hitzestau

Bei dschungeltauglichen Temperaturen blieb mancher Platz leer / Ein volles Haus wäre verdient.

Regen wäre tödlich für eine Theaterpremiere im alten Steinbruch. Aber zu heiß – das ist auch nichts. Dann fehlen nämlich die Besucher . . .

So erging’s dem „Theater im Steinbruch“ am Sonntag bei der Premiere des Kinderstücks „Das Dschungelbuch“: Bei absolut dschungeltauglichen Temperaturen blieb so mancher Platz leer. Dabei haben Stück und die schauspielerische Leistung der jungen Darsteller ein volles Haus verdient. Wie der kleine Mowgli (Alexander Spöri) keck und unbekümmert durch den Dschungel flitzt, wie er sich mutig dem Tiger Shere Khan (ein schön böser Moritz Vogel) entgegenstellt und zum Schluss doch noch siegt, das machte den Besuchern viel Spaß. Nicht zuletzt durch ein mitreißendes Spiel: Selbst unterm Plüschkostüm schienen die Akteure völlig unbeeeindruckt von den Saunatemperaturen.

Etwa der tapsige Bär Baloo (Jan Schmidt): Wie er da, der Hitze trotzend, in seinem dicken Pelz über den Rasen springt, angriffslustig und fit tobt, herumwirbelt, bis ihn ein gut gezielter Kinnhaken auf die Bretter oder gegen einen Pfosten schleudert – das ist so lebendig und gut gemacht, dass man es einfach gesehen haben muss. Oder die listige Schlange Kaa (Carmelina Bühler): Wie sie sich windet, wenn sie ihren Hungertanz aufführt, wie sie die wilde Affenbande hypnotisiert – und wie ihr dann alle folgen, das ist nur eine der Szenen, die absolut professionell wirken.

Der „Affenkönig“ Benedikt Bachert musste die Premiere übrigens vom Zuschauerraum aus verfolgen – er hatte sich bei der Generalprobe den Fuß gebrochen. Für ihn sprang Gunter Hauß ein, der nach minimaler Vorbereitung eine überzeugende Vorstellung bot. Großartig auch die tapsige Elefantenpatrouille (Sarah Seng, Jessica Rist, Max Frederic Wegener, Adrian Meier und Nina Eich) unter Leitung von Oberst Hathi (Jonathan Vöhringer) und der wendige Panther Bagheera (Isabella Herdrich): Sie alle spielen so typgenau, dass das Anschauen dieses Kinderstückes auch für die Großen ein uneingeschränktes Vergnügen ist. Die kühne Wolfsfrau Raksha (Alexandra Wipfler), Rudelchef Akela (Manuel Reich) und ihr Nachwuchs (Sonia und Raphael Hartmann und Alexandra Wörnhör) passen nahtlos in dieses sehr familiär inszenierte Bild. Bagheera und Baloo geben zugleich das perfekte „Elternpaar“, das sie ja für den kleinen Mowgli sind, wenn sie darüber stöhnen, ihn ja doch nicht halten zu können . . .

Viel gesungen und getanzt wird in dem Stück. Schöne Beispiele sind die Papageien (herrlich eitel und streitlustig: Hannah Schneider, Maria Hornung, Juliana Bachert und Lina Vogel) oder die quirlige Affenhorde (Lorenz Allweyer, Janni Hornung, Constantin und Aron Herdrich, Milena Sexauer, Anja Futterer, Annabelle Spöri, Miriam Fuhrmann und Mathis Allweyer).

Ausgezeichnet übrigens die Artikulation der oft sehr jungen Darsteller: Da ist jedes Wort zu verstehen, alles kommt laut und deutlich rüber. Fazit: Unbedingt anschauen – Groß und Klein werden einen bezaubernden Nachmittag verbringen.