Mit Heizpilz und Skiunterwäsche
Das Theater im Steinbruch probt für die Weihnachtsaufführung.
Die Proben für die Weihnachtsaufführung des Theaters im Steinbruch laufen auf Hochtouren. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bereiten sich die Schauspieler in der Freiluftbühne auf die Emmendinger Inszenierung des Dickens-Klassikers vor. Die BZ hat mitgefroren.
In den Steinbruch dringt der Nebel an diesem Abend nicht vor. Angesichts einer Plustemperatur von einem Grad ist die Stimmung bei Regisseur Gunter Hauß und den Schauspielern kurz vor der Probe noch erstaunlich locker und aufgedreht. „Wir wussten ja gar nicht, worauf wir uns da einlassen, aber man gewöhnt sich daran“, erzählt der Regisseur. Die Kälte allein sei nicht schlimm, problematischer sei die Nässe. Solange es nur kalt sei, sei alles gut, sagt auch eine Schauspielerin und packte ihre Thermoskanne aus. Wärmflaschen und Decken folgen. „Vom Kalten allein wird man ja nicht krank“, spricht sich die Darstellerin der Mrs. Cratchit Mut zu. „Wir haben Gott sei Dank nicht so viele Kussszenen“, ergänzt Fred , der Neffe von Mr. Scrooge. „Viel Ingwertee, möglichst viele Kostümschichten und richtig scharfes Essen vor der Probe“ – so lautet jedenfalls der Tipp seiner Bühnengattin Julie.
„Einige haben sich zu Beginn der Proben extra mit Skiunterwäsche eingedeckt“, erzählte der Regisseur. „Viele Kostüme wurden angepasst. Vor allem bei den natürlich ebenfalls draußen spielenden Innenszenen musste die Unterbekleidung entsprechend dicker sein.“ Es sei schwierig gewesen, wintertaugliche Kostüme zu finden. Erst bei Kollegen in Ötigheim sei man fündig geworden. Trotz aller Schichten ist das Zentrum des Abends der rotglühende Heizpilz auf der Tribüne. Inzwischen sei man bei der zweiten Gasflasche angelangt, verrät ein Bühnentechniker.
Auf die Probendisziplin wirke sich die Kälte nicht unbedingt aus, sagt Gunter Hauß. Obwohl – beim zweiten Durchgang meine er festzustellen, dass die Konzentration ein wenig steige und sich alle Mühe gäben, endlich fertig zu werden. Den Vorteil der Produktion sehe er darin, dass man von Anfang an in einem fertigen Bühnenbild proben konnte. „Für die wenigen Vorstellungen lohnt sich der Aufwand eines eigenen Bühnenbilds nicht, von daher trifft es sich gut, dass wir die Bühne von der Sommersaison übernehmen konnten.“
Überhaupt habe die Truppe Glück gehabt: „Es ist kaum denkbar, aber als wir im September anfingen, hatte es 30 Grad. Um sich Weihnachten vorstellen zu können, habe ich in Ermangelung von Lebkuchen für alle Magenbrot besorgt.“ Probte die Gruppe anfangs zwei Mal die Woche, stehen die Schauspieler jetzt an vier bis fünf Abenden in der Woche auf der Bühne. Sie sind längst in der letzten Phase, der Durchlaufprobe, angelangt. An diesem Abend steht der zweite Teil der Vorführung an. Zweimal wird durchgespielt.
Die Abläufe wurden den Temperaturen angepasst. „Während der Vorführung wird es für die Spielerinnen und Spieler, die auf ihren Auftritt warten, im hinteren Bereich einen Heizpilz geben. Umkleide und Maske haben wir in das Vereinsheim verlegt“, sagt der Regisseur. Von Krankheiten blieb die Truppe verschont. „Einen Plan B haben wir aber auch nicht“, sagt Hauß. Grundsätzlich könnten die 21 Rollen aber von acht Darstellern gespielt werden. Er habe elf zur Verfügung – also einen kleinen Puffer.